LineageOS, eigentlich eine Android-Alternative für Smartphones und Tablets, läuft auch auf dem RasPi – auf Wunsch auch mit Googles Play Store.
Wer ein Tablet oder Smartphone mit Android besitzt, hat sich vermutlich mehr als einmal über die vorinstallierte Bloatware und die fast uneingeschränkte Datensammelwut des Systems geärgert. Abhilfe schafft das aus den freien Android-Quellen gebaute LineageOS [1], das von Hause aus nur das Nötigste mitbringt und Ihnen die Kontrolle darüber zurückgibt, was auf Ihrem Smartphone landet und welche Daten abfließen.
Hegen Sie Zweifel, ob dieses alternative System das Richtige für Sie ist, probieren Sie es vorab auf dem RasPi aus. Mit etwas Trickserei installieren Sie auch Googles Play Store nach und erhalten damit vollen Zugriff auf den Fundus der Android-Apps. Darüber hinaus ermöglicht LineageOS auf dem RasPi auch Aktivitäten wie etwa das Nutzen von Banking-Apps, die normalerweise mobilen Geräten vorbehalten bleiben.
LineageOS
LineageOS 16.0 basiert auf dem 2018 veröffentlichten Android 9.0. Dank seines Open-Source-Charakters punktet das System in Sachen Sicherheit und Datenschutz. Eigenen Aussagen zufolge veröffentlicht das Projekt monatlich Sicherheitsaktualisierungen.
Anhand des Tools Privacy Guard lässt sich einstellen, welche Daten die Apps übermitteln und welche nicht. Darüber hinaus bietet LineageOS ähnliche Kommandozeilenwerkzeuge wie Linux und verbesserte Programmierschnittstellen für Android-Entwickler (Abbildung 1).

Abbildung 1: Bei LineageOS handelt es sich um eine erweiterte Android-Distribution. Eigentlich als Ersatz für die Firmware von Smartphones und Tablets gedacht, lässt es sich auch auf dem RasPi betreiben.
Wenn Sie die Liste kompatibler Geräte [2] auf der Homepage von LineageOS durchgehen, stellen Sie fest, dass der RasPi darin fehlt. Für den SBC bedarf es einer inoffiziellen Version des finnischen Entwicklers Konsta Tuomio, die er auf seiner Webseite für den RasPi 3 [3] und 4 [4] bereitstellt.
Installation
Die 425 MByte große Zip-Datei kopieren Sie mittels Etcher auf eine SD-Karte. Alternativ entpacken Sie die ZIP-Datei auf der Konsole. Den Gerätenamen der SD-Karte ermitteln Sie mit Lsblk, zum Bespielen dient Dd (Listing 1).
Listing 1
LineageOS auf SD-Karte kopieren
$ lsblk [...] $ unzip lineage-os.zip # dd if=/Pfad/zu/lineage-os.img of=Gerät bs=4M status=progress; sync
Für die Installation benötigt LineageOS etwa 1,9 GByte Platz auf der SD-Karte. Da der erste Boot-Vorgang die Partitionen nicht automatisch vergrößert, müssen Sie das mit Programmen wie Gparted oder dem KDE Partition Manager von Hand erledigen. Beschränken Sie sich dabei auf die Partitionen für das System und die Benutzerdaten, damit für etwaige System-Updates, Apps und Multimediadateien genug Platz bereitsteht.
Auf der Boot-Partition befinden sich die Dateien config.txt, die der Konfigurationsdatei von Raspbian entspricht, sowie resolution.txt. Im Abschnitt #Display von resolution.txt stellen Sie die für Ihren Monitor erforderliche Auflösung ein:
Px_horizxPx_vert
Den Ton aktivieren Sie mit der Anweisung dtparam=audio=on in der Datei config.txt.
Google Play Store
Der Startbildschirm von LineageOS gibt sich klar und übersichtlich. Von dort aus starten Sie den Webbrowser, die Kontakte, eine Kamera-App, die Einstellungen, eine E-Mail-Software sowie eine Musik-App. Um die Liste der vorinstallierten Apps zu erreichen, drücken Sie die linke Maustaste und ziehen den Mauszeiger (wischen) nach oben (Abbildung 2). Um die Liste der geöffneten Apps einzusehen, wischen Sie vom Startbildschirm ausgehend nach links.






