Im Praxistest
Im direkten Vergleich mit einem gehärteten Firefox-Browser auf einem einzelnen Notebook, der mit den Addons Adblock Plus und Ghostery zwei Erweiterungen zum Blockieren von Werbung und Trackern installiert hatte, konnten wir keinen Unterschied feststellen. Die Upribox bremste weder den Aufbau der Webseiten, noch schwächelte sie durch unzuverlässiges Filtern unerwünschter Inhalte. Im Ninja-Modus über das Tor-Netzwerk fiel die Datentransferrate mit der Upribox dagegen erwartungsgemäß steil ab.
Auch auf dem Notebook mit Tor-Browser-Bundle waren entsprechende Geschwindigkeitseinbußen deutlich festzustellen, was sich aber auf die Charakteristik des Tor-Netzwerks zurückführen lässt. Sehr positiv fiel die Upribox im Dauereinsatz durch ihre hohe Zuverlässigkeit auf: In einem mehrwöchigen Dauerbetrieb konnten wir keinerlei Abstürze oder Hänger feststellen. Das WLAN wurde mit beiden erfolgreich getesteten USB-Adaptern zuverlässig aufgespannt und fiel zu keinem Zeitpunkt aus.
Wir empfehlen jedoch in größeren Räumlichkeiten den Einsatz des TP-Link-Adapters, da dieser aufgrund seiner externen Antenne ein deutlich besseres Sende- und Empfangssignal bietet als der kleinere WiPi-Stick. Bei Letzterem fiel das Signal teilweise bereits bei der Verbreitung durch lediglich zwei Wände bis auf rund 55 Prozent ab, sodass Sie bei größeren Entfernungen und mehreren Hindernissen mit Empfangsstörungen rechnen müssen.
Aufgrund der guten Vorarbeit des Projektteams fallen bei der Upribox außerdem keinerlei Wartungsarbeiten an: Nach dem Festlegen der Zugangsdaten und dem Authentifizieren durch neue Passwörter arbeitet das System autonom ohne weitere Pflege.
Fazit
Wie die Upribox eindrucksvoll demonstriert, eignet sich der Raspberry Pi auch sehr gut für den Einsatz als WLAN-Access-Point mit integriertem Proxy-Server und Content-Filtern, was die Sicherheit beim Surfen erhöht. Der wichtigste Vorteil im Vergleich zu einem entsprechend gehärteten einzelnen Rechner liegt darin, dass die Upribox alle Endgeräte gegen lästige Tracker und Werbung effektiv schützt – unabhängig von Betriebssystem, Browser und installierten Erweiterungen.
Die VPN-Server-Funktion trägt obendrein dazu bei, die Sicherheit des Anwenders beim Surfen über einen öffentlichen Hotspot zu erhöhen. Besonders erfreulich ist dabei die Tatsache, dass Nutzer sich nicht erst zeitaufwendig mit der Konfiguration der Software befassen müssen: Im Grunde beschränkt sich der administrative Aufwand darauf, die Passwörter für den WLAN-Zugang zu ändern.
Zu bemängeln bleibt lediglich die noch recht schmale Dokumentation des Projekts: Diese sollte vor allem für weniger technikaffine Anwender Hinweise zu passenden WLAN-Adaptern enthalten, mit denen sich ein Access Point einrichten lässt. Mit der Veröffentlichung der Software als Open Source haben die Entwickler jedoch bereits einen Schritt in die richtige Richtung unternommen: Das Feedback aus der Community dürfte entscheidend dazu beitragen, dass die Entwickler die Upribox zügig weiterentwickeln und verbessern können.
Infos
- Upribox: https://upribox.org
- FH St. Pölten: https://www.fhstp.ac.at/de
- Netidee: https://www.netidee.at/netidee-home/
- Upribox-Download: https://github.com/usableprivacy/upribox
- Tor: https://www.torproject.org/
- TP-Link TL-WN722N: http://www.tp-link.com/at/products/details/cat-11_TL-WN722N.html
- Liste der WLAN-Chipsätze und ihrer Funktionen: https://wireless.wiki.kernel.org/en/users/drivers
- WiPi-Adapter: http://www.amazon.de/Raspberry-Pi-WiPi-WLAN-USB-Adapter-802-11n/dp/B00APZYN6M





