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Aus Raspberry Pi Geek 01/2015

Mit XBMC und dem Raspberry Pi zum smarten Fernseher

© Computec Media GmbH

TV-Intelligenz

Christoph Langner

Mit einem Raspberry Pi und XBMC verwandeln Sie jeden Fernseher für nur wenig Geld in einen vielfältig nutzbaren Smart-TV. Wir helfen Ihnen beim Einstieg in das XBMC-Mediacenter.

README

XBMC-Distributionen wie Raspbmc oder OpenELEC lassen sich auf dem Raspberry Pi genauso leicht installieren wie herkömmliche Linux-Distros. Doch danach stehen XBMC-Einsteiger vor einer steilen Lernkurve. Wir nehmen Sie bei Ihren ersten Schritten mit der Mediacenter-Software an die Hand.

Raspberry Pis übernehmen die Steuerung von Gartenhäusern, fungieren als neues Herz eines alten Game-Boys oder melden den regen Flugverkehr über dem eigenen Dach. Kurz gesagt: Der Raspberry Pi dient unzähligen Eigenbauprojekten als zentrales und einfach programmierbares Gehirn. Einer der beliebtesten Anwendungsfälle dürfte allerdings der Einsatz als Mediacenter sein.

Angeschlossen an einen drögen Fernseher ohne smarte Funktionen, macht der Raspberry Pi diesen fit für Youtube-Clips, die Online-Mediatheken von ARD, ZDF und Co. oder Videostreaming vom heimischen Datenspeicher respektive einer externen Festplatte. Distributionen wie Raspbmc [1] oder OpenELEC [2] mit dem Mediacenter XBMC (mit der kommenden Version nennt sich die Software Kodi [3]) als Basis machen Ihnen dabei den Einstieg leicht.

Allerdings übernehmen die XBMC-Distributionen lediglich die Installation des Mediacenter-Systems an sich (siehe Kasten “Raspbmc und OpenELEC installieren”). XBMC selbst müssen Sie nach dem ersten Start eigenhändig anpassen. Dabei nehmen wir Sie im Folgenden an die Hand, denn die Bedienung von XBMC braucht – zugegeben – ein wenig Eingewöhnung.

Raspbmc und OpenELEC installieren

Die Installation von Raspian oder OpenELEC unterscheidet sich nicht von der eines normalen RasPi-Linux. Sie müssen dazu lediglich die Image-Datei aus dem Netz laden und per Dd oder Win32 Disk Imager für Windows auf die mindestens 4 GByte große SD-Speicherkarte schreiben. In beide Distributionen integrierte Update-Routinen halten das Mediacenter-Linux dann im weiteren Verlauf aktuell, ohne dass Sie sich manuell um Aktualisierungen kümmern müssten.

XBMC einrichten

Nach der Installation der eigentlichen Distribution und dem ersten Start des Systems empfängt Sie XBMC mit dem Standard-Theme und ohne zusätzliche Anpassungen. Zum Einrichten schließen Sie am besten Maus und Tastatur an den Raspberry Pi an, da Sie sich so die Eingabe von Pfadangaben oder Zugangsdaten erleichtern. Später können Sie die sperrigen Eingabegeräte eventuell wieder einmotten, ein geeigneter Fernseher übermittelt dann die Steuerkommandos der TV-Fernbedienungen per CEC an die Mediacenter-Software.

Im Hauptmenü navigieren Sie entweder mit einer Maus oder den Links-Rechts-Tasten der Tastatur zu den Menüpunkten Bilder, Videos, Musik, Programme oder System. In die Untermenüs gelangen Sie über [Pfeil-unten], zurück ins Menü kommen Sie mit [Pfeil-oben]. Zum Hauptmenü springen Sie jederzeit mit [Esc], in den Menüs geht es mit [Rückschritt] immer einen Schritt zurück. An Kontextmenüs, die Sie per Maus mit der rechten Maustaste öffnen würden, gelangen Sie mit [C].

Raspbmc oder OpenELEC?

