Aus Raspberry Pi Geek 02/2021

Ender 5 Pro – 3D-Drucker aufbauen und in Betrieb nehmen

© Luchschen, 123RF

Druck machen

Oliver Nickel

Einfach auspacken und loslegen: Das ist beim Hobby 3D-Druck anfangs nicht drin. Der Weg vom Aufbau über Kalibrierung und Einrichtung bis zum ersten Druck ist ein Abenteuer.

Ob Deko-Elemente für ein neues Case-Modding-Projekt, Bäume und Türen für noch spaßigere Gloomhaven-Partien, Gehäuse für den Raspberry Pi oder selbstentwickelte Zahnräder für skurrile Apparate: 3D-Drucker machen solche Vorhaben wesentlich einfacher – dachte ich mir. Daher hatte ich schon lange mit mir über den Kauf eines Druckers gerungen und Argumente abgewägt: Brauche ich das wirklich? Ist das nicht viel Arbeit? Kann ich das Geld eventuell besser anlegen?

Am Ende wurde ich einmal mehr schwach, nachdem der chinesische Hersteller Creality3D den Ender 5 Pro [1] für 350 Euro anbot. Zwei Wochen später kam das Paket bei mir zu Hause an. Nach dem Auspacken fiel bereits eine erste Hürde in meinem Kopf: Den Selbstaufbau hätte ich mir komplizierter vorgestellt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Zusammenbau des Ender 5 Pro geht vergleichsweise schnell von der Hand. (Bild: Oliver Nickel)

Abbildung 1: Der Zusammenbau des Ender 5 Pro geht vergleichsweise schnell von der Hand. (Bild: Oliver Nickel)

Erfolgserlebnis Aufbau

Der 3D-Drucker kommt mit einigen bereits vormontierten Teilen an. Man muss weder das Druckbett selbst zusammenbauen noch den Extruder oder den Microcontroller samt Display. Eine recht gut verständliche Bauanleitung und das passende Werkzeug für die Schraubarbeiten sind ebenfalls inbegriffen, alles verpackt zwischen weichen Schaumstoffpolstern.

Als Erstes gilt es, diverse Aluminiumstangen zusammenzustecken und die bereits markierten Steckverbinder für die Achsmotoren, die Abstandstaster, das Mainboard und andere Teile zusammenzufügen. Falsch machen kann man hier eigentlich nichts. Allerdings sieht der finale Bau eventuell noch etwas improvisiert aus, wenn man sich wie ich zunächst keine Gedanken über die Kabelführung macht. So hing bei mir zum Beispiel das zur Düse führende Flachbandkabel lose in der Luft (Abbildung 2). Immerhin funktionierte nach einem ersten kurzen Test alles.

Abbildung 2: Die Kabelführung des Ender 5 Pro birgt noch Verbesserungspotenzial. (Bild: Oliver Nickel)

Abbildung 2: Die Kabelführung des Ender 5 Pro birgt noch Verbesserungspotenzial. (Bild: Oliver Nickel)

Mühseliges Kalibrieren

Doch nach dem Aufbauen einfach loszulegen, klappt nicht. Es braucht viel Vorbereitung, um gute Druckergebnisse zu erzielen. Zunächst einmal steht eine Kalibrierung des Druckbetts an.

Der Ender 5 Pro hat keine automatisierte Funktion, die das erledigt. Stattdessen schiebt man den Druckkopf vorsichtig per Hand in die vier Ecken des Druckbetts. Mit den vier großen Einstellschrauben darunter lassen sich Neigung und Höhe einstellen (Abbildung 3). Die Kalibrierung ist abgeschlossen, wenn in allen vier Ecken ein Blatt Papier eben so zwischen das Druckbett und die Druckdüse passt.

Abbildung 3: Die Kalibrierung des Druckbetts gestaltet sich mühselig. (Bild: Oliver Nickel)

Abbildung 3: Die Kalibrierung des Druckbetts gestaltet sich mühselig. (Bild: Oliver Nickel)

Dass der Ender 5 selbst in der Pro-Version keine automatische Kalibrierungsfunktion bietet, gestaltet den Prozess für den Anwender etwas frustrierend. In meinem Fall musste ich zunächst allerdings ein anderes Problem lösen, das weniger offensichtlich erschien: Aus der Düse kam nicht einmal Filament heraus, und der Steppermotor, der das PLA durch eine Röhre in den Extruder schieben soll, blockierte.

Zuerst vermutete ich eine fehlerhafte Verkabelung des Motors, sodass sich dieser in die falsche Richtung drehte. Ich vertauschte also die Kabel am Anschluss, was die Rotationsrichtung des Motors wie erwartet umkehrte. Übrigens scheint das bei 3D-Druckern tatsächlich ein nicht gerade seltenes Problem zu sein.

Beim Ender 5 Pro lässt sich die Rotationsrichtung auch per Firmware-Update und Ändern eines Werts in der Konfigurationsdatei einstellen. Das erfordert allerdings einen Arduino Uno, der den Bootloader für das Flashen der auf Marlin [2] basierenden Software per USB-Verbindung bereitstellt. Mir fehlte allerdings zum Zeitpunkt der Installation ein passender Arduino. Das spielte aber ohnehin keine Rolle: Ein falsch eingestellter Motor war hier nicht das Problem.

Verstopfte Düsen

Mit deutlich erhöhtem Frustrationslevel folgte ich meiner zweiten Vermutung, dass die Düse selbst eventuell verstopft sei. Mit einer Zange und etwas Kraftaufwand löste ich das Zufuhrröhrchen des Extruders und drückte ein überschüssiges Stück Filament in die Öffnung.

Tatsächlich floss nun an der Unterseite ein schwarzer Rückstand heraus, der die Düse verstopft hatte. Nach ein paar Minuten Quetschen und Drücken schien der Weg frei zu sein. Voller Vorfreude lud ich einen Testdruck von der SD-Karte und startete den Druckvorgang – nur um festzustellen, dass das Filament noch immer nicht am Bett haftete. Die Kalibrierungsschrauben des Ender 5 Pro hatten sich bei all meiner Schrauberei wieder verstellt, und die mühsame manuelle Kalibrierung stand erneut an.

Fünf Testdrucke, 30 Minuten und ein paar Dutzend geraufte Haare später haftete das Filament dann auch so, wie es soll. Ich hatte allerdings bereits im Hinterkopf, dass der Kalibrierungsschritt doch auch besser umsetzbar wäre. Tatsächlich gibt es für bastelwillige Anwender – und das sollten im Prinzip alle 3D-Druck-Begeisterten sein – zu diesem Zweck einen Kalibrierungssensor: Der BLTouch [3] führt das Begradigen des Druckbetts automatisiert durch.

DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDFUmfang: 5 HeftseitenPreis €0,99
(inkl. 19% MwSt.)
RASPBERRY PI GEEK KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS Raspberry Pi Geek bei Google Play Readly Logo
Nach oben