Aus Raspberry Pi Geek 05/2015

Intel NUC – eine Alternative zum RasPi? (Seite 3)

Insgesamt macht der NUC als kleiner, kompakter und sparsamer Familien-Server eine gute Figur. Dank potenter CPU laufen auf ihm auch ohne Probleme mehrere virtuelle Systeme. Wer allerdings nicht unbedingt einen ultrakompakten Rechner braucht, den höheren Stromverbrauch tolerieren kann oder deutlich mehr Plattenplatz benötigt, sollte sich stattdessen eher Micro-Server wie zum Beispiel den HP Proliant Microserver Gen8 [17] ansehen: Der bietet auf Celeron-Basis zum halben Preis (ohne Festplatten etwa 240 Euro) eine Reihe von echten Server-Funktionen.

Desktop

Ein NUC schlägt sich auch als vollwertiger Desktop-PC recht passabel, zumindest, solange nicht zu viel Peripherie am Rechner hängt. Mit Drucker, Scanner, Maus und Tastatur bleibt kein Platz mehr für Webcam, Kartenleser oder den Anschluss eines Smartphones. Ohne einen zusätzlichen USB-Hub bleiben diese Geräte ohne Anschluss. Für den Anschluss an den NUC eignen sich daher eher Druck/Scan-Kombigeräte mit WLAN sowie Maus/Tastatur-Kombinationen, die sich einen Funkempfänger teilen. Zudem verliert der NUC mit vielen Kabeln und einem zusätzlichen USB-Hub einen Teil seines Charmes. Der gelb markierte USB-Port des NUC auf der Frontseite führt auch im heruntergefahrenen Zustand Strom und lädt somit beispielsweise Handys, auch ohne dass der NUC läuft.

Auf dem System kam testweise die aktuelle OpenSuse-Tumbleweed-Version (ständige Updates auf die aktuellsten Software-Packages) zum Einsatz [18]. Das System erwies sich im Bürobetrieb als flink und reaktionsschnell, dank großzügiger Speicherausstattung bereitete auch der Wechsel zwischen verschiedenen Anwendungen keinerlei Probleme.

Um ein Gefühl für die relative Leistungsfähigkeit des Systems im Vergleich zu anderen ausgewachsenen Computern zu bekommen, kam das Programm Rawtherapee [19] zum Einsatz. Dieser RAW-Konverter bietet einen Batch-Modus und eignet sich dadurch gut zum praxisnahen Ausstoppen der praxisnahen Arbeitsgeschwindigkeit. Das Umwandeln von Digitalbildern belastet sowohl die CPU als auch das I/O-System.

Am Start waren neben dem NUC i3-5010U ein alter IBM-T61-Laptop (Core 2 Duo T9300 mit 2,5 GHz), ein Samsung-900X-Ultrabook (Core i5-3317U, zwei Kerne, 1,7 GHz, Hyperthreading) sowie ein 4-Kern-Desktop (Core i7-3770 mit 3,4 GHz, Hyperthreading). Die Aufgabe bestand im Umwandeln von zehn RAW-Bildern mit insgesamt 150 MByte in Zip-komprimierte TIFFs. In allen Systemen lagen die Dateien auf SSDs, die Laptops waren an das Stromnetz angeschlossen.

Listing 2

 

$ time rawtherapee -o /tmp/ptest/ -Y -t1 -c /tmp/ptest/

Das verwendete Kommando (Listing 2) verarbeitet alle Dateien in /tmp/ptest sequenziell. Rawtherapee nutzt zumindest bei einem Teil seiner Verarbeitungsschritte (etwa beim Entrauschen) mehrere CPU-Kerne. Praxiserfahrungen zeigen, dass deswegen ein sequenzielles Abarbeiten der Bilder meist bessere Ergebnisse bringt als mehrere Instanzen von Rawtherapee zu starten.

Die Tabelle “Batch-Entwicklung mit Rawtherapee” und die Abbildung 4 zeigen die Ergebnisse des Vergleichs. Es überrascht wenig, dass die Laufzeit von Kernanzahl und Takt abhängt. Allerdings fällt die relative Leistung des aktuellen Broadwell-Kerns im NUC höher aus als die der Desktop-CPU. Rein von den Kernen und dem Takt her dürfte man eine Laufzeit von rund 70 Sekunden erwarten – die aktuelle Architektur reduziert das um fast ein Drittel, bei deutlich niedrigerem Stromverbrauch.

Batch-Entwicklung mit Rawtherapee

Gerät

Prozessor

Taktrate

Kerne (physisch / logisch)

Zeit (real)

Zeit (user)

IBM T61

T9300

2,5 GHz

2 / 2

78s

135s

Samsung 900X

i5-3317U

1,7 GHz

2 / 4

77s

244s

Desktop-PC

i7-3770

3,4 GHz

4 / 8

23s

121s

Intel NUC

i3-5010U

2,1 GHz

2 / 4

50s

163s

Abbildung 4: Konvertierung mit Rawtherapee (Laufzeit).

Abbildung 4: Konvertierung mit Rawtherapee (Laufzeit).

