Aus Raspberry Pi Geek 04/2016

Mini-Rechner im Vergleichstest (Seite 2)

Abbildung 1: Der neue RasPi 3 Model B wartet mit einer 64-Bit-CPU sowie integriertem WLAN und Bluetooth auf.

Abbildung 1: Der neue RasPi 3 Model B wartet mit einer 64-Bit-CPU sowie integriertem WLAN und Bluetooth auf.

So erweiterten die Entwickler an der neuesten Version lediglich die CPU und die Konnektivität. Als SoC kommt Broadcoms BCM2837 zum Einsatz, der im Gegensatz zum Vorgänger BCM2836 eine 64-Bit-Basis mitbringt. Es handelt sich um einen Prozessor des Typs ARM Cortex-A53 mit vier Kernen, der bei 1,2 GHz Taktrate schneller arbeitet als der Vorgänger und den ARMv8-A-Befehlssatz implementiert. Die neue CPU arbeitet theoretisch rund zehnmal flotter als der BCM2835 der ersten Generation.

Mit dem Broadcom-BCM43438-Modul erhielt der RasPi 3 zudem 802.11b/g/n-WLAN und Bluetooth 4.1 LE. Wer sich allerdings von der integrierten Broadcom-GPU eine 4K- oder H.265-Videodekodierung erhofft, der wird enttäuscht: Der verbaute Dual Core VideoCore IV unterstützt lediglich OpenGL-ES 1.1/2.0 und Full-HD 1080 mit 30 Frames pro Sekunde (fps).

Die bisherigen RasPi-Modelle erlaubten ein gemäßigtes Übertakten. Dazu bot das Tool Raspi-config der Standarddistribution Raspbian einige Einstellmöglichkeiten an. Der neuen Variante fehlt diese Option. Das liegt an den erhöhten Temperaturen von bis zu 70 Grad, die die CPU erzeugt. Hier hätte ein Übertakten womöglich fatale Folgen. Den im Test verwendeten Probanden versahen wir vorsorglich mit kleinen Kühlkörpern.

Odroid-C2

Schon mit dem Odroid-C1+ stellte der südkoreanische Hersteller Hardkernel dem RasPi 2 einen starken Konkurrenten entgegen. Zum Preis von 37 US-Dollar – und damit nur 2 Dollar mehr als der RasPi – brachte der C1+ eine bessere CPU sowie eine Gbit-Ethernet-Schnittstelle mit. Zudem bot er neben dem SD-Karten-Steckplatz auch aufsteckbare eMMC-Module, die wesentlich schneller arbeiten als SD-Karten.

Insofern verwundert es nicht, dass Hardkernel auch dem RasPi 3 einen auf Augenhöhe agierenden Konkurrenten entgegensetzt. Dabei handelt es sich um den kürzlich veröffentlichten Odroid-C2 (Abbildung 2), den in Deutschland Pollin [4] mit einer reichhaltigen Zubehörpalette vertreibt. Der Begriff Odroid bedeutet Open Droid und weist darauf hin, dass neben Linux auch Android auf der Platine läuft.

Abbildung 2: Der Odroid-C2 bietet gegenüber dem RasPi 3 eine schnellere CPU, mehr RAM und Gbit-Ethernet.

Abbildung 2: Der Odroid-C2 bietet gegenüber dem RasPi 3 eine schnellere CPU, mehr RAM und Gbit-Ethernet.

Auf dem Preisschild des C2 stehen nominell 39 US-Dollar, bei Pollin wandert er derzeit für 50 Euro über den Online-Ladentisch. Damit spielt er bei 11 Euro Aufpreis zum RasPi 3 noch in derselben Liga. Als SoC kommt hier, wie beim RasPi 3, ein Cortex-A53 zum Einsatz. Der AMLogic-S905 taktet allerdings mit 2 GHz, 800 MHz mehr als beim Pi. Den Hauptspeicher verdoppelt Odroid im Vergleich zum Konkurrenten auf 2 GByte, zudem bringt der C2 Gbit-Ethernet mit. Die im SoC integrierte GPU vom Typ Mali-450 unterstützt generell 4K-Video und soll H.265 mit 4K/60 fps sowie H.264 mit 30fps verarbeiten.

