Aus Raspberry Pi Geek 05/2013

Distributionen für den Raspberry Pi im Überblick (Seite 3)

Android

Viele Android-Fans würden gerne ihr Smartphone-Betriebssystem auch auf dem Raspberry Pi nutzen. Hängt der Minirechner am Fernseher, ergibt das auch Sinn: So finden die Lieblingsspiele aus dem Play-Store und diverse TV-Streaming-Apps einen bequemen Weg ins heimische Wohnzimmer. Tatsächlich gibt auch es ein von der Community portiertes SD-Card-Image [15] mit CyanogenMod 7.2 / Android 2.3 – doch das erweist sich in der Praxis als unbenutzbar langsam, da jegliche Hardware-Beschleunigung fehlt.

Die Raspberry Pi Foundation misst einem Android-Port nur niedrige Priorität zu, da sie ihre begrenzten Entwicklerkapazitäten lieber auf die Bildungsarbeit mit dem RasPi konzentriert. So liegt ein alternativer Android-Port der Foundation seit längerem auf Eis. In naher Zukunft sollten Raspberry-Pi-Fans also nicht mit einem brauchbaren Android-Image des Smartphone-Betriebssystems rechnen.

Sonderfall AROS

AROS [12] basiert auf dem Betriebssystem des Commodore Amiga und ist zu dessen APIs kompatibel. Man kann also theoretisch ein Programm, das für die alte Amiga-Workbench geschrieben wurde und das nicht direkt auf die Hardware zugreift, für AROS neu übersetzen. Seine Ursprünge hat das Open-Source-Projekt in der Zeit Mitte der Neunziger Jahre, als nach der Commodore-Pleite Fans des Homecomputers ihr gewohntes Betriebssystem für PCs mit x86-Prozessoren nachprogrammierten. Später portierten sie den Code dann auch für verschiedenste andere Prozessoren.

Derzeit lässt sich die native RasPi-Umsetzung allerdings noch nicht benutzen, da manche Hardware-Treiber erst noch neu entwickelt werden müssen. Dafür existiert eine sogenannte Linux-hosted-Variante: Hier booten Sie zuerst irgendein Linux (etwa Raspbian). Dann laden Sie den Binary-Nightly-Build [13] für ARM-Prozessoren herunter und führen aus diesem Archiv AROSBootstrap aus. Das nun startende AROS (Abbildung 6) nutzt für den Hardware-Zugriff auf den RasPi die Linux-Treiber. Momentan wirkt hier vieles noch unfertig, doch AROS verspricht bereits, sich zu einer nette Spielerei für Pi-Besitzer zu mausern, die früher einmal einen Amiga besaßen.

Abbildung 6: AROS bringt Amiga-Feeling auf den Raspberry Pi.

Abbildung 6: AROS bringt Amiga-Feeling auf den Raspberry Pi.

Fazit

Nun bleibt Ihnen die Qual der Wahl. Für den ersten Einstieg sollten Sie im Zweifelsfall auf Raspbian setzen. Später können Sie immer noch die ein oder andere Alternative auf SD-Karte bannen, um einen persönlichen Vergleich anzustellen. Im Netz finden sich neben den oben genannten Vertretern noch zahlreiche weitere RasPi-Distributionen, davon einige für ganz spezielle Einsatzzwecke. In diese Riege gehören beispielsweise PiPoint [16], das den Minirechner in einen WiFi-Access-Point verwandelt, oder IPFire [17], mit dem Sie aus dem Pi einen Router bauen. 

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