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Aus Raspberry Pi Geek 03/2016

Privatsphäre im Internet schützen mit der Upribox

© Pei Ling Hoo, 123RF

Datenkontrolleur

Erik Bärwaldt

Tracker und penetrante Werbung im Internet nerven viele Anwender. Mit der Upribox halten Sie diese lästigen Plagegeister von Ihren Endgeräten fern.

Nach wie vor tun sich insbesondere Kinder und Jugendliche, aber auch weniger technikaffine Anwender schwer, Gefahren im Internet richtig einzuschätzen und sich dagegen zu schützen. Während sich ein einzelnes Computersystem noch relativ einfach durch Werbe- und Tracking-Blocker sowie durch das Deaktivieren bestimmter Dienste und Inhalte absichern lässt, überfordert das Härten des heimischen Netzwerks und der mobilen Endgeräte wie Smartphones viele Anwender. Abhilfe schafft hier die Upribox (“Usable Privacy Box”), die auf Basis des Raspberry Pi 2 arbeitet und für unterschiedliche Szenarien mit wenigen Mausklicks die passende Sicherheitslösung bereitstellt [1].

Die Idee

Bei der Upribox handelt es sich um ein von der Fachhochschule in St. Pölten in Österreich [2] entwickeltes und von der Internet Privatstiftung Austria (IPA) über die Netidee [3] finanziell gefördertes Projekt. Upribox setzt sich zum Ziel, die Privatsphäre von Surfern möglichst effizient zu schützen, wobei der Fokus auf der einfachen Bedienbarkeit einer kombinierten Hardware- und Software-Lösung liegt.

Demgemäß entwickelte das Team um Dr. Markus Huber nicht nur die Software, sondern ließ auch eine Kleinserie von Prototypen auf Basis des Raspberry Pi 2 anfertigen (Abbildung 1), denen demnächst in Serie hergestellte Geräte folgen sollen. Inzwischen steht die unter der GPLv3 publizierte Software auch frei zum Download bereit, sodass Sie mit einem RasPi problemlos Ihre eigene Upribox installieren und testen können [4].

Abbildung 1: Die Hardware-Fassung der Upribox existiert derzeit nur als Prototyp im weißen Gehäuse. (Bild: Raphaela Raggam, FH St. Pölten)

Abbildung 1: Die Hardware-Fassung der Upribox existiert derzeit nur als Prototyp im weißen Gehäuse. (Bild: Raphaela Raggam, FH St. Pölten)

Funktionsweise

Die Upribox baut nach dem Anschluss an einen Internetzugang eigene drahtlose Netze auf und stellt dabei drei Dienste zur Verfügung.

Das Silent WLAN ermöglicht es Surfern, ohne Werbung und Tracker das Internet zu nutzen, indem es Tracking-Software ebenso filtert wie penetrante Werbung in Apps und Webseiten.

Dabei berücksichtigte das Entwicklerteam auch die inzwischen auf Mobilgeräten immer beliebter werdenden In-App-Ads, die Werbung und Tracker direkt in entsprechende Apps einbauen. Installiert der Anwender auf seinem Smartphone eine solche App, erscheint bei deren Aufruf also Werbung.

Diese Plagegeister für Mobilgeräte stellen im Gegensatz zu statischer Werbung nicht nur ein Ärgernis dar, sondern eine konkrete Gefahr: Neben den herkömmlichen Daten erfassen Sie auch die genaue Geolocation des Smartphones oder Tablets und damit den Standort des Nutzers. Auf diese Weise lassen sich sogar Bewegungsprofile erstellen.

Der Modus Ninja WLAN stellt via Tor-Netzwerk [5] über das Filtern von Werbung und Trackern hinaus einen anonymen Zugang ins Internet für die WLAN-Nutzer bereit. Dieses Verfahren dient primär dazu, Zensurversuche zu umgehen und allzu neugierige Provider, die grundlos das Surfverhalten der Nutzer auswerten, in die Schranken zu weisen.

Außerdem lässt sich die Upribox im dritten Betriebsmodus als VPN-Server nutzen und bietet dabei Schutz für die Anwender, wenn diese unterwegs über öffentlich zugängliche Hotspots das Internet verwenden möchten.

Der Vorteil dieser externen Lösung via Upribox: Sie reduziert den Administrationsaufwand für den Endanwender deutlich. Er braucht nun nicht mehr auf jedem Rechner, Tablet oder Smartphone browserabhängig vorhandene Addons zu installieren.

Außerdem ergibt sich gegenüber ungeschütztem Surfen eine merklich verbesserte Ergonomie: Die penetrant aufdringliche Werbung bläht viele Webseiten derart auf, dass man die eigentlichen Inhalte erst mühsam suchen muss. Mit der Upribox verschwinden die Werbeeinblendungen nahezu rückstandslos vom Bildschirm, die Seiten bauen sich wegen des geringeren Datenvolumens auch schneller auf.

Dabei setzen die Entwickler des Projekts komplett auf freie Software: Das System bedient sich bewährter Technologien, wie eines mittels Dnsmasq realisierten Domainfilters. Er blendet mithilfe von Blacklists, wie sie auch Firefox-Extensions wie der Werbeblocker Adblock Plus verwenden, unerwünschte Inhalte aus. Auch der Proxy-Server Privoxy kommt zum Einsatz, der auf URL-Basis Inhalte blockt. Der VPN-Server arbeitet mit dem OpenVPN-Protokoll und bietet eine sichere verschlüsselte Kommunikation.

Für den Endanwender bleiben die Technologien jedoch transparent, sodass die Upribox keiner zusätzlichen manuellen Konfiguration bedarf.

Probleme

Als Plattform für die Upribox-Software setzen Sie derzeit am besten einen RasPi 2 ein, der Dank seiner ausreichend starken Hardware das werbefreie Surfen ohne Geschwindigkeitseinbußen ermöglicht. Als Massenspeicher benötigen Sie eine schnelle Micro-SD-Karte mit mindestens 4 GByte Kapazität für das System.

Der brandneue Raspberry Pi 3 eignet sich im Augenblick noch nicht uneingeschränkt für den Einsatz mit der Upribox-Software, da diese dessen internen WLAN-Adapter noch nicht unterstützt. Als WLAN-Stick empfiehlt das Projektteam den TL-WN722N [6] des Herstellers TP-Link. Dieses bereits seit mehreren Jahren produzierte Modell unterstützt die gängigen WLAN-Standards 802.11b/g/n und verfügt über eine externe Antenne.

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