Aus Raspberry Pi Geek 04/2021

Aktuelle Software im Kurztest

Angetestet

Uwe Vollbracht

MP3-Dateien im lokalen Netz bereitstellen mit Audioserve 0.13.0, Github im heimischen Netz betreiben mit Gogs 0.12.3, SSH-Zugang beschränken mit Sshcommand 0.12.0, Hardware und Konfiguration prüfen mit System_info 3.0.4.

Musikbox

Über Audioserve 0.13.0 stellen Sie MP3-Dateien im lokalen Netz bereit.

Aufgrund seines geringen Stromverbrauchs und der Möglichkeit, USB-Speicher anzuschließen, eignet sich der RasPi als Media- und Storage-Server im LAN. Wer damit auf die Schnelle einen einfachen MP3-Speicher mit Abspielmöglichkeit bereitstellen möchte, für den ist Audioserve genau das Richtige. Für 64-Bit-Distributionen finden Sie im Git-Repository ein statisches Binärpaket, für andere Plattformen kompilieren Sie das Rust-basierte Tool selbst. Dazu benötigen Sie die Quellen weiterer Tools und Bibliotheken wie Ffmpeg, Wget, Libavformat oder Zlib1g. Eine Übersicht finden Sie in der Beschreibung auf der Webseite.

Audioserve pflegt keine Mediendatenbank, sondern übernimmt die Organisation der Dateien aus dem Verzeichnis. Um Files bereitzustellen, genügt es, der Software beim Aufruf das jeweilige Verzeichnis als letzten Parameter zu übergeben. Standardmäßig lauscht Audioserve an Port 3000, mit -l geben Sie einen anderen Port vor. Um den Zugriff einzuschränken, setzen Sie mit -s ein Passwort, das dann aber in der Befehlshistorie im Klartext erscheint. Mit --shared-secret-file halten Sie das Passwort in einer Datei vor. Mit --ssl-key richten Sie eine verschlüsselte Kommunikation ein. Eine Anleitung auf Github erläutert, wie Sie selbst signierte PKCS#12-Schlüssel erzeugen. Hier finden Sie außerdem unterschiedliche Bauanleitungen, um das Programm etwa in einem Docker-Container zu betreiben.

Die Weboberfläche ist schlicht und intuitiv gehalten. Sie navigieren durch die Verzeichnisstruktur des Verzeichnisses, wobei Audioserve die Inhalte standardmäßig alphabetisch sortiert. Für das schnelle Auffinden einzelner Titel steht eine Suche bereit. Ganze Verzeichnisse oder Alben übertragen Sie als TAR-Archiv auf den lokalen Rechner. Audioserve eignet sich hervorragend, um auf dem lokalen Raspberry Pi die heimische Musiksammlung bereitzustellen. Aufgrund der rudimentären Zugangskontrolle sollten Sie aber darauf achten, dass der Dienst wirklich nur im heimischen Netz bereitsteht.

Audioserve 0.13.0

 

Lizenz: Freeware

Quelle: https://github.com/izderadicka/audioserve

Versionsverwalter

Mit Gogs 0.12.3 betreiben Sie Github im heimischen Netz.

Git hat sich als Quasistandard für Versionskontrollsysteme etabliert, nicht zuletzt dank webbasierter Tools wie Github oder Gitlab zum einfachen Verwalten entsprechender Repositories. Mit dem in Go geschriebenen Gogs richten Sie im eigenen Netz ein Git-Repository mit Webfrontend ein. Dazu können Sie auf eines der fertigen Binärpakete zurückgreifen, die Sie auf Github finden.

Um die Oberfläche zu starten, rufen Sie Gogs mit dem Unterbefehl web auf. Beim ersten Start führt das Tool eine grundlegende Konfiguration durch. Dabei geben Sie unter anderem das Repo-Verzeichnis vor und legen die Datenbank-Engine fest, wobei das Programm MySQL, PostgreSQL und SQLite3 unterstützt. Auch Port, Domain und externe URL definieren Sie hier. Standardmäßig lauscht die Software an Port 3000 auf eingehende Verbindungen. Außerdem besteht die Möglichkeit, einen Mailserver zu hinterlegen, sodass ein Zurücksetzen des Passworts möglich ist. Einen Webserver brauchen Sie nicht, da Gogs seine eigene Web-Engine bereitstellt. In der Dokumentation auf der Projektseite finden Sie aber auch Beispiele, um das Programm mit Nginx, Lighttpd oder Apache zu kombinieren. Alle Anleitung liegen in deutscher Sprache vor.

Legen Sie ein neues Repository an, hinterlegt Gogs dort als Erstes eine README-Datei mit einer Anleitung, wie Sie die Daten von einem lokalen Git-Repository auf den Dienst übertragen. Die Software bietet alles, was Sie eventuell von Github kennen. Neben dem Repository gibt es eine Aufgabenverwaltung und ein rudimentäres Wiki. Statt der integrierten Authentifizierung ist auch eine Anbindung via LDAP, PAM oder Github möglich. Standardmäßig darf sich jeder Benutzer registrieren. Wollen Sie den Zugang beschränken, setzen Sie in der Konfiguration den Parameter DISABLE_REGISTRATION auf true. Gogs legt seine Konfiguration im Programmverzeichnis unter custom/conf/app.ini an. Die Textdatei bearbeiten Sie bei Bedarf mit einem Editor.

