Aus Raspberry Pi Geek 08/2022

Aktuelle Software im Kurztest

Angetestet

Uwe Vollbracht

Bettercap 2.31.1 beobachtet den Netzwerkverkehr, Hss 1.9 parallelisiert SSH-Verbindungen, Raspi-info 20220423 fragt Geräteinformationen ab, Versions 1.5.5 behält Updates im Blick.

Netzwerker

Der Sniffer Bettercap 2.31.1 hilft beim Aufspüren von Problemen im LAN.

Viele Einsatzbereiche für den Raspberry Pi sind netzwerkbezogen. Lässt sich das System erreichen und liefert Daten, ist alles bestens. Bei Problemen kann jedoch ein Netzwerkanalyse-Tool wie Bettercap hilfreich sein. Seine Entwickler sehen es als Universalwerkzeug für das Netzwerk-Monitoring. Sie kompilieren die neueste Version aus den Quellen oder greifen auf ein älteres Binary aus dem Github-Repository zurück. Wie die meisten Paket-Sniffer greift Bettercap für seine Arbeit auf die Bibliothek Libpcap zurück, die Sie aus dem Pi-OS-Repository installieren. Rufen Sie Bettercap ohne weitere Parameter auf, arbeitet es im interaktiven Modus. Dabei wählt es selbstständig das zu beobachtende Interface aus. Eine bestimmte Schnittstelle geben Sie beim Aufruf über -iface an. Über den Befehl help steht eine rudimentäre Online-Hilfe zur Verfügung. Sie liefert unter anderem eine Übersicht der verfügbaren Module und Kommandos. Sie sehen außerdem, welche der Module gerade aktiv sind. Standardmäßig startet stets events.stream, weitere Module wie etwa net.recon aktivieren Sie durch Aufruf mit dem Parameter on. Es gibt gut zwei Dutzend verschiedene Module von ARP-, DHCP- und DNS-Spoofing über Wake-on-LAN bis hin zu Proxy-Modulen und einem, das die MAC-Adresse ändert. Die Module https.server und http.server ermöglichen den Start eines rudimentären Webservers, der den Inhalt des aktuellen Verzeichnis ausliefert. Mit dem Befehl get * listet Bettercap alle verfügbaren Parameter und deren aktuellen Wert auf, Parameteranpassungen nehmen Sie mit set vor. Sollen bestimmte Einstellungen bei jedem Programmstart aktiv sein, tragen Sie sie in eine sogenannte Caplet-Datei ein. Mit dem Parameter -caplet laden Sie die Konfiguration beim Start, alternativ ziehen Sie sie mit dem Befehl include zur Laufzeit nach. Weitere Informationen zu Bettercap liefert die auf Github verlinkte Projektseite.

Bettercap 2.31.1

 

Lizenz: GPLv3

Quelle: https://github.com/bettercap/bettercap

Verwaltungsassistent

Mit Hss 1.9 verwalten Sie mehrere parallele SSH-Verbindungen.

Zum Verwalten der üblicherweise mehreren RasPis im heimischen Netz kommen meist SSH-Verbindungen zum Einsatz, bei denen es oft auf allen Systemen identische Befehlsfolgen einzugeben gilt. Verwenden Sie auch zur Administration einen RasPi, können Sie mit dem SSH-Client Hss Befehle einfach parallel auf verschiedenen Systemen ausführen. Das spart Zeit und reduziert Tippfehler. Hss fehlt im Pi-OS-Repository, sodass Sie das C-Tool selbst kompilieren müssen. Beim Aufruf übergeben Sie ihm mit dem Parameter -f die Liste der zu verwaltenden Systeme als Textdatei, die je Zeile eine IP-Adresse oder den FQDN eines Systems enthält. Außerdem können Sie für jede Gegenstelle einen individuellen Port und SSH-Schlüssel angeben. Dazu ist das Hinterlegen des Keys auf dem Ziel zwingend erforderlich. Den auf dem oder den Zielsystemen auszuführenden Befehl geben Sie beim Aufruf als letzten Parameter an. Die Befehlsausgabe erfolgt in der Konsole. Um sie später in Ruhe auszuwerten, lenken Sie sie mit -o in eine Datei um. Geben Sie kein Kommando an, arbeiten Sie wie in einer SSH-Sitzung interaktiv. Hss öffnet dann eine rudimentäre Shell, in der Sie die gewünschten Befehle eintippen. Sie stellt eine Befehlshistorie bereit und unterstützt eine Autovervollständigung per [Tab] sowie gewohnte Tastenkürzel wie [Strg]+[R] und [Strg]+[E]. Hss pflegt in der Datei $HOME/.hss_history eine eigene Befehlshistorie. Bei der Ausgabe schreibt das Tool den FQDN oder die IP-Adresse des Remote-Systems an den Anfang jeder Zeile. So erkennen Sie, von welchem System ein Wert stammt. Der Parameter -v ermöglicht eine ausführlichere Ausgabe. Mit -c geben Sie weitere, SSH-spezifische Parameter an. Eine Dokumentation fehlt, es gibt nur eine Online-Hilfe. Weitere Informationen zu Hss finden Sie auf der Github-Seite.

