Aus Raspberry Pi Geek 10/2022

Aktuelle Hardware im Kurztest

Ausgepackt

Bernhard Bablok

Pistackmon-Platine für das Monitoring, günstiges E-Ink-Display Pimoroni Badger2040, problematische Hyperpixel-Displays von Pimoroni, pfiffiges Adafruit MCP23017 Breakout.

Aufpasser

Seitlich am RasPi sitzend, behält die Pistackmon-Platine alle Systemparameter im Blick.

Überwachungsprogramme messen kontinuierlich wichtige Systemparameter des RasPi und geben die Ergebnisse häufig über ein Webinterface aus. Einen anderen Weg geht die Pistackmon-Platine des polnischen Makers Tomek Szczesny: Drei LED-Gruppen mit je fünf Dioden visualisieren Temperatur, Speicherauslastung und CPU-Last. Als zusätzliches Schmankerl lässt sich eine blaue LED frei steuern, und eine grüne LED zeigt an, dass der Minirechner unter Strom steht. Neben dem RasPi 3 und 4 gehören noch diverse Odroids zu den unterstützten Plattformen.

Die Platine erweist sich in mehrfacher Hinsicht als außergewöhnlich. Montiert an einer Buchse mit gewinkelten Pins, steckt man sie seitlich an den RasPi. Dadurch trägt sie nicht in die Höhe auf, RasPi-Stacks bleiben nach wie vor möglich. Darüber hinaus sieht man so die LEDs besser. Die Platine ist Open Hardware, das passende Steuerprogramm Open Source und in einer Minute kompiliert und installiert. Das Portieren auf andere Boards erfordert ebenfalls nur wenig Aufwand.

Neben dem Monitoring übernimmt das Pistackmon-Board die Stromversorgung. Dabei speist es die Versorgungsspannung nicht wie normale HATs unter Umgehung aller Sicherheitsmechanismen über die 5-Volt-Pins des RasPi ein, sondern sichert sie per Polyfuse. Lastspitzen federt ein Kondensator ab.

Die Platine gibt es in den Varianten Classic und Light. Letztere ist einseitig bestückt und lässt sich direkt beim Platinendienstleister ordern. Die entsprechenden Produktionsdateien liegen im Repository. Die doppelseitig bestückte Classic-Variante bietet noch mehr Funktionen, verlangt aber sehr gute Lötfähigkeiten und verwendet Bausteine, die es aktuell nicht im Handel gibt.

Pistackmon

 

Preis: 35 Euro (5 Stück)

Bezugsquelle: JLCPCB

Namensschild

Mit dem Badger2040 mischt Pimoroni ab sofort im E-Ink-Segment mit.

Mit dem Badger2040 führt Pimoroni seit Kurzem ein intelligentes Namensschild (“Badge”) im Sortiment. Technisch handelt es sich um ein schwarz-weißes E-Ink-Display mit einem RP2040 (dem Chip des Pi Pico) auf der Rückseite. Das Display löst mit 296 x 128 Pixeln auf und aktualisiert den Inhalt einmal pro Sekunde – für E-Inks ein sehr guter Wert. Für die namensgebende Anwendung laden Sie eine Visitenkarte auf das Display, nehmen es vom Strom und hängen es sich um.

Intelligente Displays gibt es bereits einige auf dem Markt. Das Besondere am Badger ist neben der Ausstattung der Preis von knapp 15 Euro. Schon für das Display müssten Sie normalerweise über 20 Euro ausgeben, hinzu kommt noch der Pico, der für 4 Euro über die Ladentheke geht. Insgesamt ein echtes Schnäppchen. Zusätzlich packt Pimoroni einen Stemma/Qt-Anschluss für I2C-Geräte auf die Rückseite. Damit lassen sich schnell kleine Anwendungen wie eine Uhr oder das Messen von Temperatur oder Luftfeuchte aufsetzen.

