Mit Pimiga verwandeln Sie einen RasPi 400 in den Retro-Computer, der sich genauso verhält wie der beliebte Amiga 500 – und noch ein Sahnehäubchen mitbringt.
Retro Computing ist ein ungebrochener Trend, und zu den besonders populären Home-Computern der 1980er- und 1990er-Jahre gehören die Amiga-Modelle [1] von Commodore. Beim A500, A1200 und einigen weiteren Amigas war die Hauptplatine sowie ein Diskettenlaufwerk im Tastaturgehäuse integriert. Professionellere Varianten wie der A3000 waren eher wie ein PC aufgebaut und packten Mainboard, Erweiterungskarten und Laufwerke in ein Desktop- oder Tower-Gehäuse.
Laut Wikipedia ist der Amiga 500 das meistverkaufte Amiga-Modell, und so hat sich in diesem Sommer Retro Games Ltd. entschieden, im März 2022 mit dem TheA500 Mini (Abbildung 1) einen Nachbau auf den Markt zu bringen [2]. Vorbestellungen sind aktuell schon möglich. Der Hersteller ist bereits durch Neuauflagen der Commodore-Computer C64 (als Miniatur und in voller Größe mit funktionierender Tastatur) und VC20 (nur in voller Größe) bekannt.
Für eine gute Amiga-Emulation brauchen Sie aber nicht auf den TheA500 Mini zu warten: Es stehen praktisch für alle Plattformen (sogar für das alte MS-DOS) Emulatoren bereit, die mit mal mehr, mal weniger Aufwand beim Einrichten das Amiga-Feeling auf den Computer bringen. In der Welt der Raspberry Pis bietet sich besonders der Pi 400 für den Einsatz als Amiga-Emulator an, weil er wie die Tastatur-Amigas Tastatur, Mainboard und Datenträger in einem Gehäuse kombiniert.
Den Gedanken hatten auch die Entwickler von Pimiga [3], und so haben sie eine Raspberry-Pi-OS-Distribution gebastelt, die ohne Umwege direkt in den Emulator Amiberry [4] bootet. Ein Pi 400 mit eingesetzter Pimiga-Karte braucht nach dem Einschalten 35 Sekunden, bis die Amiga-Workbench-Oberfläche in hoher Auflösung (1920 x 1080) erscheint (Abbildung 2). Die aktuelle Pimiga-Version 1.5 verwendet Raspberry Pi OS 10 mit Kernel 5.10.17 (Mai 2021).
Installation
Pimiga steht als kleine oder große Variante über Torrent-Links bereit, die Sie direkt beim Anbieter [3] finden: Pimiga 1.5 Lite entspricht dem Archiv pimiga15Lite.rar, ist 14 GByte groß und enthält die 26 GByte große Image-Datei pimiga15Lite.img. Bei Pimiga 1.5MF ist das Archiv pimiga15MF.7z 42 GByte groß und bringt die 77 GByte große Image-Datei pimiga1.5MF.img mit.
Bis Sie das Archiv heruntergeladen, entpackt und die Image-Datei auf eine ausreichend große Micro-SD-Karte (32 GByte oder 128 GByte) geschrieben haben, vergeht unter Umständen einige Zeit.
Um den emulierten Amiga zu booten, benötigt er ein BIOS, das in der Amiga-Welt Kickstart-ROM heißt. Diese ROMs gibt es in verschiedenen Versionen und separat für verschiedene Amiga-Computer. Für den Amiga 1200 braucht Pimiga Kickstart 3.1.
Der Entwickler hat Wert auf eine korrekte Vorgehensweise gelegt, denn beiden Images fehlen die nötigen Amiga-Kickstart-ROMs, die Sie sich aus einer anderen Quelle beschaffen müssen. Das gelingt auf völlig legale Weise, denn alle Rechte an Commodore- und Amiga-Produkten bis 1993 sind an Cloanto übergegangen [5], und dieses Unternehmen vertreibt noch heute Softwarepakete, die die ROMs enthalten [6].
Im Kasten “Kickstart-ROMs” finden Sie Hinweise, wie Sie im Cloanto-Shop ein geeignetes Paket kaufen und darin die richtigen ROMs finden – wichtig ist, dass am Ende die Partition KICK auf der Micro-SD-Karte die Kickstart-Version 3.1 für den Amiga 1200 als kick31a1200.rom enthält. Falls Sie eine verschlüsselte Version dieses ROM (aus den Cloanto-Paketen) verwenden, gehört an dieselbe Stelle noch die Datei rom.key.
