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Aus Raspberry Pi Geek 04/2014

RasPi-Alternative Banana Pi im Test

© Aleksandar Mijatovic, 123RF

Alles Banane?

Maximilian Batz

Zum Basteln genügt die Leistung des Raspberry Pi locker, doch als Mini-Server oder Multimedia-Center dürfte er ruhig ein wenig mehr Saft haben. Der Banana Pi verspricht Kompatibilität zum Raspberry Pi – bei einem Plus an Rechenleistung.

README

Ein Raspberry Pi mit Dual-Core-CPU, 1 GByte RAM, SATA-Anschluss und GBit-Netzwerk kaufen – so präsentiert sich der Banana Pi. Neben der deutlich verbesserten Spezifikation verspricht er volle Kompatibilität zum Raspberry Pi.

Erdbeere, Himbeere – ist doch sowieso alles Banane! So könnte sich die Namensfindung bei LeMaker [1] abgespielt haben, als das Unternehmen eine Bezeichnung für seinen aufgebohrten Raspberry-Pi-Klon suchte. Inzwischen trudeln die ersten Banana-Pi-Boards in Deutschland ein, und dem RasPi-Freund stellt sich die Frage: Kommt der Banana Pi [2] so unreif und grün in die Auslage wie Chiquita-Bananen, oder wächst mit ihm eine ausgereifte Raspberry-Pi-Alternative heran?

Technische Daten: Raspberry vs. Banana

 

Raspberry Pi Model B

Banana Pi

SoC

Broadcom BCM2835

Allwinner A20

CPU

ARM1176JZF-S, 700 MHz

ARM Cortex-A7, 1 GHz, Dual-Core

GPU

Broadcom VideoCore IV, 250MHz

Mali-400MP2

RAM

512 MByte

1 GByte DDR3

Anschlüsse/Ports

USB

2 USB-Host

2 USB-Host, 1 USB-OTG

AV

3,5mm-Analog-Audio, Composite RCA, HDMI

3,5mm-Analog-Audio, Composite RCA, HDMI

Ethernet

10/100 Mbit/s

10/100/1000 Mbit/s

Speichermedien

SD

SD, SATA (inkl. SATA-Power)

GPIO

26 Pins

26 Pins

Kamera

1 CSI

1 CSI

Sonstiges

IR, Mikrofon, 3 Taster

Sonstiges

Größe (mm)

85 x 56

92 x 60

Gewicht (g)

45

48

Preis (ca.)

35 Euro

40 Euro1

1 zzgl. Einfuhrkosten aus China

Inkompatibel mit RasPi-Gehäusen

Während der Raspberry Pi in einem schick bedruckten Schächtelchen steckt, erreicht uns der Banana Pi dick in Luftpolsterfolie eingewickelt in einem unbeschrifteten weißen Karton. Ausgepackt überragt die Banane mit einer Größe von 92 x 60 Millimetern die uns bereits gut vertraute Himbeere mit den Abmessungen von 85 x 56 Millimetern. Aufgrund der größeren Platine und der zusätzlichen Anschlüsse passt der Banana Pi also nicht in das für den RasPi gedachte Gehäuse.

Wie vom Raspberry Pi gewohnt, verfügt auch der Banana Pi (Abbildung 1) über zwei ausgewachsene USB-2.0-Ports, einen HDMI-Anschluss für die Verbindung zu einem Monitor oder einem TV-Gerät, eine Chinch-Buchse für Composite Video sowie eine 3,5-mm-Klinkenbuchse als Audio-Ausgang. Der Micro-USB-Anschluss für die Stromversorgung liegt anders als beim RasPi auf der Seite.

Abbildung 1: Auf den ersten Blick sieht der Banana Pi dem Raspberry Pi zum Verwechseln ähnlich.

Abbildung 1: Auf den ersten Blick sieht der Banana Pi dem Raspberry Pi zum Verwechseln ähnlich.

Dazu kommen nun eine SATA-Schnittstelle, ein Infrarot-Empfänger, ein integriertes Mikrofon sowie eine Reihe von nützlichen Tastern (Reboot, An/Aus, Uboot). Der Onboard-Netzwerk-Port arbeitet im Gegensatz zum RasPi mit bis zu 1000 Mbit/s. Was dem Banana Pi noch zum Rundum-Sorglos-Paket fehlt, sind WLAN und Bluetooth – doch die bekommen Sie auch beim RasPi nicht mitgeliefert.

Das Marketing des Banana Pi verspricht Kompatibilität zum Raspberry Pi – diese beschränkt sich aufgrund der unterschiedlichen Abmessungen aber nur auf den GPIO-Pin-Header mit UART, I2C, SPI und Power. Wie sich die für den RasPi vertriebenen Erweiterungsplatinen und Zubehörteile auf dem Banana Pi verhalten, müssen ausführliche Tests erst noch zeigen.

Folienkabel

Wie beim Raspberry Pi finden Sie auch beim Banana Pi einen DSI-Display- und einen CSI-Kamera-Anschluss auf der Platine. Bei der Banane liegt jedoch neben der Netzwerkbuchse der Display-Port und nicht, wie beim RasPi, der Kamera-Konnektor. Damit ist die Lage der beiden Anschlüsse komplett verdreht.

