Aus Raspberry Pi Geek 10/2022

RasPi-Alternativen im Test: Nvidia Jetson Nano 2GB, Hardkernel Odroid XU4 und Radxa Rock Pi 4 (Seite 5)

Odroid: SPI

Zum Testen der SPI-Schnittstelle verwenden Sie auch beim Odroid XU4 das Programm aus Listing 3. Sie brauchen dort nur die Nummern der GPIOs anzupassen. Die Zeile zum Initialisieren der Klasse sieht danach so aus:

MCP3008 mcp = new MCP3008(191,192,189,190);

Vor dem Start des Java-Programms müssen Sie jedoch noch zwei Module deaktivieren (Listing 8, Zeile 1 und 2). Alle anderen Teile des Programms funktionieren ohne Anpassungen (Zeile 3). Zum Starten der Software benötigen Sie wieder Root-Rechte (Zeile 4).

Listing 8

Testprogramm starten

$ sudo rmmod spidev
$ sudo rmmod spi_s3c64xx
$ javac MCP3008.java
$ sudo java MCP3008

Odroid: Fazit

Der Odroid XU4 kann in Projekten problemlos einen Raspberry Pi ersetzen. Ubuntu als Betriebssystem bietet Zugriff auf alle Programme, die Sie dafür benötigen. Es fällt allerdings auf, dass die Odroid-Community deutlich kleiner als die des RasPi ist. Daher treffen Sie im Internet häufiger auf veraltete Ressourcen. Zudem erfordert der Umgang mit dem Odroid gelegentlich einen Griff in die Unix-Trickkiste oder die Arbeit mit Root-Rechten. Der Autor würde den Odroid XU4 keinem SBC-Anfänger empfehlen. Einem erfahrenen Bastler gelingt es aber, Projekte damit adäquat umzusetzen.

Rock Pi: Basics

Der Rock Pi (Abbildung 8) verfolgt einen anderen Ansatz als der Odroid. Der Hersteller Radxa versucht nicht, den Funktionsumfang des RasPi zu imitieren, sondern setzt eigene Maßstäbe. So verwendet der Rock Pi zum Beispiel für die Spannungsversorgung einen USB-C-Anschluss, der verschiedene Standards unterstützt; allerdings müssen Sie dazu eine USB-C-Leitung mit Datenkommunikation verwenden. Die Betriebsspannung des Boards liegt bei bis zu 21 Volt. Alternativ verwenden Sie das 5-Volt-Netzteil eines RasPi 4.

Abbildung 8: Der Rock Pi 4 mit angestecktem M.2-SSD-Speicher (rechts).

Abbildung 8: Der Rock Pi 4 mit angestecktem M.2-SSD-Speicher (rechts).

Ein weiteres, interessantes Feature bietet das Board in Form eines M.2-Steckplatzes, den wir uns später noch ein wenig genauer ansehen. Der Rock Pi 4 erlaubt sowohl den Betrieb mit einer SD-Karte als auch mit einer eMMC bis zu einer Kapazität von 128 GByte. Die Platine macht einen sehr robusten und hochwertigen Eindruck. Die komplette Dokumentation mit vielen Anleitungen (meist auch in Deutsch) finden Sie auf der Homepage des Herstellers [12].

Rock Pi: Betriebssystem

Beim OS wählen Sie zwischen unterschiedlichen Linux-Distributionen sowie einigen exotischeren Betriebssystemen [13]. Wir verwenden hier den Debian-Desktop, der einem Pi OS am nächsten kommt. Achten Sie darauf, das korrekte Image für Ihre Rock-Pi-Variante auszuwählen. Zur Abwechslung verwenden wir die eMMC des Rock Pi anstelle der SD-Karte. Um das Image auf die eMMC zu übertragen, empfehlen wir wie gehabt den RPi Imager. Zum Anschließen der eMMC brauchen Sie allerdings einen passenden Adapter [9].

Nach dem Schreiben des Abbilds auf die eMMC stecken Sie die Karte in den Rock Pi. Das gestaltet sich etwas fummeliger als mit einer SD-Karte. Die eMMC weist zur Orientierung eine abgeschnittene Ecke auf, diese Markierung findet sich auch auf dem Board wieder. Nach der erfolgreichen Montage booten Sie das System.

Der Start des Mini-Boards dauert nicht viel länger als der eines RasPi, mangels Bildschirmausgabe kommt es einem aber länger vor. Nur das Blinken der blauen LED signalisiert, dass es Aktivität auf der eMMC gibt. Die grüne LED dient als Anzeige für die Spannungsversorgung. Der Standardnutzer für das Login heißt rock, ebenso das dazugehörige Passwort. Den SSH-Daemon startet das System beim Booten.

Nach dem ersten Hochfahren sollten Sie das System erst einmal auf den aktuellen Stand bringen und notwendige Software installieren (Listing 9).

Listing 9

Rock Pi vorbereiten

$ sudo apt update
$ sudo apt upgrade
$ sudo apt install wget  openjdk-11-jdk

Rock Pi: GPIO

Abbildung 9 zeigt die Pin-Belegung des 40-poligen Headers, die wie erwartet ähnlich wie die beim RasPi ausfällt. Die GPIOs tragen jedoch komplett andere Nummern und Bezeichnungen, einige der Sonderfunktionen liegen an anderen Positionen. Um auf die GPIO zuzugreifen, benötigen Sie die Libmraa-Bibliothek des Herstellers. Interessanterweise verwendet diese direkt die Pin-Nummern des 40-poligen Headers – das handhabt kein anderer Hersteller so.

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