Für alle Büroanwendungen einschließlich Internet und Bildbearbeitung genügt die Leistung der in den NUCs verbauten CPUs locker. Für die subjektive Empfindung spielen hier inzwischen ohnehin eine schnelle SSD und ausreichend RAM die Hauptrolle – hier punktet der NUC ebenfalls. Allenfalls grafikintensive Anwendungen leiden unter der schwachbrüstigen GPU; wer viel spielt oder 3D-Szenen rendert, braucht etwas mehr Dampf unter dem Schreibtisch.

Insgesamt zeigt der Test einen Trend der letzten Jahre: Selbst der relativ langsame T9300 (von Intel 2008 veröffentlicht) sorgt im T61 seit der Aufrüstung mit einer SSD für volle Alltagstauglichkeit des Rechners bei Büroaufgaben. Der Trend geht aktuell zu kleinen kompakten Rechnern, die nur wenig Strom verbrauchen und wenig Abwärme produzieren. Dagegen bringt ein weiteres Drehen an der Leistungsschraube kaum noch Vorteile.

Fazit

Der getestete NUC spielt sicher in der ersten Liga der Kleincomputer – nicht nur bei der Leistung, sondern auch im Preis. Doch auch andere Hersteller schicken vergleichbare Geräte mit ähnlichem Preisleistungsverhältnis ins Rennen. So lohnt sich zum Beispiel ein Blick auf Barebone-Geräte wie den Gigabyte Brix GB-BXi3H [20], den Shuttle DS57U [21] oder die Zotac ZBOX ID18 [22].

Wenn es etwas weniger Leistung auch tut, kommen der Atom-NUC DN2820FYKH oder vergleichbare Geräte anderer Hersteller in der Atom/Celeron/Pentium-Klasse infrage. Hier wird für den kleinen NUC die Luft nach unten dann aber schon ziemlich dünn: Der überarbeitete und deutlich schnellere Raspberry Pi 2 hat an Leistung so deutlich zugelegt, dass er in Sachen Prozessorleistung fast an solche Rechner heranreicht. Für echte Bastler schließlich stellt ein NUC aufgrund der fehlenden GPIO-Schnittstellen keine Alternative zum Raspberry Pi dar. 

Der Autor

Bernhard Bablok (mailto:[email protected]) arbeitet bei der Allianz Managed & Operations Services SE als SAP-HR-Entwickler. Wenn er nicht Musik hört, mit dem Radl oder zu Fuß unterwegs ist, beschäftigt er sich mit Themen rund um Linux, Programmierung und neuerdings Kleincomputer.

Infos

  1. Intel-NUCs: http://www.intel.de/content/www/de/de/nuc/products-overview.html
  2. NUC DN2820FYKH: http://www.intel.de/content/www/de/de/nuc/nuc-board-dn2820fykh.html
  3. NUC NUC5i3RYH: http://www.intel.com/content/www/us/en/nuc/nuc-kit-nuc5i3ryh.html
  4. NUC NUC5i3RYK: http://www.intel.com/content/www/us/en/nuc/nuc-kit-nuc5i3ryk.html
  5. NUC NUC5i5RYH: http://www.intel.com/content/www/us/en/nuc/nuc-kit-nuc5i5ryh.html
  6. NUC NUC5i7RYH: http://www.intel.com/content/www/us/en/nuc/nuc-kit-nuc5i7ryh.html
  7. NUC D34010WYKH: http://www.intel.com/content/www/us/en/nuc/nuc-kit-d34010wykh.html
  8. Speicherkompatibilitätslisten: http://www.intel.com/support/de/motherboards/desktop/sb/CS-034378.htm
  9. Details zum M.2-Standard: https://de.wikipedia.org/wiki/M.2
  10. Crucial SSD MX200 M.2: http://www.crucial.com/usa/en/storage-ssd-mx200
  11. BIOS-Update: https://downloadcenter.intel.com/download/24868
  12. OpenELEC: http://openelec.tv
  13. Debian 8 Jessie veröffentlicht: https://www.debian.org/News/2015/20150426
  14. Netzinstallation von einer Minimal-CD: https://www.debian.org/CD/netinst/index.de.html
  15. Minimalsystem mit Debian Jessie: https://www.howtoforge.com/tutorial/debian-8-jessie-minimal-server
  16. Iperf: https://iperf.fr
  17. HP Proliant Microserver Gen8: http://www8.hp.com/de/de/products/proliant-servers/product-detail.html?oid=5379860
  18. OpenSuse Tumbleweed: https://en.opensuse.org/openSUSE:Tumbleweed_installation
  19. Rawtherapee: http://www.rawtherapee.com
  20. Gigabyte GB-BXi3H-4010: http://www.gigabyte.de/products/product-page.aspx?pid=4859
  21. Shuttle DS57U: http://www.shuttle.eu/de/produkte/slim/ds57u/
  22. Zotac ZBOX ID18: http://www.zotac.com/products/mini-pcs/zbox/nvidia/product/nvidia/detail/zbox-id18.html
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