Aus Raspberry Pi Geek 06/2015

Die OpenELEC Box auf Basis des WeTek Play im Test

© Computec Media GmbH

Kodi in der Kiste

Christoph Langner

Der Raspberry Pi 2 eignet sich hervorragend als kleines Mediacenter, das Einrichten der Hard- und Software erfordert allerdings Zeit und einiges Know-how. Die OpenELEC Box dagegen verspricht als einschaltfertiges Flaggschiff der gleichnamigen Mediacenter-Distribution das ultimative TV-Vergnügen.

Ein Raspberry Pi eignet sich hervorragend als kleines Mediacenter: Er verbraucht kaum Energie, sodass er ohne Probleme hinter dem TV-Gerät durchlaufen darf. Es gibt zahlreiche Mediacenter-Distributionen wie OSMC [1] oder OpenELEC [2], die Kodi perfekt auf die knappen Ressourcen des RasPi abstimmen. Dank CEC-Unterstützung können Sie die Kodi-Software bequem über die TV-Fernbedienung eines CEC-kompatiblen Fernsehers steuern. Mit einem geeigneten DVB-Adapter integrieren Sie gar digitales Live-TV mit Timeshift- und Aufnahme-Funktion in das Mediacenter.

Besonders RasPi-Einsteiger sollten allerdings den damit verbundenen Aufwand nicht unterschätzen. OpenELEC auf eine Speicherkarte zu bannen und in den RasPi zu schieben dürfte noch niemanden überfordern. Doch Kodi mit einem kompatiblen DVB-Adapter aufzurüsten scheitert eventuell schon an der Suche nach dem entsprechenden Zubehör. Daher dürfte es viele Mediacenter-Fans gefreut haben, dass OpenELEC zusammen mit dem slowenischen Unternehmen WeTek [3], das üblicherweise Mediacenter-Boxen mit Android vertreibt, ein OpenELEC-Flagship-Device vertreibt.

OpenELEC Box

Die OpenELEC Box [4] basiert auf dem WeTek Play [5]. WeTek liefert das Gerät (Abbildung 1) üblicherweise mit einem Android-System aus, auf dem sich theoretisch auch Kodi in der Android-Variante installieren ließe. Wer das ganze Drumherum aus Play Store, Gmail und Google+ allerdings nicht benötigt, der findet in der OpenELEC Box eine Alternative, die wie beim Raspberry Pi auf einem Linux-Kernel aufbaut. Als Flagship-Device möchte OpenELEC die Box regelmäßig mit Updates ausstatten und dafür sorgen, dass auch zukünftige Versionen von OpenELEC gut auf der Box funktionieren.

Abbildung 1: Die OpenELEC Box basiert auf dem WeTek Play. OpenELEC installiert auf der Box seine Mediacenter-Distribution und tauscht die Fernbedienung gegen eine auf Kodi abgestimmte Variante aus.

Abbildung 1: Die OpenELEC Box basiert auf dem WeTek Play. OpenELEC installiert auf der Box seine Mediacenter-Distribution und tauscht die Fernbedienung gegen eine auf Kodi abgestimmte Variante aus.

Im von OpenELEC betriebenen Online-Shop kostet die OpenELEC Box inklusive Versand in alle europäischen Länder 99 Euro. Das Paket umfasst das Gerät selbst, ein Netzteil mit 1500 mAh und US-Stecker mitsamt Adapter für Deutschland, eine Fernbedienung sowie ein HDMI-Kabel und ein serielles Diagnosekabel. Zur Inbetriebnahme fehlen lediglich zwei der für Fernbedienungen typischen Microzellen. Beim Kauf haben Sie die Wahl zwischen einer Variante mit Tuner für DVB-C/T/T2 und analoges Kabelfernsehen und einer für digitales Satellitenfernsehen mit DVB-S2-Tuner. Die Tuner lassen sich bei Bedarf über ein Steckmodul austauschen, sodass sich die Box beispielsweise von DVB-C auf DVB-S (oder umgekehrt) umrüsten ließe.

Im direkten Preisvergleich liegt die OpenELEC Box etwa auf dem Niveau eines Raspberry-Pi-Mediacenters mit allem nötigen Zubehör (siehe Tabelle “Einkaufsliste”). Soll das Mediacenter auch TV mitsamt Timeshift und Videorekorder beherrschen, dann benötigen Sie für den RasPi zusätzlich noch einen geeigneten TV-Dongle, wie etwa den Sundtek MediaTV Pro III (unser Schwestermagazin LinuxUser testet den Stick in Ausgabe 11/2015) für knapp 90 Euro [7]. Somit käme das komplette Raspberry-Pi-Mediacenter deutlich teurer. Da auf beiden Geräten OpenELEC läuft, gilt es also, genau abzuwägen, welche Investition sich eher lohnt.