Hss 1.9

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/six-ddc/hss

Info-Zentrale

Umfassende Systeminformationen liefert Raspi-info 20220423.

Wer viele SoC-Systeme sein Eigen nennt, verliert schnell den Überblick über die einzelnen Spezifikationen. Hier springt Raspi-info in die Bresche, das mit einem Aufruf alle wichtigen Eckdaten präsentiert. Sie laden den Quellcode des Shell-Skripts aus dem Github-Repository und geben dem Inhalt nach dem Entpacken Ausführungsrechte. Das Archiv enthält die Skripte raspi-info, raspi-info-light und raspi-info-check. Letzteres hilft dabei, Eckdaten wie Systemlast, Zeit, Stromversorgung und Systemtemperatur im Auge zu behalten. Zur Erfassung der wichtigsten Informationen dient raspi-info-light. Neben Systemauslastung, interner und externe IPv4-Adresse und der verwendeten Distribution zeigt das Tool auch das jeweilige RasPi-Modell sowie die Auslastung der aktuellen Mountpoints an. Das Kernskript raspi-info setzt Administratorrechte voraus. Hier sehen Sie, welches SoC zum Einsatz kommt, wie viele CPU-Kerne mit welcher Taktung arbeiten und welche Prozessortaktskalierung genutzt wird. Zudem zeigt das Tool die RAM-Auslastung und die geladenen Kernel-Module an. Im Netzwerkbereich sehen Sie die genutzten DNS-Server und ermitteln über via Traceroute die Connectivity. Eine Übersicht zur Belegung der Blockspeichermedien (SD-Card, USB-Stick) schließt die Ausgabe ab. Raspi-info gibt alle Daten in der Konsole aus, sodass es sich auch für den Einsatz via SSH eignet. Es bereitet die gut strukturierte Ausgabe farblich auf, sodass Sie alle Informationen schnell erfassen. Für die Datenerhebung nutzt es gängige GNU-Tools wie Whois, Traceroute und Curl. Außerdem wertet Raspi-info bekannte Konfigurationsdateien wie die von Pihole und Wireguard aus. Im Prinzip läuft Hss nicht nur auf dem RasPi, sondern auch auf anderen SBCs wie dem RockPi oder dem Asus Tinker. Dort geben aber Anfragen beispielsweise zur Temperatur und Stromversorgung nur Fehler aus.

Raspi-info 20220423

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/mapi68/raspi-info

Versionszähler

Mithilfe von Versions 1.5.5 halten Sie Ihre Software aktuell.

Versions hilft dabei, den Versionsstand von Software im Blick zu behalten, die nicht aus den Pi-OS-Repos stammt. Sie installieren das Python-Tool aus den Quellen, es setzt lediglich die Module PyYAML und Feedparser voraus. Auf dem Test-RasPi lief Versions allerdings nur mit Python 2.7. Für die Abfrage des Versionsstatus greift es auf den RSS-Feed des jeweiligen Repositorys zurück. Standardmäßig unterstützt Versions gängige Repos wie Github, PyPI und Savannah.gnu.org. Über eine Konfigurationsdatei legen Sie die Programme fest, deren Status das Tool überwachen soll. Als Konfigurationsformat nutzt Versions YAML und erwartet seine Konfiguration unter $HOME/.config/versions/versions.yaml. Alternativ geben Sie über -f eine andere Datei an. Die Konfiguration unterteilt sich in Repository-Bereiche mit eindeutigem Namen. Im URL-Eintrag tragen Sie für jedes Repo die URL des RSS-Feed ein. Der Typ-Eintrag legt fest, wie die Informationen im RSS-Feed verwaltet werden. Versions kennt die Varianten list und project. Github und Sourceforge verwalten Software in Unterseiten mit jeweils eigenem RSS-Feed, Freecode.club hingegen fasst alle Programme in einer Liste zusammen und kennt keine separaten RSS-Feeds. Unter projects listen Sie die zu prüfende Software auf. Bei gelisteten RSS-Feeds wie freecode.club oder freebsd tragen Sie nur die Programmnamen ein, bei Plattformen wie Github können Sie mit regulären Ausdrücken die Prüfung weiter eingrenzen. Das Versions-Quellarchiv enthält eine Beispielkonfiguration, die Sie als Vorlage verwenden können. Eine Übersicht aller verwalteten Projekte liefert -l. (Uwe Vollbracht/jlu)

Versions 1.5.5

 

Lizenz: GPLv3

Quelle: https://github.com/dupgit/versions

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