Aus Raspberry Pi Geek 04/2016

Mini-Rechner im Vergleichstest (Seite 3)

Die Firma Hardkernel, Hersteller des Odroid-C2, bietet neben Android 5.1.1 [5] ein Ubuntu-16.04-Image mit Maté [6] als Desktop in der 64-Bit-Version an, das auf Kernel 3.14 basiert. Außerdem stellt die Community mit Odrobian ein Debian 8 “Jessie” sowie ein Arch-Image zum Download bereit. Als Mediacenter bietet sich der OpenELEC-Fork LibreELEC [7] an. In Zusammenarbeit mit CPU-Hersteller AMLogic und der sehr aktiven Odroid-Community entwickelt Hardkernel bereits an einem Kernel 4.4 LTS für den AMLogic-S905-SoC des C2. Erste Teile des dazu nötigen Codes flossen bereits in den Linux-Next-Zweig des offiziellen Kernels ein [8].

Als offizielle Linux-Distributionen für den Pine A64 kommen Xubuntu 16.04 und Debian 8 mit Maté zum Einsatz [9], daneben eignen sich noch Android 5.1.1 und Remix OS 2.0 Beta. Auch hier kommt ein Kernel in der Version 3.14 zum Einsatz. Wann der Allwinner A64 mit aktuellen Kerneln kooperiert, steht derzeit noch in den Sternen; eine Zusammenarbeit der Kernel-Entwickler mit dem CPU-Hersteller Allwinner ist nicht zu erwarten.

Benchmarks

Für den RasPi 2 und 3 sowie den Odroid-C2 wählten wir das für alle drei SBCs geeignete Image von Ubuntu 16.04 mit Maté-Desktop. Beim Pine A64+ kam das offizielle Xubuntu 16.04 zum Einsatz. Da wir alle Benchmarks per SSH triggerten, spielte die Desktop-Umgebung keine Rolle, sodass Ubuntu 16.04 eine durchgängig gute Vergleichsbasis darstellte.

Wir brachten vor den Tests alle Images auf den neuesten Stand. Als SD-Karte diente eine SanDisk Class 10 mit 32 GByte Kapazität. Beim C2 testeten wir zusätzlich mit einem 16 GByte eMMC-Modul, das der Odroid als Einziger in der Runde unterstützt.

Als Benchmark-Software entschieden wir uns für Sysbench [10], Iperf und P7zip. Sysbench ermittelt sowohl die Integer-Leistung der CPU als auch die Ein- und Ausgabegeschwindigkeit im Zusammenspiel mit der SD-Karte. Iperf [11] stellt die Geschwindigkeit der Ethernet- und WLAN-Schnittstellen fest.

Das Packprogramm P7zip [12] bietet eine wenig dokumentierte Option für einen Benchmark, bei dem die Software Pakete unter Verwendung des LZMA-Algorithmus ver- und entpackt. Die Ergebnisse dieser Benchmarks sind beim Vergleich aussagekräftiger als die Integer-Berechnungen des Sysbench, jedoch auch schwieriger zu interpretieren. Hier gilt es, sich auf der Webseite etwas in die Bedeutung der einzelnen Werte einzulesen.

Einordnung

Die Ergebnisse der Benchmarks fassen die Abbildungen 5 bis**7 zusammen. Die Sysbench-Integer-Resultate (Abbildung 5) sollten Sie mit Vorsicht genießen: Die CPU des Odroid-C2 arbeitet nicht wirklich 10- bis 15-mal schneller als die des RasPi 3. Der Sysbench-Test zeigt hier lediglich Tendenzen auf.

Abbildung 5: Auf dem Papier sprechen die Sysbench-Ergebnisse eine klare Sprache – in der Praxis muss man sie aber aus diversen Gründen mit Vorsicht genießen.

