Nach diesem Schritt kommt der Moment der Wahrheit. Im Erfolgsfall bootet das System mit dem eigenen Logo (Abbildung 4). Auf der ersten und zweiten Konsole, die Sie mit [Alt]+[F1] beziehungsweise [Alt]+[F2] anwählen, erscheint ein Login für den Benutzer root mit dem Passwort root. Nach dem Anmelden kämpfen deutsche Benutzer mit einer US-Tastaturbelegung. Mit dem Befehl loadkeys < de.bmap ändern Sie das.
Erster Start
Beim Booten fällt sofort der schnelle Startprozess auf. Das ist verständlich, denn nachdem der Kernel die Kontrolle an /sbin/init abgibt, passiert nicht mehr viel. Das SysVinit-System startet die wenigen Prozesse aus der /etc/inittab; neben den beiden oben erwähnten Konsolen umfassen sie im Wesentlichen das Skript /etc/rcS, das lediglich ein hello world ausgibt.
An dieser Stelle könnte beispielsweise auch ein Steuerprogramm stehen, das die Kontrolle über die GPIOs des Raspberry Pi übernimmt. Das Originalprojekt liefert noch ein Skript mit, mit dessen Hilfe ein paar zusätzliche Pakete auf dem RasPi landen und das System in einen Repeater umfunktionieren. Im Grunde liefert das LFS-System nur eine extrem minimale Basis, auf der sich eigene Projekte aufbauen lassen.
Dank dem Multifunktions-Binary Busybox wartet das System mit sehr vielen Programmen auf. Die bringen zwar alle grundlegenden Funktionen der Standardprogramme mit, verzichten aber zugunsten des Platzbedarfs auf alle Optionen. So stellt es kein prinzipielles Problem dar, die Ethernet-Schnittstelle des RasPi zu konfigurieren und eine Verbindung ins Internet aufzubauen. Die notwendigen Befehle samt Syntax musste allerdings auch der Autor in seinen mehr als zwanzig Jahre alten Spickzetteln nachschlagen. Die üblichen Distributionen bieten hier den Luxus von einfachen Konfigurationsdateien.
Fazit
Ein kleines, kompaktes System ohne komplexe Abhängigkeiten verspricht, in kritischen Situationen stabiler und zuverlässiger zu laufen. Darauf fokussiert der gesamte (det)LFS-Prozess. Für Normalanwender ist eher der erste Teil interessant: Steht die Cross-Compile-Toolchain erst einmal, lässt sich ein neuer Kernel binnen kurzer Zeit erstellen. Daneben vereinfacht detLFS das Portieren von als Quellcode vorliegender Software, die (noch) nicht in den Debian- oder RasPi-Repositories bereitliegt.
Das Cross-Kompilieren lohnt sich, denn ein Desktop-Linux arbeitet immer noch um einiges schneller als selbst der flinkste RasPi 4. Wer es gemütlich und langsam mag, der spielt den detLFS-Prozess aber auch auf einem RasPi durch. Auf der Projektseite zu PiLFS [4] finden Sie eine Anleitung, die sich eng an das LFS-Handbuch anlehnt. Auch dieses Projekt bietet Skripte für einen vereinfachten semiautomatischen Ablauf. Die laufen dann zwar Stunden, aber man muss dem Mini-Rechner ja nicht bei der Arbeit zusehen. (tle)
Der Autor
Bernhard Bablok arbeitet bei der Allianz Technology SE als SAP-HR-Entwickler. Wenn er nicht Musik hört oder mit dem Rad respektive zu Fuß unterwegs ist, beschäftigt er sich mit Themen rund um Linux, Programmierung und SBCs. Sie erreichen ihn unter mailto:[email protected].
Infos
- Linux from Scratch: http://www.linuxfromscratch.org
- detLFS-Projektseite: http://www.dettus.net/detLFS/
- detLFS-Fork des Autors: https://github.com/bablokb/pi-detLFS
- PiLFS: https://intestinate.com/pilfs/