Gogs 0.12.3

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/gogs/gogs

Kommandokäfig

Den SSH-Zugang begrenzen Sie mit Sshcommand 0.12.0.

Der Raspberry Pi erlaubt bei Bedarf einen Zugang via SSH. In Kombination mit dem Tool Sshcommand bietet das die Möglichkeit, über einen sicheren Kanal vordefinierte Befehle auf dem System abzusetzen. Die Konfiguration gelingt dabei leicht: Sie installieren das Skript auf dem Ziel-PC und richten dann über Unterbefehle, die Sie beim Aufruf als Parameter angeben, die Zugänge ein.

So erzeugt create in Kombination mit einem Benutzernamen eine neue SSH-Konfiguration für den angegebenen Benutzer. Existiert der fragliche Account nicht, legt das Skript ihn an. Hierzu ruft es den Befehl adduser mit den entsprechenden Parametern auf. Das Tool erzeugt in diesem Schritt zusätzlich das Verzeichnis .ssh und darin die Datei authorized_keys für den Benutzer, was Root-Rechte erfordert. Darüber hinaus legt die Software die Konfigurationsdatei .sshcommand an. Darin schreibt sie den vom Benutzer ausführbaren, einzelnen Befehl. Ein weiteres Kommando erfordert ein zusätzliches Benutzerkonto. Der gemeinsame Einsatz eines Sshcommand-Kontos durch verschiedene Benutzer ist jedoch möglich.

Über den Unterbefehl acl-add hinterlegen Sie im neu erzeugten Benutzerkonto einen öffentlichen SSH-Schlüssel. Bei dieser Gelegenheit deaktiviert Sshcommand die X11- und Port-Weiterleitung für das jeweilige Konto. Verbinden sich Nutzer nun via SSH-Schlüssel mit dem Benutzerkonto, führt die Shell sofort den hinterlegten Befehl aus. Erfordert das Kommando Parameter, geben Sie diese beim SSH-Aufruf mit an. Mit dem Unterbefehl acl-remove entziehen Sie dem Benutzerkonto einen hinterlegten öffentlichen Schlüssel wieder.

Sshcommand 0.12.0

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/dokku/sshcommand

Systemprüfer

Mit System_info 3.0.4 prüfen Sie die Hardware und deren Konfiguration.

Viele RasPi-Nutzer besitzen mittlerweile mehr als nur einen Mini-PC. Stecken die Boards in Gehäusen, ermitteln Sie mit dem Shell-Skript System_info, welches Modell Sie vor sich haben. So brauchen Sie nicht jedes Mal das Gehäuse zu öffnen. Dazu bestücken Sie lediglich eine SD-Karte mit Raspbian und System_info und starten das zu prüfende Board davon. Alternativ installieren Sie das Tool direkt auf den jeweiligen SBCs. Nach dem Download aus dem Github-Repository ist System_info sofort einsatzbereit. Beim ersten Start prüft es, ob alle Abhängigkeiten erfüllt sind. Für fehlende Pakete listet das Tool die passenden Apt-Befehle auf, um diese nachzuziehen. Neben der aktuellen Version 3.0.4 für Raspbian “Buster” enthält das Archiv die Version 2.1.2 für Raspbian “Stretch”; Letztere wird aber nicht mehr weiterentwickelt.

Sind alle Abhängigkeiten erfüllt, gelangen Sie ins Hauptmenü. Dort listet die Software alle verfügbaren Prüfungen auf. Durch Eingabe der vor dem jeweiligen Test angezeigten Nummer legen Sie fest, welche Prüfungen das Tool beim späteren Lauf vornimmt. Die Palette reicht vom einfachen Test der Hardware, des Dateisystems, der Geschwindigkeit und des Netzwerks über Container und Virtualisierung bis hin zur Systemsicherheit. System_info merkt sich die Vorauswahl und schlägt diese beim nächsten Start erneut vor. Das Ergebnis zeigt es in der Standardausgabe an. Parallel legt es eine Textdatei mit dem Ergebnis im Home-Verzeichnis des aufrufenden Anwenders an, um die Resultate zu archivieren.

Das Tool greift für seine Aufgaben auf Befehle und Tools von Raspbian beziehungsweise Raspberry Pi OS zurück und benötigt unter anderem einige Bibliotheken, die nur Raspbian enthält. Über die Datei /etc/os-release prüft es die Betriebssystemversion. Auf anderen Debian-basierten SoC-Distributionen, wie etwa Armbian, läuft System_info nicht – schade eigentlich.

System_info 3.0.4

 

Lizenz: GPLv3

Quelle: https://github.com/kencormack/system_info

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