Mit ArkOS selbstbestimmt Daten in der Wolke anbieten

© Fernando Cortes De Pablo, 123RF

Datenkraken ausgesperrt

Die Home-Cloud-Distribution ArkOS gefällt sowohl von der Idee als auch von der Umsetzung her. Sie lässt sich komfortabel per Webfrontend verwalten und über viele vorhandene Erweiterungen unkompliziert ausbauen.

README

ArkOS ist eine Plattform zum sicheren Verwalten der eigenen Online-Existenz in der Cloud, ohne dabei unsere Daten in die Hände von kommerziellen Datensammlern und ihrer "walled gardens" zu geben. Sowohl der Finanz- als auch der Lernaufwand bleiben minimal.

Viele Menschen wollen oder müssen heutzutage Daten universell und synchronisierbar im Zugriff halten. Die in den letzten Jahren überall aus dem Boden sprießenden Cloud-Dienste erscheinen für diesen Zweck ideal. Jedoch geben wir unsere Daten damit aus der Hand, was besonders angesichts der jüngsten Enthüllungen über die Umtriebe internationaler Geheimdienste keine Lösung sein kann, selbst wenn man nichts zu verbergen hat. Hier kommt die Plattform Citizenweb [1] des Entwicklers Jacob Cook ins Spiel – und damit auch ArkOS als privates Cloud-Server-Projekt auf dem Raspberry Pi. ArkOS ermöglicht als freie Software, Daten unter eigener Kontrolle auf einer minimalen und sehr mobilen Plattform ständig und überall zur Verfügung zu haben.

ArkOS [2] verwendet Arch Linux für die ARM-Plattform [3] als Unterbau. Das Projekt steht unter einer GPL-Lizenz [4] und will dem Anwender die Möglichkeit geben, verschiedene Serverdienste abgesichert selbst anzubieten – ohne viel Lernaufwand und ohne große Linux-Vorbildung. Dabei unterstützt es Webseiten oder Blogs mit Wordpress oder Drupal, die Datenablage mittels Owncloud, einen Mailserver, Konten von Social Networks sowie weitere Cloud-Dienste.

Der Entwickler hat ArkOS aus Linux-Werkzeugen für den Serverbereich zusammengestellt, die einen besonders kleinen Fußabdruck erzeugen. Das ist beim RasPi unabdingbar, da er nicht über unbegrenzte Ressourcen verfügt. ArkOS gebietet über ein eigenes Repository, das mit Aktualisierungen etwas zurückhaltender umgeht, als das bei Arch Linux sonst üblich ist. Das soll mit Linux wenig vorbelasteten Anwendern die Administration erleichtern. Erfahrene Linux-Anwendern haben trotzdem das gesamte Arsenal an Werkzeugen und Befehlen zur Hand, das ein Linux-System zu bieten hat.

Als modular konzipiertes System besteht ArkOS aus der Distribution selbst und dem in Python realisierten Web-Frontend Genesis, das seine Funktionalität über Plugins erhält. Das auch für andere Distributionen erhältliche Genesis vereint Systemadministration und die Verwaltung der Inhalte unter einer übersichtlichen Web-Oberfläche. Der Entwickler bezeichnet den derzeitigen Projektstand als Beta – zum Testen geeignet, für den produktiven Einsatz jedoch noch nicht empfohlen. Im Zuge der Tests für diesen Artikel konnten wir gemeinsam mit dem sehr aktiven Entwickler einige Fehler bereits ausräumen.

Installation

Es gibt zwei Wege, ArkOS startfähig auf den RasPi zu bekommen. Ein grafischer Installer, der das Programm bootfähig auf eine SD-Karte überträgt, liegt derzeit nur für Linux und Mac OS X vor. Wer ArkOS von Windows aus installieren will, der muss bislang die Installation manuell anhand eines ArkOS-Images vornehmen; ein Installer für Windows befindet sich jedoch bereits in Arbeit.

Im ersten Schritt für eine grafisch geführte Installation laden Sie den Installer von der Projektseite [5] auf einen heimischen Rechner herunter und richten ihn dort ein. Als Nächstes stecken Sie eine mindestens 8 GByte fassende SD-Karte in den gleichen Rechner. Nun starten Sie den Installer, der sich in der Regel im Anwendungsmenü der jeweiligen grafischen Oberfläche findet. Alternativ entpacken Sie das Installer-Image und starten die Routine mittels des Aufrufs ./Installer.py aus dem Ordner mit den entpackten Dateien.

