Aus Raspberry Pi Geek 02/2015

Der Ionas-Server auf Basis eines Raspberry Pi (Seite 2)

Abbildung 3: Die Konfiguration des Ionas-Servers erfolgt über ein Shell-Skript. Das Root-Passwort gibt es allerdings nur auf Anfrage.

Abbildung 3: Die Konfiguration des Ionas-Servers erfolgt über ein Shell-Skript. Das Root-Passwort gibt es allerdings nur auf Anfrage.

Root-Zugang

Ionas richtet sich mit seinem RasPi-Home-Server an Anwender, die sich nicht selbst mit der Technik auseinandersetzen können oder wollen. Daher liefert Ionas das Betriebssystem des Servers mit einem dem Käufer unbekannten Root-Passwort aus. Wer den Server eigenhändig administrieren möchte, der bekommt das Root-Passwort bei der Ersteinrichtung genannt, riskiert allerdings, dass Ionas das Gerät bei vom User verursachten Problemen nicht weiter mit Support unterstützt.

Hilfe beim Einrichten

Als Server-Dienste bietet der Ionas-Server selbstverständlich klassische Dateifreigaben über das Samba/CIFS-Protokoll an. Diese lassen sich ohne Probleme unter Linux, Mac OS X und Windows einbinden. Aufgrund der beschränkten Leistungsdaten eines Raspberry Pi dürfen Sie dabei freilich keine Wunder erwarten: Für das Schreiben einer 1,6 GByte großen Filmdatei auf den Samba-Server brauchte der RasPi bei einer Datenrate von annähernd 45 Mbit/s knapp 5 Minuten.

Mit Mopidy und MiniDLNA arbeiten auf Wunsch ein MPD-kompatibler Musikplayer mit Webfrontend, wie wir ihn Ihnen schon im Rahmen des Tests von Jukebox-Distributionen [5] vorgestellt haben. Über die Klinkenbuchse an einer Stereoanlage angeschlossen, macht er so die Hi-Fi-Anlage smart. Mit Apps wie zum Beispiel MPDroid [6] oder dem Webfrontend des Musikservers (Abbildung 4) steuern Sie die Musikwiedergabe auch vom Handy aus. Musik, Videos oder Bilder streamt Ionas über DLNA an Mediacenter-Apps und DLNA-fähige Fernseher.

Abbildung 4: Den im Ionas-Server integrierten Mopidy-Musikserver steuern Sie entweder über das Webfrontend oder eine MPD-App.

Abbildung 4: Den im Ionas-Server integrierten Mopidy-Musikserver steuern Sie entweder über das Webfrontend oder eine MPD-App.

Des Weiteren bietet der Ionas-Server mit Seafile eine Open-Source-Alternative zu Dropbox oder anderen Cloudspeicher-Diensten. Mit OpenVPN graben Sie einen verschlüsselten Tunnel durch das Internet auf Ihren Server; mit Radicale steht Ihnen ein CalDAV/CardDAV-Server zur Verfügung, über den Sie Kontakte und Termine zwischen Ihren Rechnern und mobilen Geräten abgleichen. Beim Update des Systems gibt es auch eine von Ionas eigenhändig entwickelte Filesharing-Lösung, über die Sie Daten im Internet zum Download anbieten können (Abbildung 5).

Abbildung 5: Zur Sicherheit nutzt Ionas die Freigabefunktion von Seafile nur im internen Netz. Für Internetfreigaben gibt es eine extra App.

Abbildung 5: Zur Sicherheit nutzt Ionas die Freigabefunktion von Seafile nur im internen Netz. Für Internetfreigaben gibt es eine extra App.

Alle Dienste aktiviert Ionas über die Fernwartungssoftware nicht nur auf dem Server: Der Ionas-Support-Mitarbeiter hilft auch bei der Konfiguration Ihrer Rechner, sodass diese ebenfalls auf die Dienste zugreifen können. So installiert und demonstriert der Ionas-Support etwa den Seafile-Client (Abbildung 6) oder richtet Mailprogramme wie Thunderbird oder Outlook so ein, dass diese Kontakte und Termine über Radicale auf mehreren Rechnern synchron halten.

Auch beim Einrichten der für das Filesharing oder den OpenVPN-Server benötigten DynDNS-Adresse und Portweiterleitungen vom Router auf den Ionas-Server hilft der Support tatkräftig mit. Die Zugangsdaten zu Ihren Diensten zeigt Ihnen am Ende ein vom Server generiertes Merkblatt in einer Übersicht an (Abbildung 7).

Abbildung 6: Seafile dient als Ersatz für Dropbox. Wie das kommerzielle Vorbild erstellt Seafile bei jeder Änderung eine Sicherheitskopie.

Abbildung 6: Seafile dient als Ersatz für Dropbox. Wie das kommerzielle Vorbild erstellt Seafile bei jeder Änderung eine Sicherheitskopie.

Abbildung 7: Auf dem ausdruckbaren Merkblatt listet der Ionas-Server alle Adressen der aktivierten Netzwerkdaten auf.

Abbildung 7: Auf dem ausdruckbaren Merkblatt listet der Ionas-Server alle Adressen der aktivierten Netzwerkdaten auf.

Hilfe zum Einrichten mobiler Geräte mit Android oder iOS leistet Ionas nicht direkt – bisher gibt es noch keine zuverlässige Methode, die Steuerung eines Handys im Auftrag des Kunden zu übernehmen. Auf den Hilfeseiten gibt Ionas allerdings Tipps zum Einrichten von CalDAV/CardDAV oder zum Konfigurieren des Seafile-Clients für Android [7].

Fazit, Kritik und Ausblick

Ionas richtet sich mit seinem Server ganz klar an Anwender, die wenig Erfahrung im Umgang mit dem RasPi oder gar mit Server-Diensten haben. Sind Sie fit genug, um ein NAS-System oder einen RasPi samt diversen Servern einzurichten und Ihre Rechner so zu konfigurieren, dass sie sich mit diesem verbinden, dann brauchen Sie den Ionas-Server nicht. Trauen Sie sich das nicht zu und kennen Sie niemanden, der bei der Ersteinrichtung hilft, dann bekommen Sie bei Ionas Hardware und geduldigen Support aus einer Hand.

In der aktuellen Version der Software des Ionas-Servers erscheint uns allerdings sehr unglücklich gelöst, dass für beinahe jede weitere Konfiguration der Ionas-Support kostenpflichtig kontaktiert werden muss. Nach der kostenlosen Ersteinrichtung können Sie weitere Dienste nicht eigenhändig hinzu- oder abschalten – das klappt nur mit Root-Passwort. Letzteres gibt Ihnen der Support zwar auf Nachfrage (siehe Kasten “Root-Zugang”), garantiert dann aber keinen günstigen Support mehr.

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