Aus Raspberry Pi Geek 10/2019

Raspberry Pi 4B als Desktop im Praxistest (Seite 2)

Auch das Anklicken einer der Applikationsgruppen links im Fenster zeigt die enthaltenen Programme nicht alphabetisch an. Das erfordert – vor allem auch bei der Suche nach passenden Sprachpaketen – längeres Scrollen. Ein weiterer Nachteil der Auflistung: Das Tool zeigt stets zunächst die einzeilige Beschreibung für eine Applikation an, erst darunter folgt in kleinerer Schrift der eigentliche Paketname (Abbildung 2).

Abbildung 2: Mit einer lückenhaften deutschen Lokalisierung und verwirrender Sortierung der Suchtreffer wirkt der Paketmanager PiPackages noch etwas unfertig.

Abbildung 2: Mit einer lückenhaften deutschen Lokalisierung und verwirrender Sortierung der Suchtreffer wirkt der Paketmanager PiPackages noch etwas unfertig.

Um die Paketlisten zu aktualisieren, klicken Sie oben links im Programmfenster auf Options und anschließend auf Paketlisten aktualisieren. Nach kurzer Zeit ist das Werkzeug einsatzbereit. Nach Markieren der gewünschten Applikation installiert ein Mausklick auf Apply unten rechts das jeweilige Programm und fügt die neue Anwendung im entsprechenden Untermenü des Starters ein.

Verwirrend

Eine weitere Liste von Applikationen finden Sie im Menü Einstellungen im Dialog Recommended Software. Anders als der Name des Werkzeugs vermuten lässt, zeigt es keine Programmempfehlungen, sondern praktisch alle voreingestellt im System installierten Applikationen, die es in Gruppen unterteilt.

Durch das Entfernen des hinter nahezu jeder Anwendung vorhandenen Häkchens und einen anschließenden Klick auf OK installieren Sie das entsprechende Paket. Zusätzlich von Ihnen installierte Anwendungen erscheinen jedoch nicht in diesem Dialog: Diese müssen Sie über den Paketmanager entfernen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Zum Deinstallieren von bereits voreingerichteten Programmen nutzen Sie den Dialog <span class="ui-element">Recommended Software</span>. Nachtr&auml;glich installierte Anwendungen tauchen darin jedoch nicht auf.

Abbildung 3: Zum Deinstallieren von bereits voreingerichteten Programmen nutzen Sie den Dialog Recommended Software. Nachträglich installierte Anwendungen tauchen darin jedoch nicht auf.

Konfiguration

Der RasPi 4B lässt sich in Raspbian “Buster” bequem hardwareseitig konfigurieren. Dazu stehen zwar, wie bei den Vorgängern, im Menü Einstellungen zahlreiche einzelne Werkzeuge bereit. Die für die Hardware angepassten Tools finden Sie jedoch unter Raspberry-Pi-Konfiguration.

Hier stellen Sie beispielsweise im Reiter System den Videoausgang auf 4K-Auflösung um, sofern Sie einen entsprechend hochauflösenden Monitor besitzen. Über Schnittstellen konfigurieren Sie verschiedene Hardware-Komponenten: Schließen Sie beispielsweise die RasPi-Kamera an oder benötigen Sie Fernzugriff auf die GPIO-Schnittstelle, so aktivieren Sie das durch Setzen eines Radio-Buttons (Abbildung 4).

Abbildung 4: In einem eigenen Dialog nehmen Sie die Konfiguration der Hardware vor.

Abbildung 4: In einem eigenen Dialog nehmen Sie die Konfiguration der Hardware vor.

Die bei einigen älteren Modellen verfügbare Option, die CPU zu übertakten, fehlt beim Raspberry Pi 4B. Nach wie vor können Sie jedoch der GPU bei Bedarf mehr Speicher zuweisen. Als Standard erhält sie 64 MByte, die Sie wahlfrei vergrößern oder verkleinern. Insbesondere bei den Varianten mit 2 und 4 GByte Arbeitsspeicher empfiehlt es sich, beim Verwenden hoher Auflösungen und Farbtiefen den Grafikspeicher zu vergrößern (Abbildung 5).

Abbildung 5: Die Gr&ouml;&szlig;e des Grafikspeichers l&auml;sst sich wahlfrei an den Einsatzzweck des RasPi anpassen.

Abbildung 5: Die Größe des Grafikspeichers lässt sich wahlfrei an den Einsatzzweck des RasPi anpassen.

Im Einsatz

Im Test zeigt sich, dass der Raspberry Pi 4B in vielen Belangen deutliche Verbesserungen erfuhr, was seinem Leistungsvermögen spürbar zugutekommt. Dank des größeren Arbeitsspeichers überlasten selbst viele simultan geöffnete Anwendungen das System nicht mehr, auch nicht Boliden wie LibreOffice oder Firefox. Zusätzlich wirkt sich die verbesserte Grafikleistung positiv auf den Bildschirmaufbau aus.

Bemängeln lässt sich in diesem Kontext aber die relativ schwache Leistung beim Abspielen von Videos im Fullscreen-Modus. Sofern bei Videos der H.264- oder H.265-Codec zum Einsatz kommt, laufen sie durch die Hardware-Unterstützung jedoch flüssig. Andere Formate, wie das ebenfalls gebräuchliche MPEG-2, muss nun allerdings die CPU dekodieren, was teilweise zu Bildrucklern führt.

Beim simultanen Start mehrerer großer Anwendungen lastet das Betriebssystem die CPU sehr gut aus. Als Flaschenhals entpuppt sich in der Standardkonfiguration eine zu langsame Micro-SD-Karte. Es empfiehlt sich daher, eine möglichst schnelle Speicherkarte zu verwenden oder – sobald erhältlich – eine SSD-Lösung via Aufsteckmodul, um den Rechner bei Speicherzugriffen signifikant zu beschleunigen.

Im Alltagseinsatz dagegen hält der neue RasPi 4B auch beim Einsatz schwergewichtigerer Programme problemlos mit kleinen Desktop-Systemen mit. Bemängeln lässt sich aber die unter Last deutlich erhöhte Wärmeentwicklung, die zumindest eine passive Kühlung erfordert. Entsprechende Kühlkörper finden Sie im einschlägigen Versandhandel. Parallel muss auch das Gehäuse gute Lüftungsmöglichkeiten bieten, damit das System nicht überhitzt (Abbildung 6).

Abbildung 6: Ein simultaner Start mehrerer Programme lastet die CPU gut aus, die das mit merklicher W&auml;rmeentwicklung quittiert.

Abbildung 6: Ein simultaner Start mehrerer Programme lastet die CPU gut aus, die das mit merklicher Wärmeentwicklung quittiert.

Fazit

Mit dem neuen Raspberry Pi 4B gelingt den Entwicklern ein deutlicher Sprung nach vorn. Durch die auf vielen Gebieten erneuerte und verbesserte Hardware macht das System einen insgesamt wesentlich stimmigeren Eindruck als seine Vorgänger. Das dazugehörige neue Betriebssystem Raspbian “Buster” lässt sich im Alltag bereits absturzfrei und damit produktiv einsetzen, bedarf jedoch an einigen Stellen noch des Feinschliffs.

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