Bei aktiviertem VPN sinken die Datenraten jedoch spürbar. Am schnellsten arbeitet noch der von Pi3g betriebene VPN-Knoten in Deutschland. Darüber lassen sich Datenraten von gut 40 Mbit/s erzielen, allerdings auch nur im Upload. Relevant dürfte für die meisten Anwender eher die Geschwindigkeit beim Herunterladen sein; in dieser Richtung blieb das VPN konstant unter 10 Mbit/s. Noch langsamer arbeitete der US-amerikanische Ausgangspunkt: Bei ihm blieb der Zeiger in beide Richtungen bei knapp unter 1,5 Mbit/s stehen. Im Vergleich zum Tor-Modus ergibt sich daher alleine aus der Betrachtung der Übertragungsgeschwindigkeit kaum ein Vorteil.
Ähnliche Werte ergeben sich im WLAN-Betrieb in Kombination mit einem Sony Xperia Z3 als Testgerät, bei dem der RasPi als Access Point fungiert. Hier zeigt sich allerdings, dass der Raspberry Pi die Verbindung generell ausbremst. Ohne den RasPi beträgt die Datenrate direkt am Router der Redaktion bis zu 10 beziehungsweise 40 Mbit/s, beim Umweg über die AnonyMeBox sinkt sie im Modus Direkter Internet-Zugang um etwa ein Drittel ab. Die weiteren Datenraten schwankten je nach Tagesform; der US-VPN-Ausgangsserver bildete auch hier das Schlusslicht.
Mittelfristig möchte Pi3g die Bandbreite der VPN-Server ausbauen. Aktuell arbeitet der US-Server mit einer Anbindung von 1 Gbit/s; geplant ist, diese auf 10 Gbit/s zu erweitern und die Last auf mehrere Server zu verteilen.
Fazit
Als Zugangsanbieter (dazu zählen die Betreiber eines VPN-Dienstes) mit Sitz in Deutschland muss Pi3g im Rahmen der Störerhaftung protokollieren, welcher Nutzer wann und unter welcher IP das VPN der AnonyMeBox verwendet. Bei Beanstandungen – etwa bei Urheberrechtsverletzungen oder strafrechtlich relevanten Handlungen – kann und muss der Betreiber mit den Behörden kooperieren. Die AnonyMeBox schafft daher nun im Tor-Modus echte Anonymität gegenüber allen Beteiligten. Im VPN-Modus macht die Box Sie im Endeffekt lediglich gegenüber den Webseitenbetreibern unkenntlich.
Auch für die Nutzung des Tor-Modus gilt jedoch, dass sich ein Webbrowser – und damit der Nutzer – nicht nur über die IP-Adresse identifizieren lässt. Über Browser-Plugins wie Flash, Java oder Silverlight und Webtechniken wie HTML5 oder Javascript lassen sich Nutzer fast ebenso zuverlässig erkennen – egal, unter welcher IP sie im Netz auftreten [7].
Echte Privatsphäre schaffen Sie nur, indem Sie zumindest den Browser, besser aber gleich das komplette System entsprechend aufbereiten. Der Tor-Browser [8] und die Linux-Distribution Tails [9] unterstützen Sie dabei, ohne dass Sie viel Aufwand treiben müssen.
Infos
- Tor-Projekt: https://www.torproject.org
- Tor Metrics: https://metrics.torproject.org
- AnonyMeBox: Christoph Langner, “Tor aus der Kiste”, RPG 02/2015, S. 40, http://raspi-geek.de/34351
- Vier Privacy-Boxen im Test: Hauke Gierow, “Trügerische Privatheit”, LU 07/2016, S. 68, http://linux-community.de/37121
- AnonyMeBox v3: http://anonymebox.de
- Turbo-Modus ordern: https://turbo.anonymebox.com
- BrowserLeaks.com: https://www.browserleaks.com
- Tor-Browser: https://www.torproject.org/projects/torbrowser.html.en
- Tails: https://tails.boum.org
- Download-Portal von Pi3g: https://download.pi3g.com
- Socks-Proxy einrichten: https://pi3g.zendesk.com/hc/de/articles/206840529-Wie-aktiviert-man-den-Proxymodus-bei-der-AnonyMeBox-





