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Aus Raspberry Pi Geek 05/2016

Display T. Box: Die (zweite) dritte Generation

© Computec Media GmbH

Angefasst

Christoph Langner

Es gibt zahlreiche RasPi-Anwender, die suchen einen Raspberry Pi mit Display in einem kompakten Gehäuse. Die Display T. Box richtet sich genau an diesen Kundenkreis. Die überarbeitete Version bietet nun einen besseren Touchscreen und ein schnelleres Herz.

Bei vielen interessanten RasPi-Projekten kann man den Mini-Rechner hinter dem Fernseher, in einem Schrank oder einer Box verstecken. Doch für manche Vorhaben braucht man direkten Zugang zum Raspberry Pi, eventuell sogar mit der Möglichkeit, Ausgaben auf einem Display auszulesen oder Eingaben über einen Touchscreen vorzunehmen. Mit der Display T. Box müssen Sie nicht lange nach einem geeigneten Gehäuse mitsamt Bildschirm suchen [1]. Das Kit umfasst einen aktuellen RasPi 3, eine robuste Box sowie einen Touchscreen.

Die Display T. Box 3 unterscheidet sich rein optisch von dem in RPG 05/2015 getesteten Vorgängermodell kaum. Ein paar kleine Details weisen jedoch auf Änderungen unter der Haube hin: Die Durchbrüche für die RasPi-LEDs sind etwa nun so angeordnet, dass sie mit der Lage der LEDs des RasPi 3 übereinstimmen (Abbildung 1). Auch gibt es jetzt an der Stelle des SD-Kartenslots des RasPi eine Aussparung, sodass sich die Speicherkarte des Geräts ohne Aufschrauben des Gehäuses austauschen lässt (Abbildung 2).

Abbildung 1: Die überarbeitete Display T. Box 3 lässt sich nach wie vor unterwegs über ein Akkupack mit Strom versorgen.

Abbildung 1: Die überarbeitete Display T. Box 3 lässt sich nach wie vor unterwegs über ein Akkupack mit Strom versorgen.

Abbildung 2: Im Vergleich zum Vorgängermodell arbeitet ein RasPi 3 in der Box, zudem ist der SD-Kartenslot von außen zu erreichen.

Abbildung 2: Im Vergleich zum Vorgängermodell arbeitet ein RasPi 3 in der Box, zudem ist der SD-Kartenslot von außen zu erreichen.

Da im Inneren der Box nun ein RasPi 3 seinen Dienst versieht, fehlt im Paket der bisher mitgelieferte WLAN-Adapter (siehe Tabelle “Lieferumfang”). Das Netzteil liefert mit 2,5 A den für den Raspberry Pi 3 empfohlenen Strom. Neben dem Netzteil und dem Griffel liegt der Packung noch eine kurze Bedienungsanleitung bei. Die später erhältliche Pro-Version der Display T. Box 3 wird neben einer 64-GByte-Speicherkarte auch ein Set an Kabeln enthalten, um die Box mit einem Monitor oder dem Netzwerk zu verbinden.

Lieferumfang

 

Standard

Pro

SBC

Raspberry Pi 3

Raspberry Pi 3

Display

2,7 Zoll, 320 x 240 Pixel

2,7 Zoll, 320 x 240 Pixel

Speicherkarte

16 GByte, Class 10

64 GByte, Class 10

Netzteil

5 V, 2,5 A

5 V, 2,5 A

Zubehör

Stylus

Stylus, HDMI-Kabel, Ethernet-Kabel

Preis

### Euro

### Euro

RasPi 3 mit Display

In der Praxis können Sie mit der Display T. Box nach dem Auspacken direkt loslegen. Auf der 16 GByte großen Speicherkarte läuft ein Raspbian “Jessie”. Damit es mit dem Touchscreen zurechtkommt, enthält es einen in den Kernel einkompilierten Display-Treiber. Er stammt aus einer vom Hersteller betriebenen Paketquelle (eingebunden über die Datei repository.pi3g.com.list aus /etc/apt/sources.list.d). Die Quelle enthält neben verschiedenen Versionen des LCD-Kernels eine Reihe weiterer für das Display wichtiger Pakete (Listing 1).

