Aus Raspberry Pi Geek 04/2015

Angetestet: Windows 10 IoT Core auf dem Raspberry Pi 2 (Seite 2)

Microsoft stellt für den RasPi bislang Code-Beispiele in C#, Python und Javascript vor. Bei Javascript haben Sie die Wahl, dabei auf die Javascript-Engine von Windows aufzusetzen oder serverbasierte Node.js-Anwendungen umzusetzen. Der Zugriff auf die verfügbare WinRT-API gelingt in jedem Fall, je nach Programmiersprache müssen Sie dazu allerdings zusätzliche Module für Visual Studio installieren.

Von Node.js-Anwendungen einmal abgesehen, handelt es sich bei den Apps für den RasPi um sogenannte Universal-Apps, die zumindest theoretisch später also auch auf anderen Rechnern laufen können. Umgekehrt sollten Windows-10-Apps damit auch auf dem RasPi laufen – fraglich, inwieweit das sinnvoll ist. Auch wenn der Begriff Universal-App nach Klicki-Bunti klingt – es kann sich dabei auch um Hintergrundanwendungen ohne GUI handeln. Durch eine entsprechende Konfiguration lässt sich der RasPi auch unter Windows 10 IoT Core ganz ohne Grafikausgabe betreiben.

Infolge des Universal-App-Ansatzes muss der Programmierer auch keine spezifischen Eigenheiten des Raspberry Pi berücksichtigen. Es gibt aber natürlich die Möglichkeit, spezifische GPIO-Pins anzusteuern. Während Microsoft beim Windows für den Intel Galileo noch versuchte, die für die GPIO-Funktionen zuständige API Windows.Devices.GPIO [12] durch eine Arduino-Kompatibilitätsschicht zu kapseln, findet sich in den neuen Beispielen nichts davon. Über Windows.Devices.I2C und Windows.Devices.SPI lassen sich auch die Bussysteme des Raspberry Pi nutzen.

Per Mausklick laden Sie die App übers Netzwerk auf den Raspberry Pi und starten sie dort. Visual Studio kümmert sich dabei auch um mögliche Abhängigkeiten und zieht diese automatisch nach. Auch das Debuggen mit Visual Studio erfolgt unkompliziert und erfordert keine zusätzlichen Handgriffe. Im Test gelang es Visual Studio bei der Installation von selbst geschriebenen Programmen zuweilen nicht, den RasPi zu erreichen, obwohl der gleichzeitige Zugriff über die Weboberfläche funktionierte. Woran das lag, konnten wir bislang nicht herausfinden.

Fazit

Nicht wenigen Anwendern mag Windows auf dem Raspberry Pi 2 als Horrorvorstellung erscheinen – dabei stellt das jetzt vorgestellte Windows 10 IoT Core gar keine Konkurrenz zu Linux dar. Vielmehr lässt der Inhalt der Windows-Installation sogar die Vermutung zu, dass diese Windows-Version überhaupt nicht mit den bisherigen Linux-Distributionen konkurrieren soll.

Offenbar hat Microsoft vielmehr die Entwickler von PoS-Systemen oder ähnlichen Anlagen im Auge. Zugespitzt formuliert: Die nächste Generation der Geldautomaten könnte nicht mehr auf alten Intel-CPUs mit Windows NT laufen, sondern auf einem RasPi 2 unter Windows 10 IoT Core. In diesem Kontext ergeben sowohl die andersgeartete Installation als auch der auf Visual Studio ausgerichtete Entwickler-Workflow Sinn. Zudem erleichtert die Kombination von Visual Studio und Windows die GUI-Entwicklung.

Lässt dergleichen Sie allerdings kalt, dürfen Sie um Windows 10 für den Raspberry Pi beruhigt einen Bogen machen. Spezielle Windows-Apps für den RasPi 2 oder auch das Minnowboard sind noch nicht zu sehen. Ebenso fehlt es an Treibern für die Hardware, und es lässt sich noch nicht absehen, ob und wie die einschlägigen Hersteller dem ARM-Trend folgen. 

Der Autor

Alexander Merz schreibt bei Golem.de über die Maker-Szene, testet und programmiert Kleinrechner und heizt gelegentlich auch den Lötkolben für Bastelprojekte an.

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