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Aus Raspberry Pi Geek 02/2016

Der Odroid-C1+ im Test – was bringt das Plus?

© yuriz, 123RF

Geplusst

Dr. Udo Seidel

Homöopathisches Update oder der große Wurf? Der Odroid-C1+ verspricht gegenüber seinem Vorgänger verbesserte Funktionen und Hardware.

Die Ankündigung des ersten Raspberry Pi markiert den Startschuss für den Erfolg der Einplatinencomputer, inzwischen beeindruckt schon allein die schiere Anzahl der Mini-Rechner mit ARM-CPU. Im Sog des RasPi veröffentlichte die südkoreanische Firma Hardkernel [1] im Dezember 2014 mit dem Odroid-C1 [2] einen direkten Konkurrenten zur zweiten Generation des Raspberry Pi. In RPG 03/2015 nahmen wir die beiden Kontrahenten genauer unter die Lupe [3]. Knapp ein Jahr später steht bereits ein Nachfolger [4] aus dem Hause Hardkernel bereit, der nun zeigen muss, was er gegenüber dem Modell ohne Plus zu bieten hat.

Länge, Breite, Höhe

Wie schon beim letzten Mal war die Firma Pollin [5] am schnellsten, wenn es um den Verkauf und Versand des neuen ARM-Zwerges in Deutschland geht. Bei der Bestellung fiel zunächst der Verweis auf, dass sich das Gehäuse des Vorgängers nicht für den C1+ eignet. Ein Blick auf die Geometrie des Boards zeigt, dass es hier eigentlich keine Veränderungen gab.

Allerdings fanden die verschiedenen Anschlüsse der Platine an leicht anderen Positionen einen neuen Platz (Abbildung 1). Die entsprechenden Aussparungen im Gehäuse des Odroid-C1 passen daher nicht mehr. Ohne zusätzliche Informationen wirkt die Veränderung der Anschlüsse unnötig und die Investition in neue Gehäuse ärgerlich.

Abbildung 1: Draufsicht und Unterseite des Odroid-C1+ (links) und dessen Vorgängers Odroid-C1 (rechts).

Abbildung 1: Draufsicht und Unterseite des Odroid-C1+ (links) und dessen Vorgängers Odroid-C1 (rechts).

Drehen Sie die Platine um, stellen Sie jedoch sofort eine positive Veränderung fest: Beim Vorläufer war die eigenwillige Lage des SD-Kartenslots ein Kritikpunkt. Dieser sitzt nun zwar immer noch auf der Unterseite, diesmal aber am Rand des Boards. Bringen die kommenden Gehäuse entsprechende Aussparungen mit, ermöglicht dies einen Wechsel der Karte ohne Öffnen des Gehäuses.

Neben dieser praktischen Änderung gibt es weitere Neuerungen im Detail. Auf dem SoC des C1+ sitzt nun ein Kühlkörper. Das Fehlen desselben beim Vorgänger war sicher nicht das Ende der Welt. Für die heißen Tage, wie sie im Sommer 2015 die Regel waren, blieb immer noch die Möglichkeit, diesen kostengünstig nachzurüsten [6].

Die dritte auffällige Veränderung findet sich am HDMI-Anschluss. Anstatt der Micro-Variante steht nun eine Standard-A-Buchse zur Verfügung, wie sie etwa der Raspberry Pi seit jeher besitzt. Zusätzlich gibt der Hersteller an, dass der Neuling sich mit mehr SD-Karten verträgt als der Vorgänger. Ansonsten fällt die Hardware des C1+ sehr ähnlich aus wie die seines Vorgängers, großteils gar identisch. Eine Liste der entsprechenden Details finden Sie in der Tabelle “Hardware-Spezifikationen”.

Hardware-Spezifikationen

Merkmal

Odroid-C1+

Odroid-C1

Prozessor

Cortex-A5 (Amalogic S805, 1,5 GHz)

Cortex-A5 (Amalogic S805, 1,5 GHz)

Anzahl CPU-Kerne

4

4

GPU

ARM Mali 450MP2

ARM Mali 450MP2

RAM

1 GByte

1 GByte

Netzwerk

1000 Mbit/s

1000 Mbit/s

USB-Anschlüsse

4 x 2.0, 1 x Micro (OTG)

4 x 2.0, 1 x Micro (OTG)

WLAN/Bluetooth

-/-

-/-

IR

ja

ja

Datenträger

Micro-SD und eMMC

Micro-SD und eMMC

Video

HDMI

Micro-HDMI

Audio

Via HDMI und I2S

Via Micro-HDMI

Echtzeituhr (RTC)

ja

ja

Größe

85 x 56 x 38 mm

85 x 56 x 38 mm

GPIO

2 x 20 Pins (UART/SPI/I2C/ADC)

2 x 20 Pins (UART/SPI/I2C/ADC)

HDMI

Typ A

Typ C (Micro)

Kühlkörper

ja

separat erhältlich

Straßenpreis (Stand Januar 2016)

50 Euro

45 Euro

Alles wie gehabt

Die nahezu identische Hardware verleitet zu der Annahme, dass auf der Software-Seite noch weniger Veränderungen auftauchen. Die Vermutung bestätigt sich in der Praxis: Es besteht die Möglichkeit, Datenträger vom Odroid-C1 einfach in den C1+ zu übernehmen. In unseren Tests mit verschiedenen Linux-Varianten gab es dabei kein einziges Mal Probleme.

