Aus Raspberry Pi Geek 08/2019

Alte Stereoanlage mit dem RasPi und Hifiberry aufrüsten (Seite 2)

Abbildung 4: Die Denon Ceol ist eine eigenständige Kompaktanlage mit CD-Player und Lautsprechern.

Abbildung 4: Die Denon Ceol ist eine eigenständige Kompaktanlage mit CD-Player und Lautsprechern.

Eine Ausnahme ist Yamaha. Der Receiver RX-A670 (ab 600 Euro) verfügt über alle erdenklichen Funktionen und hat sogar einen integrierten Bluetooth-Audiosender. Der etwas ältere RX-V681 (ab etwa 500 Euro) ist dazu ebenfalls in der Lage. Beim neueren R-N803D, ebenfalls gut vernetzt und mit 700 Euro noch teurer, verzichtet Yamaha wiederum auf diese Funktion. Sämtliche Yamaha-Geräte unterstützen aber auch nur FAT16 und FAT32.

Beim Kauf eines nagelneuen Receivers kommt man sich daher vor wie bei der Anschaffung eines Elektroautos: Man gibt bisweilen viel Geld aus, ohne an die Reichweite des billigsten Benziners heranzukommen.

Hifiberry

Die Alternative zu einem kompletten Receiver besteht daher zunächst in einem eigenständigen Netzwerkspieler. Den schließt man an eine bestehende Anlage an und kann dann beispielsweise Musik per Bluetooth-Adapter auf den Verstärker spielen. Andere Netzwerkspieler lassen sich wiederum per DLNA ins Heimnetz einbinden. Ein günstiges Beispiel dafür liefert etwa der Yamaha NP S303. Er vermag via Bluetooth Musik auf Kopfhörer und Lautsprecher wiederzugeben und ist auch ansonsten sehr gut vernetzt. Ohne Fernbedienung und App geht aber gar nichts. Das zweizeilige LCD-Display ermöglicht nur eine sehr limitierte Nutzung ohne die Musiccast-App.

In einem Test weist die FAZ [3] darauf hin, dass es neben den Geräten aus dem Ladenregal noch eine weitere Möglichkeit gibt, seine Stereoanlage zu vernetzen: mithilfe des Bastelcomputers Raspberry Pi und einer Aufsteck-Soundkarte wie der des Schweizer Herstellers Hifiberry. Selbst beim Klang soll diese Kombination mit den deutlich teureren Testgeräten mithalten können, sogar mit dem 4 200 Euro teuren Auralic Aries G2.

Hifiberry bietet für die Kombination eine eigene kleine Box an. Doch wir suchen ein autarkes Modell, das sich auch ohne jede App bedienen lässt. Das erfordert ein touchfähiges Display und damit ein größeres Gehäuse. Aber da es Leute gibt, die sogar ihren VW Käfer auf Elektroantrieb umrüsten, könnte es sein, dass die alte Philips-Anlage doch noch nicht in den Elektroschrott wandern muss.

Da der CD-Player ohnehin defekt ist und ganz oben im Gehäuse sitzt, lässt sich dort problemlos Platz für das Display schaffen (Abbildung 5). Zudem soll die digitale Musiksammlung auf dem NAS ohnehin die CDs überflüssig machen. Unter der Plastikhaube bleibt noch genügend Raum, um den RasPi und den Hifiberry unterzubringen. Positioniert man die beiden Platinen richtig in der Ecke, lassen sich alle Ausgänge nutzen. Das dünne Plastik erleichtert es, die Aussparungen für Display und Anschlüsse herauszusägen (Abbildung 6). Es spricht also nichts dagegen, den Umbau zu wagen.

Abbildung 5: Mithilfe eines 7-Zoll-Touch-Displays und dem Mediacenter Kodi lässt sich relativ komfortabel in der Musiksammlung stöbern.

Abbildung 5: Mithilfe eines 7-Zoll-Touch-Displays und dem Mediacenter Kodi lässt sich relativ komfortabel in der Musiksammlung stöbern.

Abbildung 6: Immerhin vier USB-Anschlüsse bringt der Raspberry mit. Vernetzen lässt er sich per LAN und WLAN.

Abbildung 6: Immerhin vier USB-Anschlüsse bringt der Raspberry mit. Vernetzen lässt er sich per LAN und WLAN.

Ein-Aus-Schalter

Da der Raspberry Pi bekanntlich nicht über einen Ein- und Ausschalter verfügt, sollen die beiden Platinen um eine weitere mit der entsprechenden Funktion ergänzt werden (Abbildung 7). Als Schalter soll die Taste fungieren, die zuvor die Schublade des CD-Players bediente – dafür wird sie nun nicht mehr gebraucht. Für solche Ein-Aus-Schalter gibt es etliche Anleitungen im Netz, die teilweise einen kompletten Microcontroller benötigen. Wir haben hingegen eine Schaltung mit einem einfachen RC-Glied und einem transistorgesteuerten Selbsthalterelais konzipiert. Damit lässt sich der Raspberry Pi zum Hochfahren einschalten (Abbildung 8).