Die Installationssoftware fragt im weiteren Verlauf ab, welcher Spiegelserver geografisch am nächsten liegt und auf welches Gerät ArkOS installiert werden soll. Bei letzterer Angabe ist größte Sorgfalt geboten, denn der Installer verwendet intern das Tool dd, das gnadenlos das ihm angegebene Medium überschreibt. Der Installer bietet jedoch alle im Rechner befindlichen Speichermedien zur Auswahl an, inklusive Festplatten, USB-Sticks und SD-Karten. Den korrekten Speicherort, in unserem Fall die SD-Karte, sollten Sie aber schon anhand der Größenangabe eindeutig ermitteln können.

Nach dem Bestätigen der Angaben bezieht der Installer etwa 280 MByte von den Projektservern und installiert ArkOS auf der angegebenen SD-Karte. Das dauert rund 5 bis 15 Minuten, je nach Rechner und Netzanbindung. Anschließend meldet das Tool, dass ArkOS installiert ist und Sie die Karte aus dem Rechner entfernen und in den RasPi einsetzen können.

TIPP

Falls Sie für ArkOS (oder andere Pi-Projekte) eigens eine neue SD-Karte anschaffen, ist es sinnvoll, vorab die Kompatibilitätsliste im Raspberry Center  [18] zu konsultieren: Viele der heute gängigen schnellen Karten für Kameras verweigern die Zusammenarbeit mit dem RasPi. Erfahrungsgemäß verursachen Karten der Klassen 4 und 6 am wenigsten Probleme – und schonen gegenüber den teuren Klasse-10-Karten auch den Geldbeutel.

Manuelle Installation

Der Weg zur manuellen Installation, also ohne den Installer, gestaltet sich auch nicht wesentlich aufwendiger. Dazu laden Sie direkt das komprimierte ArkOS-Image [5] herunter und entpacken es. Dann stecken Sie die SD-Karte in den Rechner, die das Image aufnehmen soll. Auf der Kommandozeile ermitteln Sie (mit Root-Rechten) anhand der Ausgabe des Befehls fdisk -l den Gerätenamen der SD-Karte. Dann schreiben Sie mit dem Tool dd das Image manuell auf die Karte:

$ dd if=/home/raspi/arkos-2013-07-16.img of=dev/sdc bs=1M

In diesem Beispiel entspricht /dev/sdc der Ausgabe von fdisk -l für den Gerätenamen der SD-Karte. Dabei schreibt dd immer direkt auf das Device und nicht in eine nummerierte Partition wie etwa /dev/sdc1. Den Speicherort des ISOs (im Beispiel /home/raspi/) sowie dessen Namen (arkos-2013-07-16.img) gilt es an die tatsächlichen Gegebenheiten anzupassen.

Nach Absetzen des Befehls erscheint nach wenigen Minuten wieder ein Prompt, das Image liegt startbereit auf der SD-Karte. Diese stecken Sie nun in den RasPi, der bereits per Ethernet-Kabel mit dem heimischen Netz verbunden sein sollte. Sobald Sie nun die Stromversorgung anstecken, startet das Image, und nach etwa einer Minute können Sie in das Web-Interface von ArkOS wechseln.

Unter Mac OS X erfahren Sie den Gerätenamen der SD-Karte durch Eingabe von diskutil list. Um die Karte aus dem System auszuhängen, kommt diskutil unmountDisk diskX zum Einsatz, wobei Sie diskX durch den tatsächlichen Bezeichner ersetzen müssen. Auch Mac OS X kennt als Unix-Abkömmling das Tool dd, das Sie wie oben für Linux geschildert nutzen:

$ dd if=/Pfad_zum_ISO/arkos-2013-07-16.img of=/dev/diskX bs=1M<C>

Unter Windows greifen Sie statt zu dd zu einem Programm zum Handhaben von ISO-Images, wie etwa dem beliebten Win32DiskImager [6]. Damit wählen Sie die vorher entpackte ISO-Datei sowie die SD-Karte aus und schreiben das Image auf die Karte. Das weitere Vorgehen unterscheidet sich nicht von jenem unter Linux oder Mac OS X. Zur Administration aus der Konsole verwenden Sie unter Windows Putty [7] anstelle von ssh.

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