Aus Raspberry Pi Geek 02/2015

Pi-Top: RasPi-Laptop selbst gedruckt (Seite 2)

Ein HAT für die Heimautomation (Abbildung 4) misst unter anderem Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchte und bringt außerdem einen Sensor für Berührung, Infrarot und Schall mit. Anhand der erfassten Daten lassen sich nicht nur eine integrierte 7-Segment-Anzeige sowie ein Summer ansteuern, sondern über entsprechende Anschlüsse auch Servomotoren und Schaltrelais.

Abbildung 4: Der Heimautomation-HAT für den Pi-Top bringt eine Vielzahl von Umweltsensoren mit.

Abbildung 4: Der Heimautomation-HAT für den Pi-Top bringt eine Vielzahl von Umweltsensoren mit.

Der Pi-Top-HAT (Abbildung 5) für Robotik soll die Programmierung und Anwendung von Robotern erleichtern. Die Idee dahinter: Sie montieren den Robot-HAT auf den Raspberry Pi im Pi-Top und programmieren ihn dort mit Python – eine ausführliche Anleitung dazu stellt das Projekt als Online-Lektion zur Verfügung. Anschließend entnehmen Sie den derart präparierten Roboter-Kern aus RasPi und HAT aus dem Pi-Top und montieren ihn auf ein per 3D-Druck erstelltes Roboter-Chassis – schon steht der Robot zum Einsatz bereit.

Abbildung 5: Der Robotik-HAT für den Pi-Top dient als komfortabel per Python programmierbares Robot-"Gehirn".

Abbildung 5: Der Robotik-HAT für den Pi-Top dient als komfortabel per Python programmierbares Robot-“Gehirn”.

Es gibt auch noch einen dritten HAT, eine HDMI-nach-LVDS-Bridge, die direkt von der ganz ähnlichen im Pi-Top verbauten Lösung abstammt. Diese Bridge passt auf jeden RasPi B+ und kommt mit allen LCD-Bildschirmen mit Single-Channel-LVDS-Anschluss zurecht. So können Sie das Pi-Top-Konzept bei Bedarf auch für andere Gehäuseformate und Bildschirmgrößen erweitern.

Fazit

Alles in allem präsentiert sich das Pi-Top-Projekt als Paradebeispiel dafür, was man mit etwas Unternehmungslust und guten Ideen so alles mit einem Raspberry Pi anstellen kann. Falls Sie jetzt Blut geleckt haben und mehr wissen möchten, bieten sich der Pi-Top-Twitterkanal @GetPiTop sowie die Facebookseite des Projekts [4] als tagesaktuelle Informationsquellen an. 

Interview mit Jesse Lozano

Während eines Besuchs in London hatte unser Autor Richard Ibbotson Gelegenheit zu einem Gespräch mit Jesse Lozano, einem der Gründer des Raspberry-Pi-Top-Projekts. In Abbildung 1 sehen Sie Jesse ganz rechts außen mit dem orangefarbenen Pi-Top in der Hand.

Richard Ibbotson: Wann hast du begonnen, dich für Informationstechnik zu interessieren?

Jesse Lozano: Tatsächlich war ich schon über zwanzig, als ich das erste Mal in Programmierung eingestiegen bin – das war während meines Jura-Studiums. Später habe ich mich dann über Online-Quellen mit Webentwicklung und Python vertraut gemacht. Ich fand es extrem spannend, wie viel Nützliches man lernen kann, ohne dazu teure Kurse besuchen zu müssen Deswegen halte ich auch nach wie vor viel von Open Source, und das ist auch der Grund, warum wir kostenlose Online-Lektionen rund um den Pi-Top anbieten. Der Einzige von uns mit echtem IT-Hintergrund ist Ryan Dunwood (Abbildung 1, links außen), der schon als Junge mit Elektronikbaukästen gespielt und später an der Uni Oxford Ingenieurswissenschaften studiert hat.

RI: Hast du dich an der Uni auch weiter mit Programmierung beschäftigt?

JL: Wie gesagt habe ich Jura studiert, am Kings College in London. Allerdings wurde mir recht schnell klar, dass ich das beruflich nicht unbedingt weiterverfolgen wollte. Da schien mir die Programmierung eine gute Alternative zu bieten.

RI: Schule und Uni haben dir also in Sachen Pi-Top-Projekt nicht wirklich weitergeholfen?

JL: Gewisse Erfahrungen nimmt man natürlich schon mit. Ich habe während des Studiums ein Magazin für Kommilitonen herausgegeben und Praktika und Jobs bei Tageszeitungen und Rechtsanwaltskanzleien gemacht. Was ich da über Arbeitsabläufe und das Einhalten von Deadlines gelernt habe, konnte ich recht gut gebrauchen, um das Pi-Top-Projekt durchzuziehen. Technisch hatte allerdings Ryan mit seinem Ingenieursstudium immer die Nase vorn.

RI: Wie bist du überhaupt zum Pi-Top-Projekt gekommen? War das ein Einfall von dir, oder hat dich einer der anderen Teilnehmer dazugeholt?

JL: Ryan und ich haben uns vor knapp einem Jahr bei einem Event getroffen und kamen über den Raspberry Pi ins Gespräch. Ryan arbeitete damals an einem RasPi-Projekt mit Solarzellen als Stromversorgung, und ich beschäftigte mich gerade mit der Programmierung des Mini-Rechners. Da haben wir dann beschlossen, zusammenzuarbeiten.

Während der Arbeit an diesem Projekt wurde uns klar, dass man vieles von dem, was wir da entwickelten, auch gut für einen RasPi-Laptop verwenden könnte. So einen unkomplizierten, mobil überall verwendbaren RasPi wünschten wir uns beide, also gingen wir recht schnell dazu über, uns nur noch mit diesem Thema zu beschäftigen. Die Entwicklung des Pi-Top dauerte dann ungefähr acht Monate.

Recht bald ist uns dann auch klar geworden, dass so ein hochmobiler RasPi es ermöglicht, dass sich Leute überall und jederzeit auch ohne klassischen Computerschulungsraum mit Hardware und Programmierung beschäftigen können. Das ist schon eine tolle Sache!

RI: Vielen Dank für das interessante Gespräch, Jesse.

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