Der Screenshot in Abbildung 1 stammt übrigens aus einem virtuellen Pi innerhalb von Qemu. Hier beansprucht die Installation nur wenig Zeit, funktioniert allerdings nicht ohne kleinere Vorarbeiten. Ein entsprechender Thread [5] diskutiert die notwendigen Änderungen am Installer.
Anpassungen
Den Installer steuern Sie über zwei Konfigurationsdateien im Wurzelverzeichnis der SD-Karte: die installer-config.txt und die post-install.txt. Auf der Homepage des Projekts beziehungsweise des Forks finden Sie eine Gesamtübersicht der verfügbaren Variablen; Listing 4 zeigt ein Beispiel. Die Autoren empfehlen, nur die geänderten Variablen in die eigenen Konfigurationsdateien zu übernehmen.
Listing 4
packages=rsync,jed,bc,console-data,keyboard-configuration hostname=pi3net domainname=lokal-beimir.de rootpw=SehrGeheim usbroot=1
Benötigen Sie also zum Beispiel Rsync und den kleinen, aber feinen Editor Jed und möchten das System außerdem auf einem USB-Stick beziehungsweise einer Festplatte einrichten, dann nutzen Sie dazu die Variablen packages (Zeile 1) und usbroot (Zeile 5). Trotz der Namensendung .txt bindet das System die zwei Dateien als Shell-Skripte ein – also Vorsicht mit Leerzeichen. Über die post-install.txt lassen sich so aber beliebige Kommandos absetzen.
Über die Variable online_config lässt sich zur Installationszeit die Konfiguration von einem eigenen Webserver abrufen. Auf diesem Weg setzen Sie Szenarien um, in denen Sie mehrere RasPis identisch installieren wollen, diese aber unterschiedliche Hostnamen und IP-Adressen benötigen.
Zudem gibt es die Möglichkeit, den vorhandenen Installer komplett auszutauschen. Dazu müssen Sie nur die Datei config/rcS auf der SD-Karte erstellen. Diese Option richtet sich jedoch eher an Entwickler mit entsprechenden Kenntnissen.
Optimierungen
Der Installer kopiert während der Installation auch beliebige Dateien an einen vorgesehenen Zielort. Allerdings gestaltet sich das Setup hierfür etwas kompliziert: Die Dateien müssen auf der SD-Karte unterhalb von config/files/ liegen, also etwa config/files/etc/hosts für die zukünftige Hosts-Datei im /etc-Verzeichnis.
Da die SD-Karte aber mit FAT32 formatiert ist, unterstützt sie die für Linux typischen Dateiattribute (Besitzer und Rechte) nicht. Hier kommt eine weitere Datei ins Spiel. Sie muss zwingend direkt im Verzeichnis config/ liegen, darf jedoch einen beliebigen Namen tragen, etwa config/meine-dateien.txt. Die Datei enthält eine Liste der zu kopierenden Dateien samt den dazugehörigen Rechten, für unser Beispiel also die Zeile root:root 644 /etc/hosts.
Die Zeile install_files meine-dateien.txt in der post-install.txt ruft dann den eigentlichen Kopiervorgang auf. Wie schon erwähnt, verarbeitete der Installer die post-install.txt wie ein Shell-Skript, was Ihnen viele Möglichkeiten eröffnet. Zum Beispiel könnten Sie mehrere Steuerdateien mit unterschiedlichen Sätzen an Files verwenden.
Fazit
Der Netinstaller bietet eine schlanke und einfache Möglichkeit, einen Raspberry Pi individuell zu installieren. Der Lohn der Mühe: Statt 408 Paketen bei “Jessie” Lite (Version 27.05.16) installiert der Netinstaller in der Server-Version nur 178 Pakete. Statt ein System nachträglich mühsam abzuspecken, befördern Sie wirklich nur notwendige und gewollte Pakete auf die Karte.
Das Installer-Projekt ist insgesamt nicht sehr kompliziert und besteht aus einer Reihe von Skripten. Deshalb lassen sich eigene Anpassungen an der ganzen Maschinerie recht einfach vornehmen. Der aktuelle Fork des Projekts, der den RasPi 3 unterstützt, zeigt das. Der Aufwand lohnt allerdings nur bei speziellen Anforderungen.
Wer ein möglichst einfaches und somit sicheres System aufsetzen möchte, muss entweder ein Standard-Raspbian mühsam abspecken oder ein Netinstaller-System von der schlanken Basis aus aufbauen. Wer viele Systeme gleichartig, aber nicht identisch aufsetzen muss, profitiert besonders.
Wer neu in die Materie einsteigt oder wer nur einmal schnell etwas ausprobieren möchte, fährt allerdings mit dem konventionellen Raspbian besser: Hier ist einfach die Wahrscheinlichkeit höher, dass das System schon alles Notwendige mitbringt.





