RaspBMC [10] kommt ebenfalls häufig zum Einsatz. Diese Distribution entstand ursprünglich aus einem abgewandelten Raspbian (ein Debian-Derivat), hat sich jedoch inzwischen stark weiterentwickelt. Das Dateisystem lässt sich zwar hier beschreiben. Trotzdem sollten Sie nicht anfangen, ungehemmt Dutzende Programme aus den Raspbian-Paketquellen nachzuinstallieren: Laufen zu viele Services auf dem kleinen Medienserver, steigt sonst die Systemlast recht schnell an. Für das Installieren von RaspBMC gibt es ein ein Python-Skript [11], welches das Image herunterlädt und auf eine SD-Karte ausgibt.
Als Dritter im Bunde fungiert Xbian [12], das hauptsächlich dadurch auffällt, dass es anders als die anderen beiden Lösungen über keine Auto-Update-Funktion verfügt. Sie installieren das Image nach dem Herunterladen händisch via dd – falls sich die SD-Karte also etwa unter /dev/sdb befindet, mit dem Kommando
$ sudo dd if=xbian.img of=/dev/sdb
Insgesamt fallen die Unterschiede zwischen den drei Distributionen eher marginal aus. Kein Wunder: Die oberhalb des Betriebssystems verwendete Mediacenter-Software XBMC ist schließlich in allen Fällen fast dieselbe. Betrachtet man die kleinen Unterschiede genau, lässt sich sagen, dass RaspBMC tendenziell benutzerfreundlicher und OpenELEC tendenziell schneller ist als Xbian.
Wollen Sie Videos im MPEG2- oder VC1-Format (bei manchen Blu-Ray-Disks) abspielen, müssen Sie die Codecs hierfür nachträglich über die Raspberry Pi Foundation erwerben: Aus Kostengründen werden diese Codecs nicht automatisch für jeden ausgelieferten Raspberry Pi lizenziert. Hierfür rufen Sie zunächst auf der Konsole des Kleinrechners die Seriennummer des Geräts ab:
$ cat /proc/cpuinfo | grep Serial
Mit dieser und der Zahlung von je 4,50 Euro erhalten Sie die Codec-Lizenzen für MPEG2 [13] und VC1 [14] in Form von Seriennummern. Bei Xbian und OpenELEC tragen Sie die Letzteren in der Datei /boot/config.txt als decode_MPG2=0x12345678 respektive decode_WVC1=0x12345678 ein, wobei Sie natürlich jeweils die nach dem Bestellvorgang erhaltenen Serials einsetzen. Bei RaspBMC läuft der Vorgang anders ab: Diese Distribution ignoriert einfach die Standard-Konfigurationsdatei config.txt. Hier geben Sie die Seriennummern komfortabel innerhalb der XBMC-Oberfläche in einem Einstellungsdialog an.
Als nächstes sollten Sie sich die Addons von XBMC anschauen – eine der großen Stärken dieses Mediacenters. Dabei handelt es sich (meistens) um Python-Skripte, die vielerlei Erweiterungen ermöglichen – etwa den Zugriff auf Youtube oder die Mediatheken von Fernsehsendern, aber auch das Browsen in Internet-Foren mittels Fernbedienung oder das Spielen von Konsolen-Emulatoren. Für solche Erweiterungen stellt XBMC ein eigenes Paketquellen-System bereit.
Haben Sie selbst ein neues Addon geschrieben, können Sie es bei der “offiziellen” XBMC-Paketquelle zur Veröffentlichung einreichen – anschließend hat weltweit jeder XBMC-Anwender die Möglichkeit, die neue Erweiterung mit wenigen Klicks zu installieren. Aber auch dort nicht verzeichnete Addons lassen sich nutzen – diese beziehen Sie in der Regel als Zip-Datei direkt von der Homepage des Programmierers.
Medienserver
Auch wenn die Cloud-Anbietern uns gerne glauben machen wollen, dass inzwischen alles aus dem Netz kommt – nach wie vor dient typischerweise die eigene Festplatte als verlässlichste Medienquelle. Welche Lösungsmöglichkeiten bieten sich nun an, um dem heimischen Medienserver Zugriff auf einen solchen Massenspeicher zu gestatten?