E-Ink-Displays eignen sich bestens für den Batteriebetrieb, und dafür verfügt der Badger2048 über einen JST-SH-Anschluss für handelsübliche LiPos. Eine 10er-Lötleiste ergänzt die Schnittstellen. Die passenden SMD-Pins erhalten Sie bei Reichelt. Auf der Vorderseite sitzen fünf Taster. Boot- und Reset-Button finden Sie auf der Rückseite, ebenso eine LED. Softwareseitig wählen Sie zwischen C/C++, MicroPython oder CircuitPython. Pimoroni unterstützt MicroPython mit optimierten Treibern, während CircuitPython durch einfaches Handling und viele Bibliotheken glänzt.

Pimoroni Badger2040

 

Preis: 15 Euro

Bezugsquelle: Pimoroni, Berrybase

Problemfall

Pimoronis Hyperpixel-Displays versprechen viel Performance, scheitern jedoch am Debian-“Bullseye”-Support.

Die Hyperpixel-Displays von Pimoroni markieren das genaue Gegenstück zu den Badgers: Sie bieten eine schnelle Bildwiederholrate von 60 FPS, besitzen eine hohe Auflösung von 480 x 480 Pixeln auf 2,1 Zoll beziehungsweise 720 x 720 auf 4 Zoll, bieten volle Farbtiefe und kapazitiven Touch. Es gibt sie in rund, quadratisch und im klassischen Format.

Allerdings haften ihnen eine Reihe von Nachteilen an, allen voran der dem kapazitiven Touch geschuldete hohe Preis. Daneben belegen sie nahezu alle Pins eines RasPi, weil die hohe Frame-Rate ohne parallele Anbindung nicht funktioniert. Einzig I2C einschließlich eines Interrupt-Pins führen die Displays auf der Rückseite heraus.

Der größte Schwachpunkt betrifft jedoch die Tatsache, dass der Treiber nicht Teil des Linux-Kernels ist. Bis heute schaffte es Pimoroni nicht, die Hyperpixel auch unter Debian “Bullseye” vollständig zu unterstützen. Wirklich schade, denn mit kapazitivem Touch spielt ein Bildschirm einfach in einer anderen Liga als die ähnlich kleinen, billigen resistiven Displays, bei denen man nie genau weiß, ob der Rechner die Berührung auch registriert.

Pimoroni Hyperpixel

 

Preis: 56 Euro (2,1 Zoll, rund), 70 Euro (4 Zoll, quadratisch)

Bezugsquelle: Pimoroni

Lückenbüßer

Ein 16-Bit-I/O-Expander wie der Adafruit MCP23017 Breakout hilft durch die Chipkrise.

Nicht nur auf einen RasPi muss man derzeit lange warten, sondern sogar auf Allerweltschips wie den MCP23017. Deshalb musste der Autor für ein Projekt auf ein Exemplar von Adafruit zurückgreifen. Hier befindet sich der Chip vorgelötet auf einem Breadboard, der I2C-Anschluss lässt sich über Stemma/Qt umsetzen. Angesichts des hohen Preisniveaus auch bei den rohen Chips verursacht diese Luxusversion keine Mehrausgaben.

Hinter dem MCP23017 Breakout steckt ein IO-Extender, mit dem Sie 16 zusätzliche Pins steuern. Das erweist sich bei kleineren Mikrocontrollern als genauso nützlich wie bei den hier besprochenen Displays, die nur den I2C-Bus des RasPi beziehungsweise Pi Pico herausführen. Das Breakout bringt Vor- und Nachteile mit sich. Wer eigene Platinen entwirft, bevorzugt den puren Chip, sofern es ihn wieder gibt. Alle anderen profitieren vom Breakout, denn hier hat Adafruit alles richtig gemacht. Nicht nur die beiden Stemma-/Qt-Anschlüsse erweitern die Möglichkeiten, auch 16 GND-Anschlüsse erweisen sich in der Praxis als nützlich. (Bernhard Bablok/tle)

Adafruit MCP23017 Breakout

 

Preis: 6,15 Euro

Bezugsquelle: Berrybase, Pimoroni

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