Aus Raspberry Pi Geek 02/2017

Odroid-XU4: RasPi-Alternative mit Gigabit-LAN und USB 3.0 (Seite 2)

OpenMediaVault

OpenMediaVault gibt es seit Anfang November in der Version 3.0.51 für den Raspberry Pi. Auf einem mit einer externen USB-3.0-Festplatte ausgestatteten RasPi 3 installiert und an einem Gigabit-Switch angeschlossen, liefert das System unabhängig vom Protokoll konstante Übertragungsraten von knapp unter 90 Mbit/s (siehe Tabelle “Datenraten im Vergleich”). Theoretisch möglich wären Datenraten von bis zu 100 Mbit/s. Der in der Einleitung erwähnte Flaschenhals bremst den RasPi demzufolge kaum mehr aus.

Datenraten im Vergleich

 

Raspberry Pi 3

Odroid-XU4

Samba

Datenrate (Upload)

87,80 Mbit/s

418,88 Mbit/s

Datenrate (Download)

89,63 Mbit/s

469,45 Mbit/s

FTP

Datenrate (Upload)

84,14 Mbit/s

404,15 Mbit/s

Datenrate (Download)

86,18 Mbit/s

439,46 Mbit/s

SSH

Datenrate (Upload)

86,90 Mbit/s

305,34 Mbit/s

Datenrate (Download)

88,91 Mbit/s

299,59 Mbit/s

Iperf

Datenrate

94,73 Mbit/s

511,33 Mbit/s

Sämtliche Übertragungsraten über drei Versuche gemittelt.

Im Vergleich zu der RasPi-Version liegt die Priorität der OpenMediaVault-Entwickler deutlich niedriger, Builds für die Odroid-Modelle zu erstellen. Der Versionszähler steht bei der Odroid-Variante von OMV bei lediglich 2.1.1. Die Version stammt vom 14. Juli 2015, ist also schon über anderthalb Jahre alt. Das auf Debian “Wheezy” aufbauende System lässt sich dennoch auf einen aktuellen Stand bringen.

Dazu melden Sie sich per SSH an (Login root, Passwort odroid) und aktualisieren als Erstes den GPG-Schlüssel der Entwickler. Danach lässt sich das System wie gewohnt per Apt-get auf den neuesten Stand bringen (Listing 1). Ohne den aktuellen Schlüssel scheitert das System jedoch schon beim Abrufen der Paketquellen. Nach Einspielen aller Updates starten Sie das Odroid-NAS einmal neu. Danach sollte das Dashboard OpenMediaVault in der Version 2.2.13 melden.

Listing 1

 

$ apt-key adv --keyserver keyserver.ubuntu.com --recv EDEE7D73
$ apt-get update
$ apt-get dist-upgrade
$ reboot

Auf der Weboberfläche unterscheiden sich die OpenMediaVault-Varianten nicht (Abbildung 3). Das Einrichten des Systems gelingt daher ebenso leicht wie auf dem Raspberry Pi. Für die Messung der Übertragungsraten aktivierten wir im System wieder den Samba- und den FTP-Server, außerdem schlossen wir die externe USB-Festplatte aus dem vorhergegangenen Test an. Dank der USB-3.0-Ports des Odroid-XU4 signalisiert die Disk nun mit einer blauen LED, dass sie mit maximaler Geschwindigkeit arbeitet.

Abbildung 3: Nach dem manuellen Update im Terminal läuft auf dem Odroid-XU4 die aktuelle Version von OpenMediaVault.

Abbildung 3: Nach dem manuellen Update im Terminal läuft auf dem Odroid-XU4 die aktuelle Version von OpenMediaVault.

Das Ergebnis des Vergleichs spricht dann eine deutliche Sprache: Der Odroid-XU4 geht als Fileserver mit bis zu fünfmal höherer Geschwindigkeit zur Sache als der Raspberry Pi 3. Dabei fällt auf, dass beim Odroid die Übertragungsraten des Samba- und FTP-Servers höher liegen als bei einem Datentransfer via SSH. Hier bremst also die CPU-lastige Verschlüsselung und nicht die langsame Datenleitung die Übertragung aus.

