Die elektrisch leitende Farbe Bare Conductive erlaubt es, einfache Leiterbahnen auf einen beliebigen Untergrund aufzumalen. Der innere Widerstand der Farbe begrenzt die Möglichkeiten allerdings.
Die Leiterbahnen auf Platinen werden üblicherweise geätzt, doch für Experimente oder kreative Aufbauten gibt es noch eine weitere Option: leitfähige Farbe. Bevor Sie aber zum Pinsel greifen, sollten wir noch einen kurzen Blick auf die Farbe Bare Conductive werfen, die wir einsetzen wollen. Prinzipiell eignet sich Bare Conductive zum Herstellen von Sensoren und Stromkreisen. Das Verfahren selbst nennt sich Kaltlöten und lässt sich auch nutzen, um Leiterplatten zu reparieren. Die tiefschwarze Farbe lässt darauf schließen, dass Bare Conductive auf Kohlenstoff (Grafit) basiert.
Auch die Merkmale abseits der leitenden Eigenschaften machen die Farbe für Bastler so interessant: Sie ist nicht nur ungiftig, sondern auch wasserlöslich. Man kann sie also schnell wieder abwaschen, falls einmal etwas daneben geht. Der Autor weiß, wovon er spricht: Er hat ein paar sehr dekorative Flecken einer silberbasierten leitfähigen Farbe auf dem Schreibtisch, die sich nicht mehr entfernen lassen. Bare Conductive trocknet bei Raumtemperatur innerhalb von 15 Minuten und ist danach gut leitfähig.
Die leitfähige Farbe lässt sich in Deutschland für knappe 10 Euro über den Fachhandel [1] beziehen. Der Hersteller selbst betreibt zudem einen eigenen Online-Shop [2], über den er auch zusätzliche Produkte vertreibt. Da der Hersteller die Ware aus England verschickt, muss man sich dann allerdings mit dem Thema Einfuhrzoll auseinandersetzen. Interessieren Sie sich für die genauen Eigenschaften von Bare Conductive, werfen Sie am besten einen Blick in das Datenblatt des Produkts [3].
Widerstand
Bei unserem ersten Versuch malen wir mit der Farbe einen 10 Zentimeter langen Strich auf einen Karton als Unterlage. Die Paste lässt sich recht gut verarbeiten und trocknet schnell an – zumindest, so lange man keine dicken Farbkleckse produziert, wie sie Abbildung 1 zeigt. Sobald die Farbe vollständig durchgetrocknet ist, messen wir den Widerstand des Strichs.

Abbildung 1: Bei einem Widerstand von etwa 1 kOhm auf dem Teststrich leitet die Bare-Conductive-Farbe eher mäßig.
Die etwas größeren Flächen sollten das Messen vereinfachen. Der Autor hatte allerdings den Eindruck, dass die Farbe anfangs etwas zu zähflüssig war, was sich nach einiger Zeit geändert hat. Die Ursache dafür könnte darin liegen, dass die Tube schon einige Monate im Schrank lag.
Der Widerstand des Strichs beträgt nach dem Trocknen etwa 1 kOhm. Auf der Mitte der Messstrecke waren es erwartungsgemäß rund 500 Ohm. Diese an sich recht guten Werte liegen aber wahrscheinlich noch ein wenig zu hoch, um eine echte Schaltung wie zum Beispiel ein Flipflop aufzubauen.
Experimente
In einem zweiten Versuch wollen wir herausfinden, ob es gelingt, eine LED mit einer Leitung aus der Farbe zum Leuchten zu bringen. Dazu ziehen wir neben unserem ersten Farbstrich noch einen zweiten und kleben die Leuchtdiode mit ihren Beinchen daran fest.
Danach legen wir eine Spannung von 5 Volt an den Versuchsaufbau an. Und siehe da: Die LED leuchtet (Abbildung 2). Es kann vorkommen, dass die Farbe nach dem Trocknen nicht leitende Bereiche aufweist. Falls das einmal passieren sollte, kann man die Leiterbahn einfach noch einmal übermalen.

Abbildung 2: Für elektronische Schaltungen eignet sich die Farbe weniger, doch LEDs bringt man mit ihr problemlos zum Leuchten.
Für einen dritten Versuch malen wir einige Tiere auf. Sobald man eine der Zeichnungen berührt, soll ein entsprechender Sound ertönen. Da dieser Versuch einige Programmierarbeit benötigt, haben wir ihn in einen eigenen Artikel [4] ausgelagert.
Fazit
Die elektrisch leitende Farbe von Bare Conductive ist ein nützliches Produkt, mit dem sich viele interessante Versuche rund um Elektrizität umsetzen lassen. Beim Aufmalen komplexerer elektronischer Schaltungen müssen Sie allerdings den recht hohen Widerstand im Kopf behalten. Doch gerade er sorgt dafür, dass man mit der Farbe hervorragend Touch-Sensoren oder Potenziometer malen kann. Bei der Verarbeitung müssen Sie sehr sorgfältig vorgehen und die Farbe gleichmäßig auftragen, sonst entstehen sehr hochohmige Bereiche. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei Bare Conductive um ein tolles Material, das sich in vielen Projekten einsetzen lässt. (cla)
Der Autor
Martin Mohr hat die komplette Entwicklung der modernen Computertechnik live miterlebt. Nach dem Studium entwickelte er Überwiegend Java-Applikationen. Mit dem RasPi erwachte seine alte Liebe zur Elektronik wieder.
Infos
- Bezugsquelle: https://www.reichelt.de/leitfaehige-farbe-stift-10-ml-bc-ep-10ml-p178668.html?search=bare+conductive
- Shop des Herstellers :https://www.bareconductive.com
- Datenblatt: https://cdn-reichelt.de/documents/datenblatt/D800/BC_EP_XXML_DB.pdf
- ESP32-Sound-Bilderbuch: Martin Mohr, “Sound-Maschine”, RPG 01-02/2022, S. 32, https://www.raspi-geek.de/47078