Mit Raspbmc und OpenELEC haben Sie die Wahl zwischen zwei XBMC-Distributionen für den Raspberry Pi. Während Raspbmc auf Raspian und somit dem ARM-Zweig von Debian aufsetzt, baut OpenELEC auf ein eigenes Build-System. Dadurch lässt sich OpenELEC ein wenig besser an die knappen Ressourcen des RasPi anpassen. Raspbmc andererseits erlaubt die Installation von für Raspian gedachten DEB-Paketen. Raspbmc lässt sich so zu einer eierlegenden Wollmilchsau mit Mediacenter-Funktion ausbauen, während OpenELEC ein recht statisches, aber etwas schnelleres System darstellt.

Zum Einstieg stellen Sie am besten die Sprache auf Deutsch um: Öffnen Sie dazu System | Settings | Appearance | International | und wählen Sie dann unter Language und Region  mit Deutsch und Deutschland die korrekten Einstellungen aus. Auch der Nachrichtenticker im Hauptmenü ist nicht unbedingt vonnöten, er bremst den Menüaufbau spürbar aus. Sie stellen ihn unter System | Darstellung | Skin | RSS-Newsfeed aktivieren ab. Weitere zentrale Einstellungen finden Sie in der Tabelle “Wichtige XBMC-Einstellungen”.

Wichtige XBMC-Einstellungen

Option

Beschreibung

Darstellung

Skin | RSS-Newsfeed aktivieren

Der Newsticker mit XBMC-Nachrichten verlangsamt das Hauptmenü spürbar, schalten Sie ihn daher besser gleich ab.

Sprache & Region | Sprache (Deutsch), Region (Deutschland)

Haben Sie im Einrichtungsassistenten die Sprache falsch gesetzt, so korrigieren Sie das hier.

Video

Datenbank | Aktualisiere Datenbank beim Start

Sorgt dafür, dass XBMC beim Start sämtliche Quellen auf Änderungen überprüft und neue Medien in seine Datenbank einfügt.

Dateilisten | Metainformationen aus Mediendateien extrahieren

XBMC generiert beim Aktualisieren der Datenbank Vorschaubilder aus neuen Videos. Das kostet auf einem Raspberry Pi zu viel Zeit.

Dienste

UPnP | UPnP-Server aktivieren

Erlaubt Apps wie etwa BubbleUPnP für Android, Multimedia-Inhalte direkt vom Mobilgerät zu XBMC zu streamen.

UPnP | Steuerung über UPnP zulassen

Diese Option müssen Sie aktivieren, damit sich ein XBMC-RasPi auch über UPnP kontrollieren lässt.

Fernsteuerung | Steuerung über entfernte Programme zulassen

Klassische XBMC-Fernsteuerungen, wie etwa Yatse für Android, benötigen zwingend diese Funktion.

System

Video-Hardware | Auflösung | 1280x720p

Eine geringere Auflösung beschleunigt den Aufbau der Menüs. Die Auflösung von Videos bleibt davon unberührt.

Video-Hardware | Bildschirm kalibrieren

Sollte das Bild des Raspberry Pi nicht sauber auf den TV-Schirm passen, dann korrigieren Sie mit dieser Funktion die Ausrichtung.

Eingabegeräte | Geräte | CEC-Adapter

Mit CEC übermitteln Fernseher die Eingaben der Fernbedienung an XBMC. Hier finden Sie zahlreiche Optionen, um das Zusammenspiel zu optimieren.

Alle Menüpunkte finden Sie unter System | Einstellungen.

Als einzigen wirklichen Zusatz bringen beide XBMC-Distributionen ein eigenes Konfigurationswerkzeug mit. Raspbmc integriert die Raspbmc Settings ins Menü Programme, bei OpenELEC finden Sie Einstellungen unter dem gleichnamigen Eintrag im Menü System. In beiden Einrichtungswerkzeugen richten Sie den Netzwerkzugang ein; das Raspbmc-Tool (Abbildung 1) erlaubt darüber hinaus das Einbinden zusätzlicher Hardware wie externer Soundkarten, Webcams oder von Infrarot-Empfängern. Auch die Installation von Nightly-Builds ist hier möglich.