Ubuntu mit Maté-Desktop

Hardkernel bietet offiziell unterstützte Linux-Images in Form von Ubuntu an. Das Software-Portal listet dabei die Versionen 14.04 bis 16.04 auf [6], das aktuelle “Yakkety Yak” fehlt an dieser Stelle noch. Die Installation folgt dem üblichen Vorgehen: Image herunterladen, auspacken, auf die Speicherkarte schreiben und schließlich den Odroid mit Linux booten. Nach dem Anpassen der Speicherpartition empfängt Sie der Login-Bildschirm des Maté-Desktops [7]. Als Benutzername geben Sie odroid an, das Passwort lautet ebenso.

Der Desktop spricht anfangs nur Englisch. Über System | Preferences | Personal | Language Settings lässt er sich jedoch leicht auf Deutsch umstellen. Dazu lädt das System, wie bei einer Ubuntu-Installation auf dem PC, Sprachpakete aus dem Internet nach. Im Anschluss stellen Sie unter System | Preferences | Hardware | Keyboard das Tastaturlayout auf Deutsch um und starten dann den Ubuntu-Odroid einmal neu.

Die reiche Auswahl vorinstallierter Anwendungen umfasst neben den für Maté typischen Anwendungen die komplette LibreOffice-Suite; mit Chromium und Firefox bringt das System die zwei populärsten Webbrowser mit (Abbildung 4). Daneben gibt es Thunderbird für E-Mails, Pidgin und HexChat als Messenger und IRC-Client sowie Rhythmbox und VLC zum Abspielen von Multimediadateien. Auch Kodi ist als Mediacenter gleich mit an Bord.

Abbildung 4: Der Maté-Desktop auf Basis von Ubuntu 16.04 ist in wenigen Minuten installiert und gestartet.

Abbildung 4: Der Maté-Desktop auf Basis von Ubuntu 16.04 ist in wenigen Minuten installiert und gestartet.

Im Praxistest funktioniert der Desktop zwar, im Vergleich zum RasPi 3 fühlt er sich jedoch wesentlich träger an. Schon beim Verschieben von Fenstern auf dem Bildschirm spürt man, dass diese nur unwillig dem Mauszeiger folgen. Diesen subjektiven Eindruck bestätigt der Gtkperf-Benchmark [8]. Er emuliert verschiedene Aktionen wie das Aufrufen von Menüs oder Klicken von Buttons in einem Fenster und nimmt die Zeit für den Vorgang. Bereits bei diesen einfachen Aktionen arbeitet der RasPi 3 (Dauer: 12,62 s, Abbildung 5) dreimal schneller als der Odroid-XU4 (Dauer: 38,85 s, Abbildung 6).

Abbildung 5: Die GUI eines RasPi 3 mit aktuellem PIXEL-Desktop geht dreimal so schnell zur Sache wie Ubuntu Maté auf dem Odroid-XU4.

Abbildung 5: Die GUI eines RasPi 3 mit aktuellem PIXEL-Desktop geht dreimal so schnell zur Sache wie Ubuntu Maté auf dem Odroid-XU4.

Abbildung 6: Das Ergebnis des Gtkperf-Benchmarks auf einem Odroid-XU4 mit Ubuntu 16.04 und Maté-Desktop.

Abbildung 6: Das Ergebnis des Gtkperf-Benchmarks auf einem Odroid-XU4 mit Ubuntu 16.04 und Maté-Desktop.

Während der Lüfter des XU4 im Server-Betrieb praktisch nie zu hören war, lief er im Desktop-Betrieb nun praktisch ständig. Statt über einen längeren Zeitraum bei niedriger Drehzahl konstant die Wärme abzuführen, springt der Lüfter des Odroid-XU4 selbst im Leerlauf in regelmäßigen Abständen für einen kurzen Moment mit relativ hoher Drehzahl an. Allein schon das Aufrufen einer Webseite im Browser führt zum lautstarken Aufheulen des Lüfters. Aufgrund dessen sticht der Odroid-XU4 auch in einer lauteren Büroumgebung akustisch deutlich hervor.

Fazit

Der Vergleich zwischen dem Odroid-XU4 und dem Raspberry Pi 3 zeigt, dass Anwendungszweck, Hardware-Unterstützung und die technische Ausstattung eines SBCs sorgsam aufeinander abgestimmt werden müssen. Wer einen kompakten, stromsparenden und dennoch schnellen Server sucht, darf guten Gewissens zum Odroid-XU4 greifen. Dank USB 3.0 und GbE lässt sich damit ein günstiges NAS aufbauen, das mit kommerziellen Systemen durchaus mithält. Dabei bietet der Linux-Unterbau sämtliche Freiheiten.

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