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Aus Raspberry Pi Geek 05/2013

Eben Upton und die Raspberry Pi Foundation (Seite 2)

Höhen und Tiefen

Für die Raspberry Pi Foundation war 2012 ein Jahr voller Höhen und Tiefen. Neben dem Gerangel um die GPU zehrte es auch an den Nerven, das “wir Tag und Nacht ranklotzen mussten, um die Boards rauszubringen. Das war schon taff.”, resümiert Upton. “Und es war ein gefundenes Fressen für die Presse. Einige glaubten wohl, dass wir es nie schaffen würden, aber jetzt sind wir durch: Du kannst heute einen RasPi bestellen, und morgen kriegst du ihn schon geliefert.”

Upton ist aber deutlich anzumerken, dass für ihn die Highlights des Projekts alle Probleme auf dem Weg bei weitem aufwiegen: “Mir gefällt es, was die Anwender alles mit dem Raspberry anstellen, besonders hardwareseitig. Ich selbst komme ja von der Programmiererseite, deswegen hatte ich eher all die freie Software im Sinn, die man für den Pi schreiben könnte. Aber schau dir bloß an, was die Leute mit der Hardware machen – etwa, sie unter einem Ballon 40 Kilometer hoch in die Luft schicken, um aus der Stratosphäre Fotos zu knipsen. Das fand ich echt geil, ich bin selbst Weltraum-Fan.”

Doch die größte Befriedigung zieht Upton aus einer ganz bestimmten Art von E-Mails, die ihn von Zeit zu Zeit erreicht: Die von Ingenieurskollegen, die lange vergeblich versucht haben, ihre Kinder für Technik zu begeistern. “Da steht dann: ‘Ich hab mir einen Pi besorgt, und jetzt programmieren meine Kinder begeistert zusammen mit mir.’ Diese E-Mails wiegen für mich alle Schwierigkeiten mit dem Projekt wieder auf”, freut sich Upton – nicht zuletzt deshalb, weil der Raspberry offenbar zumindest hier dem Zweck dient, für den er von Anfang an konzipiert war.

Wenn es etwas am Raspberry-Pi-Projekt gibt, das Upton bedauert, dann nur eines: “Wir hatten Schwierigkeiten, uns auf das gesteckte Bildungsziel zu konzentrieren, weil die operationelle Seite des Projekts so schnell gewachsen ist. Obwohl wir überhaupt nur deswegen angetreten sind, mussten wir damit zurückstecken und erstmal Boards aus der Tür bringen.”, ärgert sich Upton. Die aus der FOSS-Szene stammenden Anwender haben ohnehin inzwischen eine praktisch autarke Subkultur auf die Beine gestellt. Daher arbeitet Upton daran, nun die Foundation wieder auf ihren ursprünglichen Kurs zu bringen, nachdem die Produktion inzwischen einigermaßen die Nachfrage deckt und die Foundation explizit für den Bildungssektor einige neue Mitarbeiter anstellen konnte.

Fazit

“Ich selbst habe massiv von mehr oder minder freien Soft- und Hardware-Plattformen profitiert.”, begründet Upton sein Engagement. “Es macht wirklich Spaß, zu versuchen, einer neuen Generation zu den gleichen Erfahrungen zu verhelfen. Ansonsten enden wir möglicherweise bei rundum geschlossenen Plattformen und die Software-Entwicklung geht dann unweigerlich den Bach runter.”

Tatsächlich handelt es sich bei den meisten Mitgliedern der Raspberry Pi Foundation um gesetzte Herren in den Vierziger und Fünfzigern, die über Jahrzehnte Erfahrung in der IT verfügen. Man könnte die Foundation auch als ihren kollektiven Versuch betrachten, ein bleibendes Erbe in der Computerindustrie zu hinterlassen. Falls dem so ist, steuern sie zumindest bislang ihr Ziel ziemlich zielstrebig an. 

Glossar

SoC

System on Chip. Baustein, der alle oder zumindest einen Großteil der Funktionen eines Computers in einem Chip implementiert.

GPU

Graphics Processing Unit. Der Grafikprozessor zur Berechnung der Bildschirmausgabe. Auf PCs sitzt er in der Regel als eigener Baustein auf dem Motherboard oder einer Steckkarte. Bei einem SoC ist er im Systemchip integriert, man spricht dann auch von einer APU (Accelerated Processing Unit).

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