Sowohl beim Stromverbrauch als auch beim rohen Festplattendurchsatz und der Performance typischer Netzwerkdienste (Samba, NFS, SCP, Rsync) gab sich das System im Vergleich zu einem Raspberry Pi 3 mit angeschlossener USB-Festplatte keine Blöße. Beim Stromverbrauch liegt die CM3-Kombi unter jenem des RasPi 3, was angesichts der fehlenden Funkchips auch nicht überrascht.
Da der SATA-Adapter am USB-Bus hängt, wirkt dieser im System wie ein Flaschenhals, der den Datendurchsatz begrenzt. Das theoretisch mögliche Maximum von 20 MByte/s von und zur Festplatte (40 MByte/s, aufgeteilt auf Netzwerk- und SATA-Adapter) erreichen aber alle Protokolle. Bei kleineren Dateien, die im Buffer-Cache landen, fällt die gefühlte Netzwerkperformance noch höher aus. Dank der vier CPUs brechen auch verschlüsselte Protokolle wie SCP und Rsync nicht ein.
WDLabs hat mit dem PiDrive Node Zero (Abbildung 3) noch eine eigene Konkurrenz im Haus. Dank RasPi Zero ähnlich kompakt wie der CM3-Adapter, eignet sich auch dieses Produkt prinzipiell für Server-Anwendungen. Beim Stromverbrauch nicht zu schlagen, schwächelt die Kombi allerdings bei CPU-intensiven Protokollen wie Rsync und SCP: Dort erreicht sie nur ein Drittel des Durchsatzes des CM3. Wer seine Daten allerdings sowieso per WLAN überträgt oder nur NFS oder Samba nutzt, bemerkt von dem Unterschied genauso wenig wie Anwender, die mit der intelligenten Platte hauptsächlich streamen.

Abbildung 3: Der kleine CM3-Bruder PiDrive Node Zero kommt wegen seiner eher schwachen CPU-Performance vor allem bei der Datenübertragung mit verschlüsselten Protokollen wie SCP ordentlich ins Schwitzen.
Der Vergleich mit dem Node Zero führt zur entscheidenden Frage: Lohnt sich das Ganze überhaupt? Finanziell summieren sich die Ausgaben für den Kombi aus Platine, CM3 und Ethernet-Adapter auf 84 Euro. Ein RasPi 3 schlägt inklusive eines einfachen USB-SATA-Adapters für etwa 10 Euro mit ungefähr 50 Euro zu Buche. Wer beim Raspberry Pi 3 denselben Durchsatz erzielen möchte, muss allerdings auf den eingebauten Ethernet-Port verzichten und noch einmal 11 Euro für einen USB-Gigabit-Adapter hinlegen. Unterm Strich kostet diese Kombination aber auch dann noch über 20 Euro weniger als die Kombinationslösung.
Als Gegenwert für den höheren Preis bietet der CM3 aber ein deutlich kompakteres Gesamtsystem, bei dem alle Kabel auf einer Seite ankoppeln. Je nach verfügbarem Platz und Anwendungsfall kann das den Ausschlag geben. Fallen die Anforderungen an die CPU aber eher gering aus, erweist sich der PiDrive Node Zero als noch bessere Lösung: Hier bekommen Sie ein lauffähiges Komplettsystem aus Festplatte, Pi Zero und vorinstallierter SD-Karte für 45 Euro.
Das Slice-Light Kit
Eine konsequentere Umsetzung des CM-Prinzips zeigt das Slice-Light Kit von Pimoroni [3], das es aber nur noch in wenigen Exemplaren gibt. Die via Kickstarter finanzierte Idee war ein gut ausgestatteter Mediaplayer auf Basis des CM1. Entsprechend luxuriös statteten die Entwickler die Trägerplatine (Abbildung 4) aus. Neben einem SATA-Anschluss für den Massenspeicher verfügt das Kit über eine Echtzeituhr, einen IR-Empfänger sowie LAN- und USB-Anschlüsse. Als besonderen Gimmick bietet die Platine 25 steuerbare LEDs für Lichteffekte. Beim ursprünglichen Produkt war auch ein Metallgehäuse dabei.

Abbildung 4: Das Slice-Light Kit überzeugt zwar mit einer üppigen Hardware-Ausstattung, die Software-Seite vernachlässigten die Entwickler allerdings.