Nutzt das System Udev zum Generieren der Netzwerkschnittstellen, gilt es zu beachten, dass die neue Netzwerkkarte eine andere MAC-Adresse besitzt. Als Resultat konfiguriert das System eine neue Datei für die Schnittstelle – im einfachsten Fall heißt diese eth1. Alle Parameter, die Sie ursprünglich für eth0 auf dem Odroid-C1 gesetzt haben, müssen Sie nach dem Transfer des Systems aktualisieren.

Aufgrund der Option, alte Datenträger weiter zu nutzen, fällt der Umstieg auf den Nachfolger ausgesprochen leicht. Für Benchmarks liefert diese Möglichkeit den netten Nebeneffekt, dass die beschriebenen Leistungstests quasi unter idealen Bedingungen stattfinden: Auf beiden Systemen läuft parallel die identische Software. Sie benötigen nur einen zweiten Datenträger, auf den Sie mithilfe von Dd oder ähnlichen Werkzeugen das bisher verwendete Linux klonen.

Für eine absolut exakte Vergleichbarkeit böte es sich zwar an, das System aus dem Test im Februar 2015 zu reaktivieren. Ein mögliches Problem bei diesem Vorgehen liegt aber in der Tatsache, dass die ältere Version eventuell eine Komponente des neuen Odroid-Modells nicht optimal unterstützt. Für den Benchmark-Lauf kam daher ein aktuelles Ubuntu 14.04.3 LTS [7] zum Einsatz.

Zugunsten einer besseren Vergleichbarkeit mit den Daten aus dem ersten Vergleichstest von Odroid-C1 und Raspberry Pi 2 kamen wieder dieselben Werkzeuge zum Einsatz: Eine Mischung aus der RasPi-Benchmark-Sammlung von Roy Longbottom [8] und der Unixbench-Benchmark-Kollektion [9]. Um das Bild abzurunden, durfte die zweite Generation des Raspberry Pi noch einmal antreten. Für jeden Testlauf fand ein kompletter Neustart des ARM-Rechners statt. Selbstverständlich erfolgte die Konfiguration der Benchmarks so, dass alle vorhandenen CPU-Kerne zum Einsatz kamen.

Abbildung 2 zeigt die Ergebnisse des Vergleichstests. Aufgrund der fast identischen Hardware liegen die beiden Odroids nahezu gleichauf. Die leichten Abweichungen sind rein statistischer Natur. Kommen Sie mit der Hardware-Ausstattung des Vorgängers C1 gut aus, gibt es also nur wenig Anlass, über einen Umstieg auf den Nachfolger C1+ nachzudenken. Gegenüber einem Raspberry Pi liegen die Odroids in allen Benchmarks weiterhin deutlich im Vorteil.

Abbildung 2: Die beiden Odroid-Varianten C1 und C1+ im direkten Vergleich.

Abbildung 2: Die beiden Odroid-Varianten C1 und C1+ im direkten Vergleich.

Zum Messen der Schreib- und Leseleistung über das Netzwerk müssen die drei Testkandidaten mittels Iperf [10] Daten auf einen Server schreiben beziehungsweise von diesem lesen und auf die eigene SD-Karte übertragen – hier liegt bei vielen SBCs der Flaschenhals. Die Tabelle “Netzwerkleistung” stellt die Ergebnisse gegenüber. Im direkten Vergleich zeigen sich wieder keine Unterschiede zwischen dem Odroid-C1 und seinem Nachfolger.

Netzwerkleistung

TCP-Fenstergröße

RasPi 2

Odroid-C1 (03/2015)

Odroid-C1

Odroid-C1+

Standard

113 / 112

82 / 387

1105 / 463

1105 / 487

64 KByte

104 / 112

119 / 262

309 / 468

353 / 479

128 KByte

112 / 112

99 / 380

912 / 484

907 / 486

256 KByte

112 / 112

117 / 264

1096 / 480

1075 / 474

384 KByte

112 / 112

136 / 206

1105 / 470

1096 / 466

Server/Client; jeweils in Mbit/s

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