Aus Raspberry Pi Geek 01/2015

Mit XBMC und dem Raspberry Pi zum smarten Fernseher (Seite 2)

Abbildung 2: XBMC erlaubt Ihnen, Inhalte aus zahlreichen lokalen und netzgebundenen Quellen in die Datenbank des Mediacenters einzubinden.

Abbildung 2: XBMC erlaubt Ihnen, Inhalte aus zahlreichen lokalen und netzgebundenen Quellen in die Datenbank des Mediacenters einzubinden.

XBMC zeigt die Inhalte der Mediendatenbank nicht einfach nur mit dem Dateinamen an, sondern lädt neben DVD- oder CD-Covern auch zahlreiche Informationen aus dem Internet, etwa Darsteller, Plots oder die IMDb-Platzierungen. Dazu müssen Sie XBMC nun noch mitteilen, was für Inhalte es in der gerade frisch angelegten Medienquelle vorfindet. Unter Dieser Ordner beinhaltet wählen Sie Musikvideos, TV-Serien oder Filme aus (Abbildung 3). XBMC lädt dann automatisch einen passenden Scrapper, also ein kleines Programm, das die gewünschten Informationen wie Künstler, Darsteller oder zusätzliche Bilder aus den jeweiligen Webseiten extrahiert.

Abbildung 3: Nach Angabe des Speicherorts wählen Sie mit dem Scrapper, welche Metainformationen XBMC aus dem Internet laden soll.

Abbildung 3: Nach Angabe des Speicherorts wählen Sie mit dem Scrapper, welche Metainformationen XBMC aus dem Internet laden soll.

Per USB angeschlossene Datenträger erscheinen automatisch unter Videos | Dateien als eigener Eintrag. Wählen Sie diesen mit den Pfeiltasten der Tastatur an und öffnen Sie dann mit [C] das Kontextmenü Inhalt festlegen. Mit einer Maus müssen Sie zum Öffnen des Menüs nur mit der rechten Maustaste auf den entsprechenden Eintrag des Speichermediums tippen. Sollte auf dem Datenträger mehr als nur eine Medienart (Musik, Serien, Filme oder Bilder) gespeichert sein, dann gehen Sie zuvor noch weiter zum Ordner, der nur eine Sorte enthält.

Wiederholen Sie diese Schritte für sämtliche Medien und Speicherorte. Es ist dabei nicht relevant, dass manche Filme etwa auf einer am RasPi angeschlossenen USB-Festplatte liegen, andere aber auf einer Netzwerkfreigabe eines Netzwerk-Servers. XBMC bindet sämtliche Inhalte einer Medienart in die entsprechende Kategorie ein, sodass es später nicht mehr darauf ankommt, woher welche Inhalte stammen.

Addons und Skins

Rund um XBMC hat sich dank einer leistungsfähigen Addon-Schnittstelle [6] eine große Community gebildet, die zusätzliche Funktionen für XBMC bereitstellt. Die meisten Plugins werden in Python entwickelt. Offiziell anerkannte Erweiterungen pflegt XBMC in einer von Haus aus eingebundenen Paketquelle [7], in den diversen XBMC-Communities finden sich allerdings auch zahlreiche nicht offizielle Repositories. Diese enthalten allerdings oft Erweiterungen mit nicht ganz legalem Hintergrund wie etwa der Möglichkeit, Live-Streams von Pay-TV-Sendern direkt in XBMC zu laden.

@:Die offiziellen XBMC-Addons finden Sie unter System | Einstellungen | Addons | Weitere Addons | XBMC.org Addons. Hier bietet es sich an, gleich den Watchdog aus den Diensten zu aktivieren. Er überwacht die eingebundenen Medienquellen und aktualisiert bei Änderungen umgehend die XBMC-Datenbank. Sehen Sie Filme gern im Original, benötigen zum besseren Verständnis aber Untertitel, dann aktivieren Sie auch gleich unter Untertitel die OpenSubtitles.org oder Podnapisi.net. Manche Addons möchten nach der Installation noch konfiguriert werden.

Eine gewisse Rolle spielen auch die Video Addons, mit denen Sie Youtube oder verschiedene andere Mediatheken einbinden, etwa jene von ARD und ZDF. Dieser Funktion widmen wir uns im späteren Verlauf des Artikels noch genauer.

