Aus Raspberry Pi Geek 03/2024

PiJuice Hat für den autarken RasPi-Betrieb (Seite 2)

Die Software ist Open-Source und liegt bei Github [3]. Manuell herunterladen und installieren müssen Sie sie trotzdem nicht, denn sie kommt zusätzlich in den Standard-Paketquellen des Betriebssystems mit. Die Pakete heißen pijuice-gui und pijuice-base. Letzteres benötigen Sie für den Headless-Betrieb.

Die Integration der grafischen Lösung sieht hervorragend aus, einschließlich der Einbindung in die Statusleiste (Abbildung 2). Links steht der Batteriestatus, das Symbol rechts daneben startet die GUI. Das Userinterface selbst setzt sich aus einer Reihe von Reitern zusammen, die jeweils unterschiedliche Aspekte konfigurieren. In Abbildung 3 sehen Sie zum Beispiel die Konfiguration von Aufwachzeiten. Doch Vorsicht: Diese Einstellung muss in UTC-Zeit erfolgen.

Abbildung 2: Die Pi-Juice-GUI sowie die Integration in die Statusleiste haben die Entwickler sauber umgesetzt.

Abbildung 2: Die Pi-Juice-GUI sowie die Integration in die Statusleiste haben die Entwickler sauber umgesetzt.

Abbildung 3: Innerhalb des GUI-Konfigurationsprogramms definieren Sie beispielsweise Aufwachzeiten.

Abbildung 3: Innerhalb des GUI-Konfigurationsprogramms definieren Sie beispielsweise Aufwachzeiten.

Im Headless-Betrieb nutzen Sie ein analoges, textbasiertes Menü (Abbildung 4). Darauf angewiesen sind Sie jedoch kaum, da es sowohl ein Python-Modul für die Integration in eigene Programme als auch ein Kommandozeilenprogramm für die Ausgabe und Änderung wichtiger Werte gibt. Alternativ erzeugen Sie sich eine Konfiguration auf einem Pi mit Desktop, speichern sie in eine Datei und laden sie anschließend auf den Headless-Rechner. Die letzten beiden Schritte erledigt das erwähnte Kommandozeilenprogramm. Das alles lässt sich als vorbildlich bezeichnen und es bleibt kein Wunsch offen.

Abbildung 4: Im Headless-Betrieb konfigurieren Sie textbasiert.

Abbildung 4: Im Headless-Betrieb konfigurieren Sie textbasiert.

Obwohl der Hersteller an alles gedacht hat, erreicht die Software kaum Perfektion. Das liegt teilweise in der Natur der Sache begründet: Die Hardware fällt eben komplex aus und besitzt viele Funktionen. Das in der Software konsistent abzubilden, gelingt nicht immer. Ungeachtet der ausführlichen Beschreibung jeder Einstellung, lässt sich nicht immer klar sagen, was genau sie bewirkt. Das entspricht allerdings Jammern auf hohem Niveau, denn andere Hardwarehersteller lassen die Anwender oft ohne Dokumentation gänzlich im Regen stehen. Trotzdem sollten Sie Zeit für die Konfiguration und für ausführliche Tests Ihres Anwendungsfalls einplanen.

Funktionstest und Fazit

Einen kleinen Testparcours mit Stromabschaltungen, zeitgesteuertem Aufwachen und Laden des LiPos absolvierte der pHat problemlos. Die Stromaufnahme aus der Batterie im ausgeschalteten Zustand und ohne USB betrug ungefähr 0.5 mA, was den Angaben in der Dokumentation entspricht. Das einzige Problem waren Stromspitzen, die einen plötzlichen Spannungsabfall bewirken – sie konnte der Hat über den LiPo nicht abfangen. Wunder kann der Pijuice also auch nicht vollbringen: Nur ein sauber abgestimmtes System (RasPi und angeschlossene Komponenten) eignet sich für den stabilen Batteriebetrieb.

Erwartungsgemäß ist eine Platine mit so vielen Komponenten nicht ganz billig. Der pHat kommt auf 42,80 Euro, der große Hat auf 61,80 Euro. Da das große Modell mit Batterie geliefert wird, relativiert sich der Preisunterschied. Hinzu kommen Liefergebühren aus England.

Der Preis alleine ist aber nicht entscheidend – eine wichtigere Rolle spielt ein funktionierendes Gesamtsystem aus Hardware, Software und Zusatzkomponenten. So vertreibt der Hersteller nicht nur seine Hats, sondern auch passende Batterien und sogar Solarpanels. Selbst bei einem Komplettsystem liegt dann der Preis noch unter 200 Euro.

Wer allerdings nur einen Teil der Funktionen benötigt, sollte sich zumindest nach günstigeren Alternativen umschauen. Im USV-Bereich gibt es eine ganze Reihe von Optionen und RTC-Hats mit Aufweckfunktion stehen ebenso zur Verfügung. Bei allen angebotenen Hats und Breakouts sollten Sie unbedingt vor dem Kauf einen Blick auf die Software werfen. Dort trennt sich die Spreu vom Weizen und der beste Hat nützt Ihnen letztlich nichts, wenn der eigene Anwendungsfall von der Software nicht unterstützt wird. csi

Infos

  1. P-Juice über Pi-Supply: https://uk.pi-supply.com/
  2. Schnellstart-Anleitung: https://learn.pi-supply.com/make/pijuice-zero-quick-start-guide/
  3. Github-Repo mit der Software: https://github.com/PiSupply/PiJuice

Der Autor

Bernhard Bablok ist im Ruhestand. Wenn er nicht Musik hört, mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs ist, beschäftigt er sich mit Themen rund um Linux, Programmierung und Kleinkomputer. Er ist unter: mailto:[email protected] zu erreichen.

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