Einkaufsliste

 

RasPi-Mediacenter

OpenELEC Box

Hauptkomponente

Raspberry Pi 2

42 Euro

OpenELEC Box

 

99 Euro

Zubehör

Gehäuse

11 Euro

integriert

WLAN-Adapter

10 Euro

integriert

Bluetooth 4.0

8 Euro

integriert

Netzteil, 2 A

10 Euro

im Lieferumfang

Speicher, 8 GByte

7 Euro

integriert (4 GByte)

HDMI-Kabel

5 Euro

im Lieferumfang

DVB-C-Adapter1

89 Euro

integriert

Fernbedienung2

(15 Euro)

im Lieferumfang

Endpreis

ohne TV-Dongle

93 Euro

mit TV-Dongle

182 Euro

99 Euro

Straßenpreise, Stand Ende August 2015

1Sundtek MediaTV Pro III

2mit CEC-kompatiblem TV-Gerät nicht nötig

Ausgepackt

Anders als beim Raspberry Pi 2 arbeitet in der OpenELEC Box nur ein Dual-Core-Prozessor. Dafür taktet dieser mit 1,5 GHz im Vergleich zur CPU des RasPi 2 mit 900 MHz deutlich höher. Der Arbeitsspeicher beträgt bei beiden Geräten 1 GByte. Bei der GPU greift WeTek zur einer klassischen Android-Lösung, der Mali MP400 von Allwinner. Dank der Sunxi-Community gibt es für diese in den SoC integrierte GPU jedoch Linux-taugliche Treiber [8]. Wi-Fi, Bluetooth, Infrarot und ein digitaler Audioausgang bringt die OpenELEC Box von Haus aus mit, diese Funktionen müssten Sie beim Raspberry Pi bei Bedarf mit zusätzlichen Adaptern nachrüsten (siehe Tabelle “OpenELEC Box im Vergleich”).

OpenELEC Box im Vergleich

 

Raspberry Pi 2

OpenELEC Box

Prozessor

Broadcom BCM2836

AMLogic AML-8726 MX

CPU-Daten

900 MHz, Quad-Core

1,5 GHz, Dual-Core

Grafikchip

Broadcom VideoCore IV

Mali MP400

Speicher

1 GByte RAM, kein interner Speicher

1 GByte RAM, 4 GByte intern

Ethernet

10/100 Mbit

10/100 Mbit

WLAN

nicht vorhanden1

802.11 b/g/n

Bluetooth

nicht vorhanden1

4.0

Tuner

nicht vorhanden

1 x DVB-C/T/T2/Analog oder 1 x DVB-S2

USB

4 x USB 2.0 (über einen internen USB-Hub)

5 x USB 2.0 (3 extern, 2 intern)

Micro-SD

1 x SDHC

1 x SDHC

HDMI

vorhanden (CEC)

vorhanden (nicht CEC-fähig)

SPDIF

nicht vorhanden2

vorhanden

Infrarot

nicht vorhanden1

vorhanden

1 via USB nachrüstbar, 2 via HAT wie beispielsweise HiFiBerry Digi [6] nachrüstbar

In der Praxis ergibt sich trotz der unterschiedlichen Hardware-Basis kaum ein Geschwindigkeitsunterschied zwischen einem mit OpenELEC ausgestatteten Raspberry Pi 2 und der OpenELEC Box. Letztere reagiert unverzüglich auf Eingaben, Menüs bauen sich zügig auf. Filme in Full HD spielen sowohl der RasPi 2 als auch die OpenELEC Box ohne Ruckeln ab. Die Fernbedienung arbeitet mit Funk, sodass die Box ruhig hinter einer Klappe oder dem Fernseher verschwinden darf. Drücken Sie auf der Fernbedienung auf die mit einem Maus-Icon versehene Taste auf dem äußeren Steuerring, dann geht die Steuerung in den Air-Mouse-Modus über: So lässt sich Kodi dann mit einem Mauscursor aus dem Handgelenk steuern. Im Gegensatz zum Raspberry erkennt die OpenELEC Box jedoch nicht die von vielen TV-Geräten über das HDMI-Kabel übermittelten CEC-Signale. So müssen Sie die Box zwangsläufig mit der mitgelieferten “Macht” steuern – wieder ein Trumm mehr auf dem Couchtisch.

An Strom, den Fernseher und das Netzwerk angeschlossen, bootet unser Testgerät direkt in den Installationsassistenten von OpenELEC, indem Sie dem Gerät einen Namen geben, die Netzwerkverbindung einrichten (Ethernet oder WLAN) und Netzwerkdienste wie SSH oder Samba aktivieren. Die Option, die Sprache auszuwählen, fehlt OpenELEC im Vergleich zum RasPi. Dies müssen Sie nach dem Ende des Assistenten unter System | Appearance | International | Language nachholen. Wählen Sie hier German als Sprache aus. Anschließend stellen Sie unter Sprache & Region die Region auf Deutschland um und wählen unter Tastaturbelegungen den Punkt Englisch QWERTY als Eingabesprache ab und German QWERTZ an. Zu guter Letzt stellen Sie unter Zeitzonen-Region noch Germany ein, dann geht die Uhr automatisch richtig.