Es gibt kaum eine Software, die sich so stark optisch anpassen lässt, wie das XBMC-Mediacenter. In den Paketquellen stehen zahlreiche höchst unterschiedliche Skins zur Auswahl. Bei den Themes sollten Sie im Zusammenspiel mit dem RasPi allerdings ein wenig Vorsicht an den Tag legen – die meisten Themes drehen kräftig an der Performanceschraube. Hier mehr Bilder, da noch mehr Animationen: Der RasPi zeigt sich von diesem Leistungshunger schnell überfordert.

Wählen Sie daher Themes mit Bedacht aus, sonst dürfen Sie sich später nicht über eine träge Oberfläche wundern. Eine gute Alternative zum knallbunten und einfachen Original Confluence wäre etwa Eminence [8] oder Refocus [9]. Diese Skins arbeiten mit einer sehr schlichten Oberfläche (Abbildung 4) und zapfen daher kaum mehr CPU-Leistung ab als Confluence. Dennoch müssen sie sich vor dem Look moderner Smart-TV-Oberflächen bei Weitem nicht verstecken.

Abbildung 4: Schlanke Skins, wie hier im Beispiel Eminence, verleihen XBMC ein modernes Aussehen, ohne den Raspberry Pi zu überfordern.

Abbildung 4: Schlanke Skins, wie hier im Beispiel Eminence, verleihen XBMC ein modernes Aussehen, ohne den Raspberry Pi zu überfordern.

RasPi übertakten

Damit Eminence oder andere etwas leistungshungrigere Skins auch wirklich rund laufen, sollten Sie erwägen, den XBMC-Raspi wenigstens ein klein wenig zu übertakten – inzwischen erlaubt die Raspberry Pi Foundation das ja ganz offiziell [10], ohne dass Gewährleistungsansprüche verloren gingen. Über die Raspbmc Settings klappt das bei Raspbmc sehr einfach.

Sind Sie schon auf Eminence umgestiegen, dann erreichen Sie die entsprechenden Einstellungen unter Programme | Programm Addons | Raspbmc Settings | System Configuration | System Performance Profile. Bei Fast läuft der Eminence-Skin schon schnell genug, sodass die maximale Geschwindigkeit Super nicht unbedingt vonnöten sein sollte.

Setzen Sie auf OpenELEC als XBMC-Distribution, dann müssen Sie den RasPi über die config.txt hochtakten [11]. Das macht zwar ein klein wenig mehr Arbeit, geht aber auch locker von der Hand. Am einfachsten erreichen Sie dies, indem Sie die Speicherkarte aus dem Raspberry Pi nehmen und diese mit einem Kartenleser am PC auslesen.

Im Unterordner flash/ der Speicherkarte finden Sie daraufhin die Datei config.txt, die Sie mit einem Texteditor bearbeiten. Die Übertaktungsmöglichkeiten finden sich im Abschnitt Overclock mode settings. Die Tabelle aus Listing 1 zeigt die gängigen Einstellungen für arm_freq, core_freq, sdram_freq und over_voltage.

Listing 1

 

# Overclock mode settings.
#
# default recommended values are: arm_freq | core_freq | sdram_freq | over_voltage
# no overclocking               :    700   |    250    |    400     |      0
# mode 'Modest'                 :    800   |    300    |    400     |      0
# mode 'Medium'                 :    900   |    333    |    450     |      2
# mode 'High'                   :    950   |    450    |    450     |      6
# mode 'Turbo'                  :   1000   |    500    |    500     |      6
arm_freq=950
core_freq=450
sdram_freq=450
over_voltage=6

Alternativ melden Sie sich per SSH am laufenden OpenELEC-System an. Sie aktivieren den Dienst entweder direkt nach der Installation des Systems im Einrichtungsassistenten oder nachträglich unter System | OpenELEC | Services |SSH aktivieren in den OpenELEC Einstellungen. Anschließend verbinden Sie sich entsprechend Listing 2 mit OpenELEC – die Login-Credentials heißen in den Standardeinstellungen root und openelec. Dann hängen Sie die Flash-Partition mit Schreibrechten ein und bearbeiten die config.txt mit Nano. Die Änderung speichern Sie mit [Strg]+[O], anschließend beenden Sie den Editor mit [Strg]+[X] und booten OpenELEC neu.

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