Aus Raspberry Pi Geek 06/2021

Der 3D-Drucker Prusa i3 MK3S im Dauertest

© Prusa Research

Ausdrücklich gut

Martin Mohr

Der solide 3D-Drucker Prusa i3 MK3S strapaziert den Geldbeutel nicht zu arg und erstellt auch ohne ständiges Nachjustieren qualitativ hochwertige Objekte.

Den Prusa i3 MK3S gibt es in zwei Varianten: als Fertiggerät [1] oder als Bausatz [2]. Für das komplett vormontierte Gerät wandern 999 Euro über den Ladentisch, der Bausatz kostet mit 769 Euro etwas weniger. Für den Aufbau des Bausatzes benötigen Sie hauptsächlich Zeit, besonderes Wissen brauchen Sie dazu nicht.

Auf den ersten Blick macht der Prusa-Drucker nach dem Aufbau einen positiven Eindruck: Der Rahmen wirkt äußerst solide, ein Verwinden oder Verziehen lässt sich nicht feststellen. Das schafft Vertrauen, denn ein stabiler Rahmen ist einer der wichtigsten Faktoren für gute Druckergebnisse.

Prusa i3 MK3S

Die Schrittmotoren des Druckers treiben spezielle ICs der Firma Trinamic an, wodurch die Motoren hörbar leiser laufen als bei anderen 3D-Druckern. Die ICs sind auch der Grund, warum der Prusa keine Endschalter benötigt. Sobald der Motor mit einem Hindernis kollidiert, gibt er ein Signal ab, auf das die Firmware reagiert. Dieselbe Funktion kommt auch bei der Kollisionserkennung während des Drucks zum Einsatz. Und zu guter Letzt arbeiten die ICs beim Positionieren der Schrittmotoren mit extrem hoher Genauigkeit.

Eine wirklich praktische Funktion realisiert der Prusa mit dem automatischen Justieren des Druckbetts. Fallen die Toleranzen hier zu hoch aus, justiert der Drucker die Z-Achse automatisch neu. Nach dem Aufbau müssen Sie also nicht viel konfigurieren, alles wird automatisch eingerichtet und justiert. Bei günstigeren Druckern vergeht vor jedem Druck schon einmal eine halbe Stunde, bis man alle Komponenten von Hand justiert hat.

Zur besseren Übersicht fasst die Tabelle “Technische Daten im Überblick” die wichtigsten Eigenschaften des Prusa i3 MK3S zusammen.

Druckraum

250 x 210 x 200 mm

Druckgeschwindigkeit

200 mm/s

Schichtdicke (min.)

0,05 mm

Düsendurchmesser

0,4 mm

Material

PLA, ABS, PET, HIPS, Flex PP, Ninjaflex, Laywood, Laybrick, Nylon, Bamboofill, Bronzefill, ASA, carbonfaserverstärkte Filamente, Polycarbonate und mehr

Maximale Extrudertemperatur

280 Grad Celsius

Leistungsaufnahme

120 Watt

Gewicht

7 kg

Außenmaße

55 x 40 x 50 cm

Zusammenbau

Die Montage des Prusa i3 MK3S stellt den Anwender im Vergleich zu anderen 3D-Drucker-Bausätzen vor keine allzu großen Herausforderungen. Ein wenig Bastelerfahrung vorausgesetzt, erledigen sie den Zusammenbau in etwa vier Stunden.

Es gibt nur wenige Punkte im Aufbau, die etwas handwerkliches Geschick und Feingefühl verlangen. Dazu zählt das Justieren des Antriebsbands für die X-Achse, das ein wenig Tüfteln erfordert. Hierbei hilft aber der mitgelieferte, etwas längere Inbusschlüssel mit dem speziellen Kopf. Der Extruder/Druckkopf ist das zweite schwerer zu montierende Bauteil. Sie sollten ihn in aller Ruhe zusammenbauen, sonst kann es vorkommen, dass Sie ihn nochmals zerlegen müssen, weil etwas nicht passt.

Das waren auch schon die einzigen zwei Knackpunkte, die es beim Aufbau des Druckers zu beachten gilt. Die extrem ausführliche Bauanleitung liefert viele detaillierte Hinweise, farbige Abbildungen erklären jeden Aufbauschritt. Die jeweils erforderlichen Teile hat der Hersteller einzeln in Tütchen organisiert, sodass sich die Sucherei nach dem richtigen Bauteil oder Schräubchen in Grenzen hält. Sollte einmal ein Teilchen auf Nimmerwiedersehen verloren gehen, gibt es eine Tüte mit den typischen Ersatzteilen. Das beiliegende Werkzeug erfüllt auch nach dem Aufbau des Druckers seinen Zweck – bei einigen günstigen China-3D-Druckern ist das eher nicht der Fall.

Erster Druck

Nach der Montage erfordert der Drucker eine Kalibrierung der Z-Achse, die Sie über das Display direkt am Drucker starten. Danach wartet der Prusa i3 MK3S auf seinen ersten Auftrag (Abbildung 1)

Abbildung 1: Der komplett aufgebaute Prusa i3 MK3S mit MMU.

Abbildung 1: Der komplett aufgebaute Prusa i3 MK3S mit MMU.

Um einen ersten Testdruck zu starten, benötigen Sie zunächst ein entsprechendes 3D-Modell. Dafür müssen Sie nicht gleich ein CAD-Programm anwerfen: So wie es beim Programmieren das allseits bekannte “Hello-World”-Beispiel gibt, nutzen Freunde des 3D-Drucks ein kleines Schiffchen als Beispielmodell zum Austesten eines Druckers (Abbildung 2). Die dafür benötigten Konstruktionsdaten lassen sich von verschiedenen Portalen frei aus dem Netz laden.

Abbildung 2: Als "Hello-World"-Pendant fungiert beim 3D-Druck ein Beispiel-Schiffchen.

Abbildung 2: Als “Hello-World”-Pendant fungiert beim 3D-Druck ein Beispiel-Schiffchen.

Zu den beliebtesten Seiten zum Herunterladen von 3D-Modellen zählt Thingiverse [3]. Allerdings wird die Seite so gern aufgerufen, dass sie häufig sehr träge reagiert. Als Alternative bietet sich die Homepage von Prusa [4] an, von der sich ebenfalls 3D-Modelle per Mausklick herunterladen lassen. Die Auswahl an Modellen ist zwar ein wenig kleiner als bei Thingiverse, dafür arbeitet die Webseite rasend schnell. Falls Sie mit Ihrem Prusa i3 MK3S farbig drucken möchten, bietet die Prusa-Homepage dazu die größte Auswahl farbiger 3D-Modelle. Das “Hello-World”-Schiffchen [5] erhalten Sie auf beiden Portalen [6].

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