Listing 1

 

$ aptitude search '~O repository.pi3g.com' | grep lcd
p   linux-image-3.10-3-lcd        - Linux 3.10 for RaspberryPI with support for the pi3g GPIO LCD Display
p   linux-image-3.12-1-lcd        - Linux 3.12 for RaspberryPI with support for the pi3g GPIO LCD Display
p   linux-image-3.18.10-lcd       - Linux 3.18 for RaspberryPI with support for the pi3g GPIO LCD Display
p   linux-image-4.1.12-lcd        - Linux 4.1 for RaspberryPI with support for the pi3g GPIO LCD Display
p   linux-image-4.4.8-lcd         - Linux 4.4 for RaspberryPI with support for the pi3g GPIO LCD Display
p   linux-source-3.18.10-lcd      - Linux sources 3.18 for RaspberryPI with support for the pi3g GPIO LCD Display

Möchten Sie nicht auf das mitgelieferte Image zurückgreifen, können Sie selbst ein Raspian aufsetzen und das System entsprechend der Anleitung von Pi3g.com konfigurieren [2]. Bevorzugen Sie hingegen einen eigenen Kernel oder passt die von Pi3g bereitgestellte Version nicht zu dem von Ihnen bevorzugten System, dann müssten Sie den Touchscreen-Treiber komplett von Hand in den Kernel einbauen [3].

Im Vergleich zur ersten Generation der Display T. Box hat sich die Auflösung des Displays nicht geändert, es arbeitet mit 320 x 240 Pixeln. Der überarbeitete Touchscreen reagiert jedoch besser auf Eingaben, und der Bildschirm reflektiert aufgrund der aufgerauten Oberfläche nicht mehr so stark. Dank der papierartigen Struktur gleiten Finger oder der mitgelieferte Stylus nun auch besser über den Bildschirm. Für möglichst präzise Eingaben müssen Sie den Touchscreen jedoch nach wie vor über das System einmessen (siehe Kasten “Das Display kalibrieren”).

Das Display kalibrieren

Die Display T. Box arbeitet mit einem resistiven Display, ähnlich wie man es von frühen Smartphones oder beispielsweise Geldautomaten kennt. Moderne Geräte besitzen hingegen in der Regel einen kapazitiven Touchscreen, der Gesten mit mehreren Fingern erkennt und präziser arbeitet. Um die Genauigkeit der Display-Box zu verbessern, rufen Sie das Programm xinput_calibrator aus dem Paket xinput-calibrator auf. Es zeigt nach und nach an den vier Ecken des Displays Fadenkreuze an, die Sie am besten mit dem beigelegten Griffel möglichst präzise antippen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Zum Kalibrieren des resistiven Touchscreens der Display-Box rufen Sie »xinput_calibrator« aus einem Terminal auf.

Abbildung 3: Zum Kalibrieren des resistiven Touchscreens der Display-Box rufen Sie »xinput_calibrator« aus einem Terminal auf.

LXDE an Bord

Musste man bei der ersten Generation der Display T. Box noch die Desktop-Umgebung von Hand aufrufen, geschieht dies beim neuen Modell automatisch. Kurz nach dem Einstecken des Stromsteckers erscheint der für Raspian typische LXDE-Desktop auf dem Bildschirm. Die Schwächen in Kombination mit dem gering auflösenden Display bestehen weiterhin: Kaum eine für den Desktop gedachte Anwendung passt auf den nur wenige Hundert Pixel breiten Bildschirm (Abbildung 4). Selbst einfache Programme wie der LXDE-Dateimanager lassen sich nicht auf die geringe Breite des Displays eindampfen.