Abbildung 5: Auf dem Papier sprechen die Sysbench-Ergebnisse eine klare Sprache – in der Praxis muss man sie aber aus diversen Gründen mit Vorsicht genießen.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Zum einen messen wir auf verschiedenen Architekturen, auf denen die verwendete Software unterschiedlich gut arbeitet. Ließe man den Integer-Test zum anderen mit 200 000 statt 20 000 zu berechnenden Primzahlen absolvieren, könnte der RasPi 2 in Relation besser dastehen, da er weniger thermische Probleme hat. RasPi 3 und Odroid-C2 würden hier wegen zu starker Hitzeentwicklung vermutlich die CPU drosseln. Das ändert aber nichts an der erkennbaren Tendenz. Ähnliches gilt für den I/O-Teil des Sysbench-Tests.

Wie zu erwarten, schlägt der RasPi der dritten Generation seinen Vorgänger – auch fühlbar – klar und erweist sich in der Praxis als rund ein Drittel schneller. Beim I/O-Test liegen die beiden Geschwister in etwa gleich auf. Als limitierender Faktor erweist sich hier die Anbindung der SD-Karte, wie der Test des Odroid-C2 mit eMMC-Modul belegt.

Der Odroid-C2 setzt sich beim Integer-Test entscheidend von den beiden RasPis ab. Mit seiner wesentlich schnelleren CPU und doppelt so viel Hauptspeicher sieht ihn Sysbench allerdings etwas zu optimistisch. Beim I/O-Test unter Verwendung der SD-Karte schneidet er allerdings bei wiederholten Versuchen etwas schlechter ab als die RasPis – der Grund dafür blieb uns verborgen. Mit dem eMMC-Modul, das man auf der Unterseite der Platine aufsteckt, erzielt er im I/O-Test jedoch die achtfache Leistung der SD-Karte.

Im Test mit Iperf (Abbildung 6) reizen die beiden RasPi-Modelle die 10/100-Mbit/s-Ethernet-Schnittstelle gut aus, das WLAN des RasPi 3 erreichte rund 25 Mbit/s. Allerdings zeigt sich hier 10/100 als limitierender Faktor gegenüber Odroid-C2 und Pine A64+. Der C2 reizt seine Gbit-Ethernet-Schnittstelle mit 940 Mbit/s fast völlig aus. Enttäuschend präsentiert sich hier der A64+, dessen Netzwerkschnittstelle nur knapp über die Hälfte des möglichen Durchsatzes liefert. Das Problem ist bekannt und liegt im Kernel, ein Update zu einem späteren Zeitpunkt soll es beheben.

Abbildung 6: Mit ihrer Fast-Ethernet-Schnittstelle können die RasPis gegen die GbE-bestückte Konkurrenz nicht punkten.

Abbildung 6: Mit ihrer Fast-Ethernet-Schnittstelle können die RasPis gegen die GbE-bestückte Konkurrenz nicht punkten.

Die Ergebnisse des P7zip-Benchmarks (Abbildung 7) fallen aussagekräftiger aus als jene von Sysbench, sind aber auch schwieriger zu interpretieren. Wir zogen die MIPS-Werte (Million Instructions per Second) und den erreichten I/O-Durchsatz in KByte/s als Vergleichswerte heran, jeweils für das Komprimieren und das Dekomprimieren. Der Pine A64+ wird auch in der Ausführung mit 2 GByte RAM und Gbit-Ethernet seiner zugedachten Rolle als RasPi-3-Bezwinger hier nicht gerecht und liegt in den meisten Tests leicht hinter dem neuesten Raspberry.

Abbildung 7: Der Pine A64+ kann in Sachen I/O-Leistung mit dem Raspberry Pi 3 nicht mithalten.

Abbildung 7: Der Pine A64+ kann in Sachen I/O-Leistung mit dem Raspberry Pi 3 nicht mithalten.

Fazit

Wie lassen sich die Ergebnisse nun für verschiedene Szenarien einordnen? Der Odroid-C2 empfiehlt sich klar für Anwendungen als Server, Mediacenter oder – mit Einschränkungen – als ultraportabler Desktop-Ersatz. Hier stößt der RasPi auch in der dritten Generation oft an seine Leistungsgrenzen. Das gilt gleichermaßen für CPU-Performance, I/O-Leistung, Netzdurchsatz und Grafikleistung. In all diesen Kategorien zeigt sich der Odroid-C2 als überlegen.

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