Aus Raspberry Pi Geek 10/2021

Mit der Inkscape-Erweiterung Ink/Stitch eigene Stickvorlagen erzeugen (Seite 2)

Es verbleiben zwei Pfadobjekte, das weiße “Linux” und das gelbe “User” mit dem ebenfalls gelben Punkt über dem kleinen I von Linux. Um diese Pfade jetzt stickfähig umzuwandeln, zerlegen Sie sie. Das klappt jedoch nicht mit der Inkscape-Funktion, Sie müssen dazu Ink/Stitch verwenden. Rufen Sie für beide Pfadobjekte Erweiterungen | Ink/Stitch | Fill Tools | Break Apart Fill Objects auf. Damit haben Sie bereits eine erste Stickerei erzeugt.

Ink/Stitch bringt einen aufwendigen Simulator mit, mit dem Sie bei Bedarf die Stickerei ansehen. Wählen Sie dazu alle Pfadobjekte aus und rufen Sie Erweiterungen | Ink/Stitch | Visualise And Export | Simulator / Realistic Preview auf. Das nimmt unter Umständen etwas Zeit in Anspruch, um das entsprechende Fenster zu öffnen. Für die realistische Ansicht setzen Sie einfach den Haken bei realistic. Der Simulator beginnt das Motiv zu sticken, und Sie sehen die Nadelführung (Abbildung 4).

Abbildung 4: Der Stickereisimulator mit unserer gestalteten Grafik in der realistischen Ansicht.

Abbildung 4: Der Stickereisimulator mit unserer gestalteten Grafik in der realistischen Ansicht.

TIPP

Die entsprechenden sogenannten Jumps können Sie später schneiden. Es gibt jedoch auch Stickmaschinen, die selbst schneiden. Für diese setzen Sie Schnittanweisungen mithilfe der Symbole.

Etwas anders gestaltet sich das Sticken mit Satin. Während das erste Beispiel auf Flächen basiert, setzt Ink/Stitch bei Satinstickerei auf Konturlinien. Nehmen Sie wieder die Logo-Datei als Ausgangsmaterial. Nun weisen Sie dem Objekt eine Konturlinie zu. Dazu klicken Sie entweder bei gedrückter Umschalttaste auf eine Farbe in der Farbpalette oder Sie weisen eine Farbe über den Reiter Farbe der Kontur im Füllungs- und Konturdialog ([Umschalt]+[Strg]+[F]) zu.

Die Füllung des Objekts selbst löschen Sie, das klappt am schnellsten über einen Rechtsklick auf das Farbfeld links unten im Programmfenster. Im sich öffnenden Menü wählen Sie dann Füllung entfernen. Alternativ verwenden Sie dazu den Füllungs- und Konturdialog.

Nachdem nur noch die Konturlinie übrig bleibt, wählen Sie Erweiterungen | Ink/Stitch | Satin Tools | Convert Line To Satin. Theoretisch sind Sie damit bereits in der Lage, etwas zu sticken, der Simulator kann das Ergebnis bereits anzeigen (Abbildung 5).

Abbildung 5: Die eben erstellte Satinstickerei in der realistischen Ansicht im Simulator.

Abbildung 5: Die eben erstellte Satinstickerei in der realistischen Ansicht im Simulator.

Diese Methode hat allerdings einen Haken: Mit zunehmender Konturstärke verändert Inkscape die Geometrie, was die Linienstärke limitiert. Um das Innere, also die Flächen der Buchstaben, mit Satinstickerei zu füllen, müssen Sie entweder entsprechende Linien zeichnen oder auf einen sogenannten Stroke-Font zurückgreifen.

Um die erstellte Stickvorlage zu speichern, nutzen Sie den Menüpunkt Datei | Speichern unter und wählen im Dialog eines der angebotenen Formate für Stickmaschinen aus. Interessant ist hier die Möglichkeit, alle Formate auf einen Schlag in einem ZIP-Archiv zu speichern.

Fazit

Ink/Stitch ist ein mächtiges Werkzeug, bietet viele Funktionen und versucht, eine Lösung für möglichst alle auf dem Markt befindlichen beziehungsweise gebräuchlichen Stickmaschinen zu bieten. Dementsprechend schwer gestalten sich aber die Handhabung und das Erlernen. Vieles finden Sie vermutlich nur durch Ausprobieren heraus. Einen Einstieg für einfache Aufgaben finden Sie zwar schnell, komplexere Vorhaben erfordern allerdings einiges an Wissen und mit aller Wahrscheinlichkeit einige Experimente.

Alles in allem präsentiert sich Ink/Stitch als Tool, das dem Linux-Nutzer alle Möglichkeiten bietet, ansprechende Designs für Stickereien zu entwerfen. Darum hat es bereits eine große Fan-Gemeinde, die an der weiteren Entwicklung mitarbeitet. Die Software bereitet viel Spaß und erlaubt es, schöne Geschenke zu gestalten oder den ein oder anderen Euro zu verdienen. (agr)

Sirko Kemter

Der Autor benutzt Inkscape seit der Gründung des Projekts und liebt es, neue Möglichkeiten zu entdecken, die diese Software bietet.

Infos

  1. Ink/Stitch-Erweiterung: https://inkscape.org/~wwderw/%E2%98%85inkstitch-embroidery-extension
  2. Projektseite Ink/Stitch: https://inkstitch.org
  3. Stroke-Fonts-Erweiterung: https://inkscape.org/~khemadeva/%E2%98%85inkscape-stroke-font-extensions
  4. Schriften für Ink/Stitch erstellen: https://inkstitch.org/de/tutorials/font-creation
  5. Font-Design mit Inkscape: Sirko Kemter, “Schwarze Kunst”, LU 03/2021, S. 36, https://www.linux-community.de/45877
  6. LinuxUser-Logo: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:LinuxUser_Logo.svg
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