Die von Sir Clive Sinclair gegründete Firma Sinclair Research war einer der großen Home-Computer-Hersteller der 1980er- und 1990er-Jahre. Die ersten Geräte (ZX80 und ZX81) legten den Grundstein für den ZX Spectrum mit seiner markanten Folientastatur. Die Besitzer der Spectrum-Rechner übten sich ab 1982 im Programmieren in Basic und Z80-Assembler oder schlossen einen Datasette genannten Kassettenrekorder an, von dem sie Spiele wie “Elite” oder “Manic Miner” in den Hauptspeicher laden konnten.
Schon in den 1980ern war aber ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal der Z80-basierten Computer, dass diese nicht nur zum Spielen taugten, sondern auch für ernsthaftere Aufgaben. Die Modelle mit Diskettenlaufwerk waren in der Lage, das Betriebssystem CP/M [12] zu booten, einen Vorgänger von MS-DOS – was man unter anderem an der Shell, an der 8.3-Dateinamenskonvention und an den Laufwerksbuchstaben erkennt. Für CP/M waren zum Beispiel die auch auf PCs erfolgreiche Textverarbeitung WordStar und die Pascal-Entwicklungsumgebung Turbo Pascal verfügbar.
Der Spectrum-Nachfolger ZX Spectrum Plus hatte eine bessere Tastatur, und auf dieses Modell folgte (unter Sinclair-Regie) noch der ZX Spectrum 128 mit 128 KByte RAM. Er erhielt den Spitznamen “Toast Rack”, weil er dank Kühlerrippen am rechten Rand an einen Toaster erinnerte. Auf dem Design des Spectrum 128 basiert der aktuelle Spectrum Next: Das Gehäuse entwarf der 2018 verstorbene Designer Rick Dickinson, der in den 1980ern für Sinclair arbeitete und dort auch Gehäuse für den ZX81 und verschiedene Spectrum-Modelle entwickelte.
ZX Spectrum Next
Der Spectrum Next (Abbildung 2) zeigt beim ersten Einschalten (und auch später, wenn man einen anderen Monitor anschließt) einen Testbildschirm an, über den sich einer von mehreren Video-Modi wählen lässt. Über die VGA- und HDMI-Buchsen unterstützt der Rechner zahlreiche Bildschirmtypen, darunter auch solche mit RGB-Eingang. Mit einem geeigneten Konverter kann man auch einen Fernseher mit Scart-Buchse nutzen.

Abbildung 2: Der ZX Spectrum Next ist ein Komplettsystem. Er hat dieselbe Größe und eine ähnliche Tastatur wie ein ZX Spectrum 128.
Das Retro-Feeling ist bei einem Monitor mit klassischer Bildröhre im 4:3-Format besonders intensiv, dank HDMI muss man sich jedoch nicht erst auf die Suche nach alter Technik begeben, um mit dem Spectrum Next loszulegen: Er läuft an jedem modernen Fernseher oder PC-Monitor. Über HDMI wird dabei auch das Audiosignal weitergeleitet, was wichtig ist, denn über einen internen Lautsprecher verfügt der Next nicht. Wer die VGA-Buchse für den Anschluss verwendet, nimmt ein separates Kabel mit Klinkenstecker zu Hilfe, um Ton zu hören.
Ein interner Speaker lässt sich übrigens nachrüsten: Das Gehäuse kann man leicht öffnen, und dieser Schritt war bei Modellen aus dem ersten Kickstarter auch nötig, um den Speicher von 1 auf 2 MByte aufzurüsten. Die Geräte aus dem zweiten Kickstarter werden ab Werk bereits den Maximalspeicher (2 MByte) besitzen.
Die Tasten des Spectrum Next haben einen angenehmen Anschlag. Allerdings ist das Tastaturlayout äußerst gewöhnungsbedürftig, wenn man die letzten Jahre mit modernen Rechnern gearbeitet hat. Wer aber parallel immer ein wenig den Umgang mit dem Spectrum Plus (oder 128K) gepflegt hat, fühlt sich sofort zu Hause.
Datenträger
Wenn Sie den Next starten, erscheint ein Menü, aus dem Sie direkt in den eingebauten Basic-Interpreter springen oder über den Eintrag Browser ein Disketten- oder Kassetten-Image von der SD-Karte laden. Im Browser navigieren Sie mit den Pfeiltasten und der Eingabetaste durch das Dateisystem der Karte oder erledigen elementare Verwaltungsoperationen, etwa das Kopieren von Dateien (Abbildung 3).