Den meisten Anwendern dürfte hier die Idee kommen, eine externe Festplatte direkt an den Raspberry Pi anzuschließen. Das funktioniert zwar, stellt jedoch nicht das Nonplusultra im Spektrum der Möglichkeiten dar. Komfortabel wäre schließlich, wenn nicht nur das Mediacenter Zugriff auf den Massenspeicher mit der eigenen Film- und Musiksammlung hätte, sondern alle im heimischen LAN eingebuchten Geräte.
Direkt auf dem Raspberry Pi eine Server-Software laufen zu lassen, welche die angeschlossene externe Festplatte im LAN zur Verfügung stellt, ist jedoch eher nicht ratsam: Aufgrund der relativ schwachen CPU kann es beim Abspielen eines Films schnell zu einer Systemüberlastung kommen, wenn im Hintergrund gleichzeitig aktive Datentransfers zu mehreren Clients stattfinden. Eine sauberere und mit weitaus alltagstauglichere Lösung besteht darin, das Gerät im Wohnzimmer und den Massenspeicher physisch voneinander zu trennen – etwa durch ein im LAN vorhandenes NAS.
Nun sind handelsübliche NAS zum einen nicht eben preisgünstig, zum anderen erweisen sie sich als wenig flexibel: Es gilt mit den Protokollen zu leben, die der Hersteller von Haus aus implementiert hat. Als billige und flexible Alternative bietet es sich an, einen zweiten Raspberry Pi als Eigenbau-NAS zu nutzen. Als Distribution für das selbstgebaute NAS kann beispielsweise eine Minimal-Installation von Raspbian [15] dienen.
Falls im Netzwerk nicht das Raspberry-Mediacenter auf das NAS zugreift, sondern auch der ein oder andere Windows-Client, besteht die einfachste Vorgehensweise darin, das Samba-Protokoll zu verwenden. Dessen Performance lässt allerdings ausgerechnet bei breitbandigen Übertragungen, wie sie gerade bei Videodateien vorkommen, deutlich zu wünschen übrig. Besser fahren Sie hier mit NFS oder WebDAV. Haben Sie also auf dem NAS-Raspberry eine Server-Software wie Mediatomb installiert, um die Ordner der externen Festplatte freizugeben, kann der Mediacenter-Raspberry ohne Probleme auf die geteilten Daten zugreifen – XBMC beherrscht UPnP.
Damit durch die rund um die Uhr laufende NAS-Festplatte keine hohen Stromkosten entstehen, sollten Sie dieser einen Spindown verordnen, wenn mehrere Minuten am Stück niemand auf die Daten zugreift. Dafür installieren Sie das Paket hdparm auf dem NAS-Pi. Um die Festplatte unter /dev/sdanach einer Minute Inaktivität automatisch einzuschläfern, fügen Sie der Datei /etc/hdparm.conf folgende Zeile hinzu:
sudo hdparm -S 12 /dev/sda
Optische Scheiben kommen zwar langsam aus der Mode, aber dennoch hat der ein oder andere noch einige Filme in Form von Silberlingen zu Hause. Bei DVDs stellt das kein Problem dar – die spielt XBMC klaglos ab, vorausgesetzt, am Raspberry Pi hängt ein externes USB-DVD-Laufwerk. Bei Blu-ray-Disks sieht es jedoch eher düster aus – auf Grund eines rigiden DRM-Schutzes lassen sich verschlüsselte Scheiben derzeit nicht abspielen.
Des Kaisers neue Kleider
Die Oberfläche von XBMC lässt sich anpassen und auf Wunsch stark verändern. Alle drei für den Raspberry Pi erhältlichen Distributionen nutzen als Vorgabe den Standard-Skin von XBMC, “Confluence” (Abbildung 2). Via XML-Datei wird für einen solchen Skin festgelegt, wie die Menüstruktur aussieht und welche Bilder, Schriftarten und Grafiken der Benutzer zu Gesicht bekommt.