Wie schon der Vorgänger bietet auch der C2 einen eMMC-Steckplatz. Das Modul kostet mit 8 GByte Speichergröße 30 Euro, eine gleich große SD-Karte von SanDisk der Klasse 10 kommt auf rund 20 Euro. Ein Vorteil bei der Verwendung von eMMC: Der SD-Karten-Slot bleibt frei. Im Vergleich zum Pi 3 fehlen dem Mini-Rechner allerdings integriertes WLAN und Bluetooth; diese müssen Sie bei Bedarf über die USB-Anschlüsse nachrüsten.

Die Platine des Odroid-C2 ist von Aufbau und Maßen sowie der Platzierung der einzelnen Komponenten identisch mit dem RasPi, bis hin zu den Befestigungslöchern. Trotzdem fällt es leicht, die Platinen zu unterscheiden: Auf dem C2 thront ein massiver, abnehmbarer Kühlkörper, der die Wärme der CPU abführt (Abbildung 3). Spaßeshalber haben wir versucht, den Odroid-C2 in zwei verschiedene RasPi-Gehäuse zu stecken – in einem Fall gelang das sogar.

Abbildung 3: Beim Odroid-C2 sitzt auf der weiß markierten Fläche ein abnehmbarer Kühlkörper.

Abbildung 3: Beim Odroid-C2 sitzt auf der weiß markierten Fläche ein abnehmbarer Kühlkörper.

Pine A64+

Die vierte Platine in der Testriege ist der brandneue Pine A64+ (Abbildung 4). Wie der Name andeutet, handelt es sich um einen SBC mit 64-Bit-ARM-SoC. Das Projekt ging aus einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne hervor, die statt der anvisierten 31 416 US-Dollar über 1,7 Millionen einspielte.

Freunde der Zahl Pi bemerken bei der anvisierten Kickstarter-Summe sofort, wozu der Pine in Konkurrenz gehen möchte. Der Preis des Pine liegt in der kleinsten Ausbaustufe bei 15 US-Dollar. Dafür erhält man ein Board mit dem 64-Bit-Quadcore-Mobilprozessor ARMv8 Cortex A53 Allwinner 64 mit 1,2 GHz Taktrate, dem eine Mali-400-MP2-GPU und 512 MByte Hauptspeicher zur Seite stehen. Mit an Bo(a)rd sind 10/100-Mbit/s-Ethernet, zwei USB-2.0-Ports sowie ein HDMI-1.4-Anschluss, über den sich Videos bis zu 4K Auflösung darstellen lassen.

Abbildung 4: Den Pine A64 bietet der Hersteller in mehreren Leistungsstufen an. Die Preise variieren entsprechend zwischen 15 und 29 US-Dollar.

Abbildung 4: Den Pine A64 bietet der Hersteller in mehreren Leistungsstufen an. Die Preise variieren entsprechend zwischen 15 und 29 US-Dollar.

In der zweiten Ausbaustufe als Pine A64+ für 19 US-Dollar verdoppelt sich der Hauptspeicher auf 1 GByte. Obendrein gibt es eine Gbit-Ethernet-Schnittstelle sowie drei zusätzliche Ports für Kamera, Touch-Eingabegeräte und ein MIPI-Video-Display. Der Pine A64+ für 29 US-Dollar bietet 2 GByte RAM und integriertes WLAN.

Zum jeweiligen Board-Preis kommen derzeit noch 12 US-Dollar Versandkosten sowie Mehrwertsteuer und Zoll, was den Preis für unser Testmodell mit Topausstattung auf rund 55 US-Dollar trieb. Ob und wann der Pine A64 in den deutschen Handelsregalen steht, ist derzeit noch offen.

Software für die Probanden

Für den RasPi stehen in beiden getesteten Varianten zahlreiche Distributionen bereit. Neben dem Standard Raspbian, einer angepassten Debian-Version, gibt es in der Allrounder-Riege Images verschiedener Ubuntu-Varianten, den Fedora-Ableger Pidora, Arch Linux, PiBang, RISC OS und Gentoo. Populär sind auch Mediacenter wie OpenELEC, Raspbmc und Xbian. Aktuelle Kernel unterstützen die Distributionen zwar, verharren jedoch für den Raspi 3 derzeit noch bei 32-Bit-Images. Daneben stehen Windows 10 und Chromium OS für den RasPi 3 bereit.

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