Abbildung 3: Der Browser ist der Dateimanager, in dem Sie nach Spielen und anderen Anwendungen auf der SD-Karte suchen.
Je nach Dateiformat beobachten Sie dann den typischen Ladevorgang von Datasette (inklusive Modem- respektive Fax-ähnlichem Gepiepe) oder landen direkt im laufenden Programm. Neue, direkt für den Spectrum Next entwickelte Software hat die Dateiendung .bas (Basic-Programm) oder .nex. Wählen Sie einen dieser Einträge aus, startet das Programm nach sehr kurzer Ladezeit.
Einige Beispielprogramme im NEX-Format sind auf dem Rechner ab Werk vorinstalliert, weitere können Sie herunterladen oder teilweise sogar als physischen Datenträger (SD-Karte in DVD- oder Blu-ray-Hülle) kaufen. Abbildung 4 zeigt das kommerzielle Spiel “Baggers in Space” [12]. Basic-Spiele sind auf dem Spectrum Next übrigens deutlich leistungsfähiger als auf den alten Home-Computern, denn NextBasic bietet zahlreiche beschleunigte Routinen für Sprites, Kollisionserkennung, Sound und andere Komponenten eines Spiels.

Abbildung 4: “Baggers in Space” ist eins der kommerziell entwickelten neuen Spiele für den Next. Es wird in einer DVD-Hülle mit eingelegter SD-Karte ausgeliefert.
Zu den unterstützten Dateiformaten gehören auch einige, die für Emulatoren entwickelt wurden. Dateien mit den Endungen .sna, .snx und .z80 enthalten Snapshots – also nicht einfach das Programm, sondern einen Programmzustand. Solche Snapshots erstellen Sie auch selbst: Drücken Sie dazu im laufenden Spiel einfach die gelbe NMI-Taste am linken Gehäuserand (non-maskable interrupt) und wählen Sie im erscheinenden Menü Snapshot48/128. Danach navigieren Sie im Browser in einen geeigneten Ordner und eine neue Snapshot-Datei (Endung .sna) an.
Starten Sie später den Rechner neu und wählen diesen Snapshot aus, setzen Sie die Arbeit (oder das Spiel) an der Stelle fort, wo Sie sie unterbrochen haben. Spieler nutzen dieses Feature gern vor schwierigen Stellen, etwa im Kampf mit einem Endgegner. Allerdings klappt das nur mit alten Spielen, die im ZX-Spectrum-Modus laufen. Bei neuen Titeln für den Next gelingen Snapshots nur dann, wenn die Entwickler ein solches Feature in das Programm integriert haben.
Dateien mit Endung .tap und .tzx enthalten digitale Aufnahmen von Programmkassetten. Das TAP-Format beherrscht jeder Spectrum Next, aber für TZX-Dateien brauchen Sie einen RasPi Zero als Coprozessor. Er entpackt die Archivdatei und spielt sie über eine interne Audioverbindung dem Spectrum Next zu, der dann glaubt, ein normales Tape zu laden. Ein Blick in die Ausgabe von Htop zeigt, dass die Auslastung des Pi Zero bei 20 Prozent liegt, während er mit play die konvertierte TZX-Datei (im WAV-Format) wiedergibt. Eine vollständige Auflistung der unterstützten Dateiformate gibt es im Entwickler-Wiki [13].
Diskettenlaufwerke waren für die klassischen Spectrum-Rechner eher Exoten: Im Spectrum +3, der erst auf den Markt kam, nachdem Amstrad Sinclair aufgekauft hatte, war dasselbe 3-Zoll-Laufwerk verbaut, das sich auch in den Schneider/Amstrad CPCs 664 und 6128 fand. Amstrad hatte aus Kostengründen auf das 3- statt 3,5-Zoll-Format gesetzt. Aktuell gibt es keine Möglichkeit, ein solches 3-Zoll-Laufwerk am Spectrum Next zu betreiben. Externe Disketten-Controller für ältere ZX-Spectrum-Geräte lassen sich zwar theoretisch an den Erweiterungs-Port des Next anschließen, die meisten der Geräte sind aber nicht kompatibel oder können sogar Komponenten auf dem Mainboard durchbrennen lassen.