Abbildung 1: Über die Raspbmc-Settings konfigurieren Sie das Netzwerk oder heben gar die Taktgeschwindigkeit des Raspberry Pi an.

Abbildung 1: Über die Raspbmc-Settings konfigurieren Sie das Netzwerk oder heben gar die Taktgeschwindigkeit des Raspberry Pi an.

Medien hinzufügen

Ohne Inhalte bringt Ihnen das Mediacenter rein gar nichts: XBMC sucht nicht von allein nach brauchbaren Mediadateien, sondern Sie müssen dem Programm verraten, wo es nach welchen Inhalten Ausschau halten soll. Mit den gefundenen Daten füllt XBMC eine Datenbank, die später auch aktuell gehalten werden möchte. Als Beispiel bringen wir XBMC im Folgenden bei, nach Filmen oder TV-Serien zu suchen. Fügen Sie nicht gleich Ihre komplette Mediensammlung in einem Schritt ein: Die Unterscheidung nach Filmen, Serien, Bildern oder Musik ist für den Aufbau der Mediendatenbank eminent wichtig.

Folgen Sie dazu nun den Menüs zu Videos | Dateien | Dateien | Videos hinzufügen und wählen Sie hier im Dialog Quelle für Video hinzufügen die Option Durchsuchen an. Im sich daraufhin öffnenden Fenster (Abbildung 2) binden Sie über Netzwerk-Dateisystem (NFS) oder Windows-Netzwerk (SMB) Linux- oder Windows-typische Netzwerkfreigaben ein oder stöbern über UPnP Devices auf UPnP- oder DLNA-Servern. Die Eingabe beenden Sie mit [Pfeil-rechts] und OK. Abschließend bietet es sich an, der Medienquelle einen passenden Namen zu geben, etwa Filme auf Server oder TV-Shows auf NAS.

Abbildung 2: XBMC erlaubt Ihnen, Inhalte aus zahlreichen lokalen und netzgebundenen Quellen in die Datenbank des Mediacenters einzubinden.

Abbildung 2: XBMC erlaubt Ihnen, Inhalte aus zahlreichen lokalen und netzgebundenen Quellen in die Datenbank des Mediacenters einzubinden.

XBMC zeigt die Inhalte der Mediendatenbank nicht einfach nur mit dem Dateinamen an, sondern lädt neben DVD- oder CD-Covern auch zahlreiche Informationen aus dem Internet, etwa Darsteller, Plots oder die IMDb-Platzierungen. Dazu müssen Sie XBMC nun noch mitteilen, was für Inhalte es in der gerade frisch angelegten Medienquelle vorfindet. Unter Dieser Ordner beinhaltet wählen Sie Musikvideos, TV-Serien oder Filme aus (Abbildung 3). XBMC lädt dann automatisch einen passenden Scrapper, also ein kleines Programm, das die gewünschten Informationen wie Künstler, Darsteller oder zusätzliche Bilder aus den jeweiligen Webseiten extrahiert.

Abbildung 3: Nach Angabe des Speicherorts wählen Sie mit dem Scrapper, welche Metainformationen XBMC aus dem Internet laden soll.

Abbildung 3: Nach Angabe des Speicherorts wählen Sie mit dem Scrapper, welche Metainformationen XBMC aus dem Internet laden soll.

Per USB angeschlossene Datenträger erscheinen automatisch unter Videos | Dateien als eigener Eintrag. Wählen Sie diesen mit den Pfeiltasten der Tastatur an und öffnen Sie dann mit [C] das Kontextmenü Inhalt festlegen. Mit einer Maus müssen Sie zum Öffnen des Menüs nur mit der rechten Maustaste auf den entsprechenden Eintrag des Speichermediums tippen. Sollte auf dem Datenträger mehr als nur eine Medienart (Musik, Serien, Filme oder Bilder) gespeichert sein, dann gehen Sie zuvor noch weiter zum Ordner, der nur eine Sorte enthält.

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