Abbildung 7: Der Schaltplan für den Ein-Aus-Schalter. Als Taster dient der frühere Auswurfknopf der CD-Schublade.

Abbildung 7: Der Schaltplan für den Ein-Aus-Schalter. Als Taster dient der frühere Auswurfknopf der CD-Schublade.

Abbildung 8: Über eine zusätzliche Platine lässt sich der Raspberry Pi mitsamt Peripherie sicher ein- und ausschalten.

Abbildung 8: Über eine zusätzliche Platine lässt sich der Raspberry Pi mitsamt Peripherie sicher ein- und ausschalten.

Zudem lassen sich mit derselben Schubladentaste mehrere Funktionen aufrufen, die wir über einen GPIO-Eingang des Raspberry Pi abfragen (Abbildung 9). Je nach Anzahl der Betätigungen lässt sich der Mini-Computer dann herunterfahren oder neu booten. Die Steuerung übernimmt ein kleines Python-Skript. Wir nutzen dabei die Tatsache, dass der USB-Ausgang des Raspberry Pi im Gegensatz zu den 5V-GPIO-Pins nach dem Herunterfahren spannungslos geschaltet wird. Dann entlädt sich der Kondensator des RC-Glieds, und das Selbsthalterelais unterbricht die Stromversorgung wieder.

Soundkarte

Zunächst war geplant, den Ausgang des Hifiberry auf den AUX-Eingang der Anlage zu legen. Mithilfe eines Schlupfaugenschalters sollten die beiden Eingänge umgeschaltet werden. Doch zufälligerweise stießen wir im Netz auf einen Schaltplan für die baugleiche Kompaktanlage Grundig 18 C [4] und fanden so heraus, welche Pins des CD-Players am sogenannten Sound Fader Control Circuit (Sofac) hängen. Daher haben wir den Hifiberry-Ausgang direkt über den entsprechenden Pfostenstecker auf der Platine angeschlossen. Um ein Brummen zu vermeiden, kam dabei ein abgeschirmtes Netzwerkkabel zum Einsatz (Abbildung 9).

Abbildung 9: Mithilfe eines untergelegten Blechs passen die RasPi- und Hifiberry-Platinen genau in die Ecke.

Abbildung 9: Mithilfe eines untergelegten Blechs passen die RasPi- und Hifiberry-Platinen genau in die Ecke.

Um die Cinch-Ausgänge nicht anschließen zu müssen, weist die Hifiberry-Platine bereits Bohrungen für einen Pfostenstecker auf. Zwar erlischt die Garantie, wenn man an dem Aufsatz herumlötet, doch das lässt sich kaum vermeiden, wenn man noch GPIO-Pins nutzen will. Diese erreicht man wegen des Aufsteckaufsatzes nur über die Hifiberry-Platine. Dabei gilt es zu beachten, dass bestimmte Pins bereits durch den Hifiberry reserviert sind [5]. Die Stromversorgung erfolgt ebenfalls über den Hifiberry.

LibreELEC

Neben dem Aufbau der Hardware stellt sich die Frage, welche Software auf dem Receiver zum Einsatz kommen soll. Zum Streamen von Musik bietet sich beispielsweise Volumio an [6]. In unserem Fall gibt es allerdings das Problem, dass neben der Kompaktanlage mit Euronorm 2 noch ein Samsung-Fernseher mit Euronorm 5 steht. Dieser ist zwar schon smart und vernetzt, schwächelt aber bereits seit einiger Zeit bei der Wiedergabe bestimmter Inhalte. Schon 2017 entfernte Samsung die Youtube-App [7]; zudem gibt es keinen brauchbaren Webbrowser, um Videoangebote im Internet zu nutzen.

Daher fiel die Wahl auf ein Dual-Boot-System für das freie Mediacenter Kodi und eine Linux-Distribution. Als Kombinationen stehen beispielsweise Berryboot und OpenELEC oder Noobs und der OpenELEC-Fork LibreELEC zur Verfügung. Allerdings stellte sich heraus, dass OpenELEC derzeit keine Erweiterung für die Aktivierung der GPIO-Pins unterstützt und seit dem Fork vor drei Jahren generell nicht mehr regelmäßig aktualisiert wird. Berryboot und LibreELEC harmonieren zudem nicht immer miteinander. Die Entwickler empfehlen daher, diese Kombination zu vermeiden [8].

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