Aus Raspberry Pi Geek 05/2013

Einführung: Linux auf dem Raspberry Pi (Seite 2)

Für den Einsatz auf dem mit Rechenpower und Speicher nicht eben übermäßig versehenen RasPi eignet sie sich schon deswegen ideal, weil sie bei geringstem Footprint eine Vielzahl leistungsfähiger Funktionen, Tools und Anwendungen bereitstellt. Außerdem eröffnet die Shell die Möglichkeit, sich aus der Ferne via SSH (“secure shell”) auf dem Raspberry Pi anzumelden beziehungsweise im Serverbetrieb auf eine Ressourcen fressende grafische Oberfläche zu verzichten.

Über die Jahre hinweg haben die Entwickler die Shell mit einigen netten Tricks benutzerfreundlicher gemacht. Zu den angenehmsten davon zählt die automatische Befehlsergänzung oder neuhochdeutsch Auto-Completion: Beim Tippen auf der Kommandozeile können Sie mit einem Druck auf die Tabulatortaste die Shell anweisen, das Getippte zu ergänzen. Möchten Sie sich beispielsweise den Inhalt des Unterverzeichnisses Donaudampfschifffahrtsgesellschaft ansehen, schreiben Sie auf der Kommandozeile lediglich ls Don und drücken dann [Tab].

Die Shell ergänzt nun den Verzeichnisnamen automatisch, sodass Sie nur noch die Eingabetaste betätigen müssen, um das Gewünschte einzusehen. Was aber, wenn es ein zweites Unterverzeichnis gibt, dessen Namen ebenfalls mit Don beginnt? Dann bewirkt ein Druck auf die Tabulatortaste erst einmal nichts. Ein zweites [Tab] veranlasst die Shell dann aber, alle Verzeichnisnamen auszugeben, die mit Don beginnen. So können Sie dann das richtige aussuchen.

Eine weitere Nettigkeit der Shell stellt ihr Kommandopuffer da, die sogenannte History. In ihr blättern Sie mit den Cursortasten aufwärts und abwärts durch die bislang eingegebenen Befehle, bis Sie den gewünschten vor sich haben. In diesem bewegen Sie sich dann bei Bedarf mit [Cursor-rechts] und [Cursor-links] hin und her, löschen Überflüssiges mit [Entf] oder der Rücktaste und ergänzen oder überschreiben beliebige Parameter. Passt alles, drücken Sie die Eingabetaste.

In den Terminalemulationen grafische Benutzeroberflächen können Sie auch mit der Maus einen Teil des Textes im Fenster auswählen, indem Sie ihn anklicken und dann die Maus ziehen. Mit einem Druck auf die mittlere Maustaste (beziehungsweise das Mausrad) fügen Sie das Kopierte dann an anderer Stelle im Fenster wieder ein. Das erweist sich besonders für lange Datei- oder Pfadnamen als sehr praktisch.

Ein Spaziergang

Aufgrund des hohen Strukturierungsgrads des Linux-Dateisystems fällt das Navigieren darin oft auf der Kommandozeile sogar komfortabler aus als in einem grafischen Dateimanager. Öffnen Sie ein Terminalfenster, landen Sie typischerweise in Ihrem Home-Verzeichnis – auf dem RasPi also in der Regel in /home/pi.

Hier geben Sie nun erst einmal ls an, um sich den Inhalt anzusehen. Um in ein anderes Verzeichnis zu gelangen, verwenden Sie das Kommando cd (“change directory”). Diesem nennen Sie als Parameter das gewünschte Zielverzeichnis:

$ cd /home/pi/Dokumente

Ein Punkt im Pfad symbolisiert das aktuelle Verzeichnis. Um aus Ihrem Home in dessen Unterordner Musik zu wechseln, könnten Sie beispielsweise Folgendes tippen:

$ cd ./Music

Zwei Punkte dagegen weisen die Shell an, im Verzeichnisbaum in die nächsthöhere Ebene zu wechseln. Um aus Musik wieder zurück in Ihr Home zu gelangen, schreiben Sie also:

$ cd ..

Auf vielen Systemen steht die Tilde (~) für das Home-Verzeichnis des aktuell angemeldeten Benutzers. Von jedem Ort des Dateisystems kehren Sie also mit folgendem Kommando wieder in ihr Home zurück:

$ cd ~

Haben Sie sich im Dateisystem “verlaufen” und wissen nicht mehr genau, in welchem Verzeichnis Sie sich gerade aufhalten, tippen Sie einfach pwd (“print working directory”). Die Shell gibt daraufhin den Namen das aktuellen Verzeichnisses aus. Neue Verzeichnisse legen Sie mit mkdir (“make directory”) an:

$ mkdir /home/pi/Musik/Beatles

Auch das rekursive Erstellen eines ganzen Verzeichnisbaums beherrscht mkdir, Sie müssen dazu nur den Parameter -p mit angeben:

$ mkdir -p Musik/Beatles/Help

Dieses Kommando erstellt nacheinander die Verzeichnisse Musik, Musik/Beatles und schließlich Musik/Beatles/Help.

Der Befehl cp lässt Sie Dateien und Verzeichnisse kopieren, seine allgemeine Syntax folgt dem Schema cp QuelleZiel. Dabei sucht cp die Quelle, sofern Sie keinen Pfad angeben, im aktuellen Verzeichnis. Ganz ähnlich arbeitet der Verschiebe-Befehl mv. Sie können beiden Befehlen jedoch auch Pfadangaben für Quelle und Ziel mit auf den Weg geben. Dafür benötigen Sie freilich ausreichende Rechte in den jeweiligen Verzeichnissen.

Das Kommando mv verschiebt Dateien oder komplette Verzeichnisse. So verschiebt der Befehl mv datei dir/ das angegebene File ins Unterverzeichnis dir/ des aktuellen Verzeichnisses. Bewegen Sie das Ziel nicht, benennt mv die Quelle um. So ändert mv datei1 datei2 den Namen der Datei datei1 in datei2

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