Kickstart-ROMs
Wenn Sie einen Amiga besitzen, können Sie das Original-ROM auslesen – ansonsten müssen Sie es auf andere Weise besorgen. Eine gute Möglichkeit ist, die Amiga Forever Plus Edition [7] für knapp 30 Euro zu kaufen. Hersteller Cloanto ist der aktuelle Rechteinhaber aller Kickstart-Versionen und vertreibt diese unter anderem als Teil dieses Pakets. Über die Shop-Seite ist nach dem Bezahlen direkt der Download möglich, wahlweise als MSI-Installer (für Windows) oder als Zip-Archiv (Abbildung 3).
Entpacken Sie nach dem Download das Archiv AmigaForever9Plus.zip und mounten Sie das ISO-Image af-dvd.iso. Unter Windows 8 und neuer sowie Mac OS geht das per Doppelklick auf die ISO-Datei, für ältere Windows-Versionen brauchen Sie separate Software oder Sie brennen das Image auf eine DVD. Linux-Anwender hängen das Image mit einer Variante des Befehls mount -o loop af-dvd.iso /mnt/ ein.
Die Kickstart-ROMs liegen dann im Ordner Amiga Files/Shared/rom/. Sie benötigen für Pimiga zwei Dateien: das verschlüsselte Kickstart-ROM amiga-os-310-a1200.rom und die Schlüsseldatei rom.key.
Erheblich günstiger (für 1,99 Euro) gibt es die Amiga Forever Essentials for Android [8], die aber nur dem etwas bringen, der ein Android-Smartphone besitzt: Es gibt keine iOS-Version. Hier ist zudem der Dateitransfer etwas umständlicher. Die App zeigt an, in welchem Verzeichnis (/storage/emulated/0/Android/data/com.cloanto.amigaforever.essentials/files) die ROMs liegen. Die Dateinamen der beiden benötigten Dateien sind identisch.
Beide Dateien kopieren Sie auf die Partition KICK der SD-Karte; die dort schon liegende Datei rom.key überschreiben Sie dabei. Außerdem benennen Sie amiga-os-310-a1200.rom dort in kick31a1200.rom um.
Die Tabelle “Kickstarts” listet die erfolgreich getesteten ROMs mit ihren MD5-Summen auf. Mit ROMs aus älteren Versionen der Amiga-Forever-Pakete kann Pimiga möglicherweise auch umgehen. Mit etwas Glück finden Sie außerdem Softwaresammlungen wie Amiga Classix 4 oder Retro Classix, die ebenfalls die ROMs enthalten. Der Kaufpreis der schon älteren DVDs liegt teilweise unter 10 Euro.

Abbildung 3: Amiga Forever enthält neben diversen Emulatoren und Amiga-Spielen auch die Kickstart-ROMs.
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Lizenzquelle |
Datei |
MD5-Summe |
|---|---|---|
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Amiga Forever 9 Plus |
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43efffafb382528355bb4cdde9fa9ce7 |
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Amiga Forever 9 Plus |
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69f3435483bbf39f686d9168bff37f2f |
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Amiga Forever Android |
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c9abf2dfd16594d7839924e5f8aea32e |
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Amiga Forever Android |
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68a7d3d66af496ec1d896128b005e9ab |
Das Pimiga-Image ist clever vorbereitet: Der Großteil der Daten liegt auf der SD-Karte auf einer Ext4-formatierten Partition. Aber neben der üblichen FAT-Partition, die den Bootloader enthält, ist KICK eine weitere FAT-Partition: So kopieren Sie fehlende ROMs von jedem Betriebssystem aus auf die Karte, selbst wenn dieses mit dem Dateisystem Ext4 nichts anfangen kann.
Retro Gaming
Die Kickstart-ROMs bringt Pimiga also nicht mit. Was sich aber auf den Images findet, sind mehrere Tausend Spiele, die auf der Höhe des Amiga-Booms oft in hübschen Spieleboxen im Laden standen. Die Community betrachtet diese als Abandonware [9] und zahlreiche Webseiten bieten sie zum Download an. Auf Archive.org können Sie über 10 000 Amiga-Spiele gleich im Browser spielen (Abbildung 4), wenn Sie dort die Seite Software Library: Amiga besuchen [10].