Was auf dem Papier gut klingt, stellt sich in der Realität allerdings als teilweise fragwürdig heraus. Das fängt schon bei der fehlenden Dokumentation und Montageanleitung an. Einen versierten Bastler stört das vermutlich weniger. Doch wer meint, es genüge, nach dem Zusammenbau schnell mal seine Lieblingsdistribution aufzuspielen, der täuscht sich.
Ein Standard-Raspbian bootet zwar, allerdings funktionieren weder die USB-Ports noch das Netzwerk. Selbst bei diesen eher banalen Komponenten griffen die Slice-Light-Macher offenbar zu proprietärer Hardware. Um das Kit in Betrieb zu nehmen, müssen Sie also entweder selbst einen passenden Kernel oder das mitgelieferte Slice OS einspielen. Dabei handelt es sich um ein angepasstes LibreELEC, im Auslieferungszustand allerdings eines aus dem Jahr 2015. Es gibt zwar eine neuere Version auf Github [4], aber auch sie hinkt mehr als 1000 Commits hinter dem LibreELEC-Master zurück.
Damit fällt der Slice-Mediaplayer eigentlich in die typische, inzwischen allgegenwärtige Kategorie von Elektronikprodukten, die der Hersteller mit unfertiger Firmware ausliefert und anschließend kaum noch pflegt. Da das System letztlich aber doch auf einem offenen Linux beruht, ist die Situation weniger hoffnungslos als bei anderen Produkten. So nahm sich einer der LibreELEC-Entwickler der Plattform an und veröffentlicht regelmäßig aktualisierte Versionen einer angepassten LibreELEC-Version, die Sie auf der Download-Seite von LibreELEC [5] finden. Dort wählen Sie unter Direct Downloads die Plattform Five Ninja’s Slice aus – der offizielle Name des Startups hinter dem Produkt.
Wer ein paar Tage Recherche- und Bastelaufwand nicht scheut und sich gut genug mit Linux auskennt, um einen Kernel selbst zu bauen, der bekommt eine interessante Hardware-Plattform zum Spielen. Selbst als PnP-Mediaplayer macht das Slice-Light wegen des direkten LibreELEC-Supports eine gute Figur und beeindruckt mit coolen Lichteffekten.
Was gibt es noch?
Außer den hier beschriebenen Produkten nutzen recht wenige weitere Systeme das Compute Module. WDLabs bietet neben dem beschriebenen SATA-Adapter noch ein Cable Module an. Die Platine enthält neben einem LAN-Port zwei USB-Anschlüsse und einen zusätzlichen WLAN-Dongle. Konsequenterweise verzichtet WDLabs hier auf einen HDMI-Ausgang.
Wer genug Kleingeld mitbringt und einen großen HD-Monitor sucht, dem bietet NEC passende Lösungen [6]. Sowohl der 40-Zöller V404 (1400 Euro) als auch der 48-Zöller V484 (1900 Euro) bringen jeweils einen Steckplatz für ein Compute-Modul mit. Warum der Kunde das Board in dieser Preisklasse dann extra zukaufen muss, bleibt allerdings unverständlich.
Der amerikanische Hersteller Gumstix bietet auf seiner Webseite [7] einen Drag-and-Drop-Service an, der es “auch ohne Elektronik-Kenntnisse” erlaubt, eine eigene Trägerplatine für das Compute-Modul nach Belieben auszustatten. Die Firma kümmert sich anschließend auch um die Produktion. Der Einstiegspreis von 2000 US-Dollar plus Stückkosten lässt einen auf den ersten Blick etwas schlucken, aber bei einer Kleinserie von 100 Geräten wären das nur 20 US-Dollar Fixkosten pro Produkt – so etwas ließe sich per Kickstarter als Individualprodukt durchaus finanzieren.
Fazit
Wegen seiner eingeschränkten Möglichkeiten für den Hausgebrauch werden die Compute-Module der Foundation auch in Zukunft eher ein Nischendasein führen. Mit einem ausgewachsenen RasPi 3 oder dem kleinen Pi Zero W fährt man als Normalanwender im Regelfall besser. Trotzdem wäre eine weitergehende Verbreitung insbesondere in der Elektronikindustrie wünschenswert, denn damit käme man endlich dem Ziel einer offenen Firmware näher, die dann zumindest eine engagierte Community pflegen könnte. Gerade in Zeiten der großen Botnetze aus IoT-Geräten wäre das für alle nützlich.





