Bei der Leistungsaufnahme zeigt sich der Orange Pi sowohl im Idle-Modus als auch unter Last sparsamer als vergleichbare RasPi-Modelle. Auch nach dem Herunterfahren konsumiert der kleine Chinese kaum noch Strom – eine Tugend, die die Foundation selbst mit der neuesten RasPi-Generation nicht auf die Reihe bekommt.
Einsatz als Mediaplayer
Allwinner verwendet in seinen SoCs traditionell Mali-GPUs, für die es früher keinen Linux-Kernel-Support gab. Android als Betriebssystem war also Pflicht für alle, die mit billiger Chinaware Kodi nutzen wollten. Dank Reverse-Engineering ändert sich das zurzeit, und die LibreELEC-Entwickler arbeiten aktiv an Portierungen für die H3- und H6-Chips von Allwinner.
Der One Plus wäre ein idealer Mediaplayer, denn der H6-Chip dekodiert hardwareseitig weitaus mehr Codecs als der RasPi 4B. Allerdings befinden sich die verfügbaren Images noch im frühen Alphastadium, und wer dem LibreELEC-Forum [5] folgt, der sieht, dass der aktuelle Zustand zwischen “geht” und “geht nicht” hin- und herpendelt.
An dieser Stelle ist also noch Geduld angesagt, aber die Entwicklung bleibt spannend. Sollte die Unterstützung für den One Plus einen stabilen Status erreichen, wäre er für den Einsatz als Mediaplayer die bessere Wahl als ein RasPi 4B.
Mini-Router
Der Orange Pi R1 (Abbildung 2) ist ein ganz anderes System und ohne funktionale Konkurrenz seitens der Himbeeren. Es basiert auf dem H2+-Design des Orange Pi Zero, doch ihm fehlt die dort vorhandene USB-Buchse. Dafür bringt er aber einen zweiten LAN-Anschluss mit. Beide RJ45-Buchsen liefern maximal Fast Ethernet, der zweite Port hängt zudem über USB am Chip. Zum Glück änderte Xunlong den WLAN-Chip für den R1, denn der des Orange Pi Zero stand wegen mangelnder Stabilität in der Kritik. Das WLAN des R1 genügt für einen Zimmerfunker und liegt im Bereich von einfachen USB-WLAN-Dongles.

Abbildung 2: Der Orange Pi R1 punktet mit zwei Fast-Ethernet-Anschlüssen, die ihn zum Einsatz als Mini-Router prädestinieren.
Sowohl der Zero als auch der R1 bringen neben der üblichen kurzen GPIO-Leiste eine Stiftleiste mit 13 Pins mit, über den die Designer zusätzliche SoC-Funktionen herausführen. Ein kleines Zusatzboard zum Aufstecken für 2 Euro bietet dann zwei USB-2-Anschlüsse, einen IR-Empfänger, eine Soundbuchse sowie ein Mikrofon (Abbildung 3). Während Soundausgabe, Mikrofon und IR-Empfänger bei einem Router keine Rolle spielen, lässt sich der R1 mit Zusatzboard via USB per Mobilfunk-Stick um eine WAN-Schnittstelle erweitern.

Abbildung 3: Das Zusatzboard für den Orange Pi R1 erweitert dessen Funktionen um zwei USB-2-Anschlüsse, ein Mikrofon, eine Soundbuchse und einen IR-Empfänger.
Preislich unterbietet der R1 die gängigen Reise-Router wie den Mango von GL.inet [6] knapp. Der Preis alleine wäre kein Grund für den Einsatz des R1. Allerdings statten die Hersteller Mini-Router üblicherweise mit wenig Speicher und schwacher CPU aus. Dadurch schwächeln sie bei VPN-Verbindungen und limitieren den Durchsatz. Hier punktet der R1 mit seiner flotten H2+-CPU.
Software
Zurzeit unterstützt OpenWrt den R1 nicht vollständig, da es für den WLAN-Chip RTL8189FTV keinen passenden Support gibt. Das liegt daran, dass sich OpenWrt und der Mainline-Kernel darin auseinanderentwickelten, wie sie Chips ansprechen. Das Problem betrifft viele Realtek-Bausteine. Da Armbian aber die Hardware vollständig unterstützt, lässt sich der fehlende OpenWrt-Support verschmerzen.
Suchen Sie eine Anleitung für eine moderne, typische Router-Konfiguration, werden Sie bei Stackexchange.com fündig [7]. Das Posting beschreibt zwar einen RasPi mit zusätzlicher, per USB angebundener Ethernet-Schnittstelle, aber es lässt sich eins zu eins auf den R1 übertragen. Hier erweist es sich als Vorteil, dass sowohl Armbian als auch Raspbian auf Debian basieren und sich auf der reinen Software-Ebene so gut wie nicht unterscheiden.
Bei der Konfiguration als besonders hilfreich erweist sich die vorgelötete serielle Schnittstelle auf dem R1. So bekommen Sie per USB-Adapter einen Zugang zum System, auch wenn das Netzwerk noch nicht richtig funktioniert. Alternativ – und das ist ein Killer-Feature im Vergleich zu den üblichen Routern – nehmen Sie die SD-Karte bei größeren Problemen heraus und reparieren sie auf einem anderen Rechner.
Die Performance des SoC genügt für alle üblichen Router-Aufgaben. Allerdings bereitet dem H2+ das Temperaturmanagement Probleme, denn die CPU drosselt sich bei Überhitzung nicht selbstständig. Passive Kühlkörper und ein gut belüftetes Gehäuse sorgen hier für Abhilfe.
Fazit
Die vorgestellten Orange-Pi-Modelle stehen stellvertretend für eine ganze Reihe von Entwicklerboards aus Fernost. Auf der Hardware-Seite oft besser ausgerüstet als die RasPi-Pendants, leiden sie meist unter mangelnder Dokumentation und begrenzter Software-Unterstützung. Bei vorhandenem Armbian-Support betrifft dies aber überwiegend Hardware-Erweiterungen, für reine Software-Projekte eignen sich die Boards überraschend gut. Dem stehen als Mankos das Versandrisiko sowie die fehlende Gewährleistung gegenüber. Solange sich der geplante Einsatz im skizzierten Rahmen bewegt, spricht der Autor dennoch für beide hier vorgestellte Platinen eine klare Kaufempfehlung aus.





