Mit dem Pi 400 tritt der Raspberry Pi in berühmte Fußstapfen: Der Mini-Rechner steckt komplett in der Tastatur. Das bringt einige Vorteile, hat jedoch auch eine Reihe von Nachteilen.
Eine Reihe ikonisch verehrter Computer haben quasi als technisches Denkmal einen festen Platz im virtuellen Computermuseum. Dazu zählen zum Beispiel der Sinclair ZX81, der Amiga 500 und der Atari ST. Das zentrale Ausstellungsstück wäre der gute alte Brotkasten, der Commodore C64, der meistverkaufte Computer aller Zeiten.
All diese Exponate haben die Bauform gemein: Die Recheneinheit sitzt zusammen mit der Tastatur in einem kompakten Gehäuse. An diese Tradition knüpft die Raspberry Pi Foundation jetzt mit dem Raspberry Pi 400 an [1]: Erstmals gibt es den RasPi damit als “fertigen” Computer, den man nur noch an einen Monitor oder Fernseher und die Stromversorgung anschließen muss. Noch nie war es so einfach, mit dem Raspberry Pi zu arbeiten.
Raspberry Pi 400
Beim Raspberry Pi 400 kombiniert die Foundation bereits existierende Komponenten. Die Tastatur, und damit das Gehäuse des Geräts, gleicht bis auf wenige Details der rot-weißen Raspberry-Tastatur. Im Inneren arbeitet das brandneue RasPi Compute Module 4 (CM 4), das auf der Technik des Raspberry Pi 4 basiert.
Den RasPi 400 gibt es lediglich in einer Version, die mit 4 GByte Arbeitsspeicher auskommt. Im Handel findet sich das Gerät dennoch in zwei Varianten: einmal als Kit mit diversem Zubehör, einmal nur das Gerät an sich. Der nackte RasPi 400 wandert für knapp 70 Euro über den Ladentisch.
Das Kit, bestehend aus dem RasPi 400, einem USB-C-Netzteil, einer Maus, HDMI-Kabel und einer 16 GByte großen Micro-SD-Karte kostet knapp 100 Euro [2]. Die SD-Speicherkarte ist ab Werk bereits mit einem aktuellen Raspberry Pi OS bespielt, sodass der Käufer nach dem Auspacken der Teile sofort loslegen kann. Der gedruckte und ins Deutsche übersetzte Raspberry Pi Beginners Guide hilft bei den ersten Schritten.
Gut gekühlt, schnell getaktet
Alle Varianten des RasPi 4 basieren auf demselben BCM2711-Chipsatz von Broadcom. Darauf arbeiten vier ARM-Cortex-A72-Kerne mit einer Taktrate von theoretisch bis zu 2 GHz. Das System beschränkt den Arbeitstakt beim RasPi 4 und dem CM 4 jedoch auf maximal 1,5 GHz, da beide Platinen nicht ab Werk über eine zuverlässige Kühlung verfügen. Bei der Entwicklung des RasPi 400 konnten die Entwickler die Abwärme jedoch einplanen. Schließlich steckt die Recheneinheit hier in einem bewusst designten Gehäuse. Ein massiver Kühlkörper nimmt die Wärme der Rechenkerne auf, Schlitze auf der Unterseite leiten sie nach außen. Daher lässt sich der RasPi 400 mit bis zu 1,8 GHz takten und ist somit der offiziell schnellste Raspberry Pi.
Schneller durch Kühlung
In der Praxis macht der RasPi 400 einen sehr guten Eindruck. Das 385 Gramm schwere Gehäuse fühlt sich durch das höhere Gewicht massiver und damit wertiger an als die offizielle Raspberry-Pi-Tastatur (274 Gramm). Sämtliche Schnittstellen und Zugänge finden sich auf der Rückseite. Die Micro-SD-Speicherkarte wird nicht einfach in den Slot geschoben, sondern rastet in den Kartenslot ein. Raspberry-Nutzer der ersten Stunde kennen das noch von der ersten Generation des RasPi. Dadurch lässt sich die Speicherkarte auch wieder besser aus dem Gehäuse herausnehmen.
Anstatt der vier USB-Ports des RasPi 4 verfügt der RasPi 400 nur über drei USB-Schnittstellen; zwei davon arbeiten mit schnellem USB 3.0. Der vierte Port des RasPi 400 dient intern zur Verbindung mit der Tastatur. Über die zwei Micro-HDMI-Ports lassen sich maximal zwei Displays anbinden (entweder eines mit bis zu 4k bei 60 Hz oder zwei 4K-Monitore mit bis zu 30 Hz). Zumindest ein vollformatiger HDMI-Port wäre nützlich gewesen, da sich ein entsprechendes Kabel in so gut wie jedem Haushalt oder Büro findet.
In der Praxis profitiert der Raspberry Pi 400 ganz wesentlich vom in der Tastatur integrierten Kühlkörper. Im Stresstest pendelt sich die Systemtemperatur bei 1,8 GHz Taktrate nach 30 Minuten Volllast bei lediglich knapp 50 Grad Celsius ein (Abbildung 1). Ein herkömmlicher RasPi 4 im offiziellen Gehäuse muss wesentlich mehr schwitzen: Bei ihm stieg im Test bei ansonsten identischen Bedingungen die Temperatur auf über 83 Grad an.

Abbildung 2: Der in die Tastatur integrierte Kühlkörper leitet die Abwärme der vier CPU-Kerne des RasPi 400 zuverlässig ab. Die Temperatur steigt im Stresstest trotz 1,8 GHz Taktrate nicht über 50 Grad Celsius.
Fazit
Der RasPi 400 ist ein robuster Mini-Rechner für Nutzer, die gezielt einen Desktop-Ersatz, eine Mini-Workstation oder einen Thin Client suchen. Der integrierte Kühlkörper leitet die Abwärme der CPU zuverlässig aus dem Gehäuse und erlaubt so eine wesentlich höhere Taktrate. Für Experimente bleibt die GPIO-Schnittstelle auf der Rückseite der Tastatur weiterhin zugänglich. In den technischen Details unterscheiden sich RasPi 400, RasPi 4 und das Compute Module 4 kaum.
Einige Details schränken jedoch den Einsatzbereich des RasPi 400 ein: So leitet er etwa die Kamera- und die Display-Schnittstelle nicht nach außen. Ebenso fehlt die Unterstützung für Power over Ethernet (PoE). Auch Zusatz-HATs lassen sich nicht so kompakt auf die Platine schrauben wie beim klassischen Raspberry Pi. Wer den RasPi 400 öffentlich zugänglich nutzen möchte, kann ihn per Kensington-Lock sichern. Ganz durchdacht ist die Diebstahlsicherung allerdings nicht, da es für den SD-Kartenslot keine entsprechende Sicherung gibt. (cla)
Infos
- Raspberry Pi 400: https://www.raspberrypi.org/products/raspberry-pi-400-unit
- RasPi-400-Kit: https://www.raspberrypi.org/products/raspberry-pi-400






