Aus Raspberry Pi Geek 08/2021

Digitale Hannover-Messe 2021

© Galina Peshkova / 123RF.com

Industrielle Transformation

Martin Mohr

Auch dieses Jahr fand die Hannover-Messe statt, Corona-bedingt allerdings nur digital. Das Motto dieses Jahres lautete “Industrial Transformation Never Stops”.

Innovation, Inspiration, Interaktion – diese drei Schlagwörter beschreiben exakt, wie sich die Hannover-Messe dieses Jahr den Besuchern gegenüber präsentierte. Es ist sicher schwierig, während einer globalen Corona-Pandemie die wichtigste internationale Industriemesse zu veranstalten. Dem Messeveranstalter gelang es aber, für alle Teilnehmer ein wirklich produktives Umfeld zu schaffen. Lassen Sie uns zusammen eine Runde über das virtuelle Messegelände drehen, um zu bestaunen, was es alles zu sehen gibt.

Alles digital

Vom 12. bis 16. April 2021 fand die Hannover-Messe nicht wie gewohnt auf dem Messegelände der niedersächsischen Landeshauptstadt statt, sondern komplett digital im Internet. Die etwa 1800 Aussteller präsentierten an den virtuellen Messeständen fast 10 000 unterschiedliche Produkte aus den Bereichen Automation, Motion & Drives, Compressed Air & Vacuum, Digital Ecosystems, Energy Solutions, Engineered Parts & Solutions, Future Hub sowie Global Business & Markets.

Diese Einordnung der Aussteller entsprach den realen Messehallen und half so dem Besucher, sich zu orientieren und damit leichter interessante Aussteller und Produkte zu finden. Obwohl es sich bei der Hannover-Messe um eine reine Messe für den kommerziellen Bereich handelt, gab es auch für den privaten Besucher viel Interessantes und Wissenswertes zu sehen.

Vorhang auf

Bei jeder digitalen Messe steht und fällt die Akzeptanz des Besuchers (aber auch der Aussteller) mit der Bedienbarkeit des Internet-Auftritts [1]. Hier zeigt sich die Hannover-Messe vorbildlich. Die klar strukturierte Webseite (Abbildung 1) gab sich logisch aufgebaut. Nach einer kurzen Phase der Eingewöhnung konnte man sich sofort auf den virtuellen Rundgang begeben. Die Webseite teilte sich in drei große Bereiche auf, die alle Facetten eines Messebesuchs abbilden: Expo, Conference und Networking.

Abbildung 1: Der Internet-Auftritt der Hannover-Messe präsentierte sich klar strukturiert und logisch aufgebaut.

Abbildung 1: Der Internet-Auftritt der Hannover-Messe präsentierte sich klar strukturiert und logisch aufgebaut.

Im Bereich Expo stellten sich die Aussteller vor. Die Seite erlaubte das Suchen über die Themenbereiche (virtuelle Messehallen) oder auch das Ansteuern bestimmter Aussteller und Produkte. In einer Mediathek standen viele Produktvideos bereit, die sich jederzeit ansehen ließen. Das Highlight in diesem Bereich bestand allerdings aus den Live-Streams, wirklich gut gemachten Videovorträgen mit Live-Schaltungen zu unterschiedlichen Standorten oder auch Industriebetrieben. Teilweise existierten auch reale Messestände mit unterschiedlichen Demoaufbauten. Die Vorstellungen gestalteten die Macher kurz und knackig. Im Anschluss an die Live-Streams beantworteten Experten die Fragen der Teilnehmer.

Begleitend zu den virtuellen Messeständen und Live-Streams gab es wie bei einer realen Messe ein Programm mit unterschiedlichen Fachvorträgen, die der Bereich Conference zusammenfasste. Jeder Vortrag endete mit dem Beantworten von zuvor im Chat gestellten Fragen.

Eine Messe dient häufig auch dazu, neue und interessante Kontakte zu knüpfen. Der Networking-Bereich bot alles, was man dazu benötigt. Dort konnte man Termine planen, Kontakte verwalten oder gezielt nach Personen suchen, mit denen man sich austauschen wollte. Dabei bot die digitale Messe sogar Vorteile gegenüber der realen Welt, denn dort bestimmt das Finden von interessanten Kontakten oft der Zufall.

Anfangs wirkte das feste Planen von Gesprächsterminen etwas starr, bot aber auch den Vorteil, dass beide Gesprächspartner Zeit gewann, um sich vorzubereiten, was letztendlich effektiver ist. Beim Erreichen der geplanten Schlusszeit für den Termin beendete sich auch das Meeting automatisch. Beim ersten Mal wirkte das noch befremdlich; es gab einem aber die Möglichkeit, mit vielen Gesprächspartnern in Kontakt zu treten.

Innerhalb des Messe-Tools gab es in allen Bereichen gute Suchfunktionen. An sinnvollen Stellen fanden sich auch Verlinkungen zu den anderen Bereichen. Stieß man beispielsweise auf ein interessantes Produkt, genügte es, direkt auf den Kontakt zu klicken und einen Termin zu vereinbaren.

Es klingt vielleicht banal, aber der Zurück-Button funktioniert an allen Stellen fehlerfrei, was bei einigen anderen digitalen Messen in diesem Jahr nicht der Fall war. Die Performance des Tools war wirklich gut. Den Funktionsumfang fuhren die Verantwortlichen auf das Nötigste herunter, was dafür sorgte, dass Besucher ohne langes Herumprobieren damit arbeiten konnten. Es gab auch keine Medienbrüche, die für Unmut gesorgt hätten. Alles in allem war der digitale Auftritt der Hannover-Messe der beste, den der Autor während der Pandemie erleben durfte.

Aussteller

Neben einer hervorragenden Plattform spielen selbstredend auch die Beiträge der Aussteller für den Erfolg einer digitalen Messe eine bedeutende Rolle. Hier stechen die exzellenten Videoveranstaltungen heraus, die selbst bei kleinen Live-Streams immer ein Moderator begleitete. Es war zu spüren, dass sich die Veranstalter hier Mühe gaben, ein perfektes Messeerlebnis zu erzeugen. Angenehm war auch, dass die Vorträge der Conference sehr oft mit einer Synchronübersetzung versehen waren.

Die Präsentationen waren interessant und informativ. Die Kontaktaufnahme mit den Ausstellern erfolgte wahlweise per E-Mail oder geplantem Videochat. Ein direktes Chatten war nicht möglich, was im Nachhinein betrachtet gut war, da es für eine strukturierte Kommunikation sorgte. Auch beantworteten die Aussteller die Anfragen in den meisten Fällen.

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