Doch der Hersteller des Banana Pi hat es nicht bei einer unterschiedlichen Anordnung belassen: Beim RasPi dient ein 16 Millimeter breites Folienkabel zum Anschluss des Kameramoduls, die Buchse auf der Platine misst etwa 20,5 Millimeter. Der Banana Pi arbeitet mit einem anderen Rastermaß (Pitch), sodass hier ein 21 Millimeter breites Kabel an einer 26 Millimeter breiten Buchse zum Einsatz kommt.

Dazu kommt, dass das Kameramodul des RasPi und dessen Software für den Broadcom-SoC des Pi optimiert wurden, um beispielsweise Aufnahmen direkt in H.264 aufzuzeichnen. Mit viel Aufwand wäre es vermutlich möglich, Hard- und Software der RasPi-Kamera für den Banana Pi anzupassen – ohne Modifikationen scheitert das jedoch allein schon an dem Steckverbinder.

Erweiterungen

Rund um die GPIO-Schnittstelle des Raspberry Pi gibt es eine Vielzahl von Erweiterungen und Ergänzungsboards. Viele dieser Bauteile sind jedoch speziell auf die Form des Raspberry Pi optimiert. Das beliebte PiFace findet auf dem Raspberry Pi sicheren Halt (Abbildung 2), beim Banana Pi blockiert dagegen der anders aufgebrachte LAN-Port das Einstecken des PiFace (Abbildung 3). Auch der GPIO-Header selbst ist in Richtung Boardmitte verschoben, sodass die S-Video-Buchse vielen Erweiterungen im Weg steht. Um nicht passende Erweiterungen dennoch an den Banana Pi anzuschließen, bleibt oft nur der Umweg über ein GPIO-Breakout-Board.

Abbildung 2: Das PiFace-Erweiterungsboard sitzt sicher auf dem GPIO-Header des Raspberry Pi.

Abbildung 2: Das PiFace-Erweiterungsboard sitzt sicher auf dem GPIO-Header des Raspberry Pi.

Abbildung 3: Auf dem Banana Pi stehen der Netzwerkanschluss und die S-Video-Buchse im Weg.

Abbildung 3: Auf dem Banana Pi stehen der Netzwerkanschluss und die S-Video-Buchse im Weg.

Doch auch weniger ausladende Erweiterungen als der PiFace passen nicht uneingeschränkt auf den Banana Pi. Das RasClock-Uhrmodul etwa – der Raspberry Pi verzichtet ja auf eine Echtzeituhr – sitzt auf den ersten Blick sicher auf dem Banana-Board. Allerdings berühren Batterie und Batteriehalter die Pins des Banana Pi und leiten somit +3V ein (Abbildung 4). Achten Sie daher bei Experimenten mit Erweiterungen sehr genau auf die Passform.

Abbildung 4: Auch kompakte RasPi-Erweiterungen wie die RasClock passen nicht zwangsläufig auf den Banana*Pi.

Abbildung 4: Auch kompakte RasPi-Erweiterungen wie die RasClock passen nicht zwangsläufig auf den Banana*Pi.

Doch nicht nur die Bauweise beeinflusst die Kompatibilität: Auch wenn der GPIO-Header wirklich, wie von Allnet behauptet, Pin-kompatibel arbeitet, muss trotzdem die Software mitspielen – genauer gesagt, der Kernel. So sitzt etwa der vom RasPi-Spezialisten Pi3g angebotene LCD-Touchscreen [3] dank GPIO-Kabel nicht direkt auf der Platine, trotzdem bleibt das Display schwarz: Der Bildschirm braucht ein eigenes Kernel-Modul, das bisher nur für den RasPi vorliegt.

Hardware & Software

Der Banana Pi verfügt im Vergleich zum Raspberry Pi über deutlich leistungsfähigere Hardware (siehe Tabelle “Technische Daten: Raspberry vs. Banana”). Die mit 1 GHz getaktete ARM-Cortex-A7-Dual-Core-CPU aus dem AllWinner-A20-SoC, 1 GByte DDR3-RAM und die OpenGL-ES-2.0/1.1-fähige Mali-400-GPU sorgen für einen spürbaren Leistungssprung, es gibt jedoch bereits Embedded-Boards mit noch mehr RAM.

Wie der RasPi bootet auch der Banana Pi von der SD-Karte. Der SD-/MMC-Slot fasst Speicherkarten mit bis zu 64 GByte, am SATA-Anschluss arbeiten nach Herstellerangaben Festplatten mit bis zu 2 TByte – größere Festplatten und auch SDXC-Karten dürften aber wohl auch kein Problem sein. Die zwei USB-Ports hängen direkt am AllWinner-SoC, beim RasPi müssen sich dagegen LAN und die zwei USB-Anschlüsse einen tatsächlichen Port teilen. Dadurch liegt der Gesamtdurchsatz je Port beim Banana im Vergleich zum RasPi höher.

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