Anschließend sollten Sie weiter die Grundeinstellungen anpassen. So präsentiert OpenELEC die Kodi-Oberfläche selbst auf einem Full-HD-Gerät nur mit 720p. Unter Optionen | System | Video-Hardware | Auflösung gehen Sie bis auf 1920x1080p hoch – an der Oberfläche und der Ausgabe von Videos ändert sich dadurch jedoch nichts. Anschließend steht dringend ein Update der Software an: Unser Testgerät erreichte uns mit OpenELEC 5.1.0 und Kodi 14.2. Damit war es uns nicht möglich, der Box ein TV-Bild zu entlocken – dazu später mehr. Stellen Sie daher unter Optionen | OpenELEC | System | Automatische Aktualisierungen die Update-Routine auf Auto um und weisen Sie anschließend OpenELEC mit Jetzt nach Aktualisierungen suchen an, aktiv nach anstehenden Updates zu suchen. Nach zwei Neustarts empfängt Sie dann ein aktuelles OpenELEC, zum Testzeitpunkt Ende August war das OpenELEC 5.95.4 mit Kodi 15.1.

In der Praxis

Das OpenELEC auf der OpenELEC Box entspricht – wenig überraschend – einem Standard-OpenELEC, wie Sie es vor sich haben, wenn Sie OpenELEC auf einem RasPi installieren (Abbildung 2). Zur Inbetriebnahme sollten Sie eine externe Festplatte anschließen oder einen NAS-Speicher als Quelle für Filme, Serien, Bilder oder Musik einbinden. Die USB-Ports der Box liefern genug Strom, um eine externe 2,5-Zoll-Festplatte ohne eigenes Netzteil anzutreiben. Der interne Speicher von 4 GByte bietet nur etwa 2,6 GByte Platz für eigene Daten. Nach einem Scan nimmt Kodi die gefundenen Mediadateien in seine Datenbank auf, sodass Sie sofort einen ersten Film abspielen können. Etwas überraschend fehlt im Hauptmenü von Kodi der Punkt TV, obwohl die Box doch je nach Modell einen Tuner für Kabel-, Antennen- oder Satellitenfernsehen mitbringt.

Abbildung 2: Als Flagship-Device kommt die OpenELEC Box selbstverständlich mit einem unveränderten OpenELEC-System.

Abbildung 2: Als Flagship-Device kommt die OpenELEC Box selbstverständlich mit einem unveränderten OpenELEC-System.

Für die TV-Funktion gilt es, die entsprechenden Addons zu installieren und einzurichten. Da es zur OpenELEC Box keine Bedienungsanleitung gibt, müssen Sie die dafür nötigen Schritte selbst herausfinden. Im Lieferumfang findet sich nicht einmal ein kleiner Fresszettel mit einem Link zu einer Online-Anleitung – für Kodi-Einsteiger mit Sicherheit eine sehr hohe Hürde. Bevor Sie die TV-Funktion einrichten, sollten Sie sichergehen, dass die Software der OpenELEC Box auf dem aktuellen Stand ist (mindestens OpenELEC 5.95.4). Im Auslieferungszustand konnten wir unser Testgerät nicht davon überzeugen, den TV-Tuner (in unserem Fall die Variante mit DVB-C und DVB-T/T2) in Betrieb zu nehmen. Erst das Update liefert die dazu nötige Software in ausreichender Qualität nach.

Raspberry Pi Geek Spezial

Kodi ist zwar “nur” eine Mediacenter-Software, doch der Einstieg bringt einige Hürden mit sich. Mit unserem Sonderheft Raspberry Pi Geek Spezial [10] widmen wir dem Thema daher ein komplettes Heft. Es beschreibt von der Installation von OpenELEC über das Einrichten der wichtigsten Addons und Themes bis hin zu Android-Apps zum Steuern des Mediacenters alles, was Sie zu OpenELEC und Kodi wissen müssen.

Aufgrund der Update-Pflicht sollten Sie im ersten Schritt kontrollieren, dass die nötigen Addons installiert und aktiviert sind. Öffnen Sie dazu unter Optionen | Addons | Benutzer-Addons jeweils in Dienste | VDR PVR Backend und PVR-Clients | VDR VNSI Client die Einstellungen und aktivieren Sie die beiden Addons gegebenenfalls (Abbildung 3). In der Konfiguration des VDR PVR Backend sollten Sie zudem noch im Reiter DVB den Punkt Wait for frontend initialization aktivieren. Anschließen schalten Sie unter Optionen | TV | Allgemein die TV-Funktion von Kodi scharf und öffnen im Reiter Clientspezifisch die Clientspezifischen Einstellungen. Hier erwartet Sie unter VDR OSD ein On-Screen-Menü, dessen Optik stark an das LCARS-Terminal aus “Star Trek: The Next Generation” erinnert (Abbildung 4).

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