Sofern Sie jedoch ein Gerät aus einer der aktuellen Baureihen verwenden, besteht die Möglichkeit, das vorhandene Kali-Abbild nach der Installation aufzurüsten und damit denselben Funktionsumfang zu erhalten wie bei den Varianten für Intel/AMD-basierte Rechner. Dazu öffnen Sie das Terminal und aktualisieren zunächst mit Administratorrechten die Paketquellen (Listing 2, erste Zeile). Anschließend installieren Sie das Metapaket kali-linux-default (zweite Zeile).
Listing 2
# apt-get update # apt-get install kali-linux-default
Es zieht die fehlenden Anwendungen mitsamt aller Abhängigkeiten nach, wobei die Routine automatisch die verwendete Rechnerarchitektur und Betriebssystemvariante erkennt. Auf dem RasPi 4 installiert es in der 64-Bit-Version stolze 2778 MByte nach, was entsprechend viel Zeit benötigt.
Sie sollten in diesem Fall selbst bei einer schnellen SD-Karte als Systemlaufwerk mit einem Zeitaufwand von zwei bis drei Stunden rechnen. Prüfen Sie außerdem vor dem Nachinstallieren dieser Pakete mit df -h, ob noch genügend freier Speicher bereitsteht (Abbildung 3).

Abbildung 3: Bei Vollinstallation benötigt Kali Linux mindestens 8,5 GByte freien Speicher auf der SD-Karte.
Benötigen Sie nicht den kompletten Funktionsumfang, sondern nur einzelne Menüs mit deren Anwendungen, so finden Sie für jedes Untermenü ein entsprechendes Metapaket.
Auf dieselbe Weise passen Sie außerdem mithilfe weiterer Metapakete eine Grundversion von Kali Linux für Ihre Bedürfnisse an (Abbildung 4). So steht neben einem Metapaket speziell für ARM-basierte Hardware ein Paket für leichtgewichtige Systeme bereit, mit dem Sie neben den Core-Komponenten nur noch den Webbrowser Firefox-ESR und einen OpenSSH-Server installieren. Eine Liste der verfügbaren Metapakete findet sich auf der Webseite des Projekts [2].

Abbildung 4: Das Nachinstallieren gewünschter Pakete füllt die Menüs mit den fehlenden Programmen auf.
Bei der Installation der jeweiligen Pakete führen viele Werkzeuge bereits eine Vorkonfiguration mithilfe von interaktiven Ncurses-Abfragen durch, sodass die Tools schon nach der Installation zum Einsatz bereit stehen.
Oberflächliches
Auf dieselbe Art wechseln Sie bei Bedarf auch die grafische Arbeitsumgebung. Das System unterstützt dabei Mate, LXDE, Gnome, KDE Plasma, i3, Enlightenment E17 und XFCE. Mit Installation der entsprechenden Metapakete erhalten Sie dabei auch viele der desktopspezifischen Anwendungen und Hilfsprogramme.
Auch für aufgabenspezifische Anwendungen stellen die Entwickler Metapakete bereit. Möchten Sie das Grundpaket um weitere Funktionen für ein spezielles Aufgabenfeld erweitern, lassen sich alle Werkzeuge, die Kali Linux in diesem Bereich in einem Menü zusammenfasst, gesondert installieren.
So finden Sie in der Dokumentation Metapakete für das Hacking von Hardware-Komponenten ebenso aufgelistet wie spezielle Bluetooth-Werkzeuge oder auch Tools für VoIP-Infrastrukturen. Zu den einzelnen kategorisierten Anwendungen gibt es jeweils auch eine Kurzbeschreibung.
Falls Sie das Kali-System auf dem Raspberry Pi aus Sicherheitsgründen verschlüsseln möchten, bieten die Entwickler eine Verschlüsselungsoption auf Basis von LUKS an, die Sie jedoch aufwendig manuell einrichten müssen. Eine ausführliche Dokumentation dazu finden Sie auf der Webseite von Kali Linux [3].
Im Praxistest
Für den Praxistest verwendete der Autor die Distribution auf einem älteren RasPi 3 und einem neuen RasPi 4 mit 4 GByte Arbeitsspeicher. Das Betriebssystem arbeitet auf allen Systemen stabil, ihre volle Leistung entfaltet die Kombination aber nur bei sorgfältiger Planung der Einsatzszenarien und der sich daran orientierenden Auswahl der Betriebssystemvariante.
Dementsprechend muss sich auch die Hardware für den jeweiligen Zweck eignen. Grundsätzlich sollten Sie nur ausreichend große und schnelle MicroSD-Karten als Massenspeicher in Betracht ziehen, da sich bereits beim RasPi 3 spürbare Latenzen ergeben, wenn die SD-Karte zu langsam arbeitet.
Auf dem Modell 4 trat dieses Phänomen bei älteren Speicherkarten sogar in verstärkter Form auf. Für schwächere Systeme wie den RasPi 3 oder gar ein Gerät der zweiten Generation sollten Sie zudem aufgrund der kleineren Arbeitsspeicher Ihr Kali Linux mithilfe der Metapakete selbst zusammenstellen, um nicht unnötig Ressourcen zu verbrauchen und das System damit auszubremsen.