Abbildung 4: Aufgrund der geringen Auflösung des Bildschirms finden Programme auf der Display T. Box kaum genug Platz für die Inhalte.

Abbildung 4: Aufgrund der geringen Auflösung des Bildschirms finden Programme auf der Display T. Box kaum genug Platz für die Inhalte.

Das System der Box ist von Haus aus so eingerichtet, dass es nur das interne Display nutzt. Schließen Sie einen externen Monitor über HDMI an, dann bleibt dieser – bis auf wenige Meldungen während des Startvorgangs – leer. Möchten Sie primär einen Monitor nutzen und das Touchscreen-Display nur als ergänzenden Bildschirm einsetzen, dann müssen Sie den X-Server entsprechend konfigurieren [4]. Erstellen Sie dazu das Verzeichnis /etc/X11/xorg.conf.d (Listing 2, Zeile 2) und legen dort die Datei dualhead.conf mit dem Inhalt aus Listing 3 an. Nach einem Neustart nutzt das System den externen Bildschirm als primäres Display.

Listing 2

 

### Dualhead-Konfiguration einrichten
$ sudo mkdir /etc/X11/xorg.conf.d/
$ sudo nano /etc/X11/xorg.conf.d/dualhead.conf
### Dualhead-Konfiguration deaktivieren
$ sudo mv /etc/X11/xorg.conf.d/dualhead.conf /etc/X11/xorg.conf.d/dualhead.conf.bak

Listing 3

 

Section "Device"
  Identifier "uga"
  driver "fbdev"
  Option "fbdev" "/dev/fb1"
  Option "ShadowFB" "off"
EndSection
Section "Monitor"
  Identifier "monitor"
EndSection
Section "Screen"
  Identifier "screen"
  Device "uga"
  Monitor "monitor"
  Subsection "Display"
    Depth 24
    Modes "320x240"
  EndSubSection
EndSection
Section "Device"
  Identifier "main"
  driver "fbdev"
  Option "fbdev" "/dev/fb0"
EndSection
Section "Monitor"
  Identifier "monitor0"
EndSection
Section "Screen"
  Identifier "screen0"
  Device "main"
  Monitor "monitor0"
  Subsection "Display"
    Depth 16
  EndSubSection
EndSection
Section "InputClass"
  Identifier "Invert Touchpad"
  MatchProduct "ADS7843 Touchscreen"
  Option "InvertX" "true"
  Option "InvertY" "false"
EndSection
Section "ServerLayout"
  Identifier "default"
  Screen 0 "screen0"
  Screen 1 "screen" RightOf "screen0"
  Option   "Xinerama" "1"
EndSection

Während klassische Linux-Rechner einen nachträglich angeschlossenen Monitor oder einen Beamer im laufenden Betrieb einbinden und automatisch den Desktop erweitern, erfolgt die Umschaltung jedoch nicht dynamisch. Im Falle der Display T. Box schiebt das System das LXDE-Panel und somit auch das Anwendungsmenü auf den externen Bildschirm, selbst wenn Sie diesen gerade gar nicht angeschlossenen haben. Zum Deaktivieren der Dualhead-Konfiguration müssen Sie die dualhead.conf durch Umbenennen aus der Systemkonfiguration ausklammern und die Display-Box abermals neu starten.

Drahtlos ins Netz

Nach wie vor lassen sich über den auf die RasPi-GPU optimierten Omxplayer ohne Änderungen am X-Server Videos auf dem HDMI-Bildschirm abspielen. Rufen Sie dazu die Video-Datei über omxplayer Video.mp4 auf. Indem Sie über ein zweites Terminal das Kommando fbcp absetzen, kopieren Sie den Inhalt des Framebuffers zusätzlich auf das interne Display. Mit [Strg]+[C] brechen Sie die Wiedergabe ab, zurück auf den X-Server geht es danach mit der Tastenkombination [Strg]+[Alt]+[F7].

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