Der Aurora Store greift im Gegensatz zu den anderen beiden App-Stores direkt auf den Play Store von Google zu. Dementsprechend finden Sie hier ein ähnliches Software-Angebot wie auf einem Smartphone (Abbildung 4). Für den Zugriff nutzt Aurora entweder einen anonymen Fake-Account, oder der Nutzer meldet sich mit seinem persönlichen Google-Account an. Letzteres erlaubt die Installation von bezahlten Apps; allerdings riskiert der Anwender, dass Google den Account sperrt, da der Zugriff auf die Google-Dienste nur über die offiziellen Google-Apps erlaubt ist.

Abbildung 4: Der Aurora Store erlaubt den Zugriff auf Googles Play Store, auch ohne zwingend einen Account bei Google anlegen zu müssen. Das Angebot gleicht (bis auf Ausnahmen) dem Inhalt auf einem herkömmlichen Android-Smartphone.
Einsatz auf dem RasPi 4
In der Praxis präsentiert sich Android 11 auf dem Raspberry Pi 4 noch arg durchwachsen. Das System funktioniert im Großen und Ganzen, im Test zeigten sich jedoch noch einige Schwächen. Obwohl die Entwickler die CPU des RasPi 4 über einen Eintrag in der config.txt auf 1750 MHz übertakten, stockt und ruckelt das System immer wieder. Abstürze oder Hänger waren im Test nicht die Regel, traten aber noch zu oft auf, um von einem stabilen System sprechen zu können. Die Installation von Anwendungen aus den drei App-Stores funktionierte meist; sporadisch scheiterten jedoch alle drei Stores dabei, Kontakt mit dem Internet aufzunehmen.
Youtube lässt sich über Aurora aus dem Play Store einspielen. Die App weigert sich jedoch, zu starten, da die entsprechenden Google-Play-Dienste fehlen. Der über F-Droid installierte Open-Source-Client Newpipe stürzt beim Abspielen von Videos konsequent ab. Bei VLC hingegen kommt es auf den vom Video benutzten Codec an: Ein bei 1080p mit OGV codiertes Video spielt VLC ohne Komplikationen ab. Beim Abspielen von H.264- oder H.265-Videos kommt die Wiedergabe hingegen nach wenigen Momenten komplett ins Stocken.
Die Installation der Mediathek-Apps von ARD und ZDF funktioniert über den Aurora Store. Die ZDF-App scheitert wieder am Fehlen der Google-Play-Dienste. Die ARD-Mediathek (Abbildung 5) zeigt sich durchwachsen: Kürzere Beiträge spielt die App fast ruckelfrei ab, sobald ein Großteil des Videos gestreamt wurde. Das Abspielen längerer Beiträge gleicht hingegen eher einer beschleunigt abgespielten Dia-Präsentation. Für die Wiedergabe von Musik bietet das System jedoch ausreichend Kapazitäten. Die Audioausgabe funktioniert sowohl über die 3,5-mm-Buchse als auch über Bluetooth.

Abbildung 5: Mediatheken wie die der ARD funktionieren, dem System fehlt allerdings noch der Zugriff auf die im Raspberry Pi verbaute Hardware-Beschleunigung. Ruckler sind bei der Wiedergabe daher an der Tagesordnung.
Die Bedienung von Android 11 per Maus ist zudem ein wenig gewöhnungsbedürftig. Die wichtigsten Gesten sind das Klicken und Ziehen nach oben, um an die App-Schublade zu kommen. Zwischen den geöffneten Apps wechseln Sie über einen Klick auf den Stopp-Knopf neben dem Ein/Aus-Schalter am unteren Bildschirmrand. In Maps lässt sich das Zoomen und Verschieben von Inhalten gut testen. Mit einem einfachen gehaltenen Klick verschieben Sie den Kartenausschnitt. Klicken Sie hingegen doppelt und halten den letzten Klick, zoomen Sie in die Karte hinein und aus ihr heraus, indem Sie die Maus noch oben oder unten bewegen. Die rechte Maustaste entspricht in ihrer Funktion der linken. Das Scrollen mit dem Mausrad zeigt keine Funktion.
Fazit
Wer Interesse an der Entwicklung von Android 11 für den Raspberry Pi hat, sollte dem XDA-Developers-Forum folgen [13]. Dort informiert das OmniROM-Projekt über die letzten Neuerungen und wichtige Updates. Die an dieser Stelle verlinkte Liste mit den noch zu erledigenden Aufgaben [14] ist nicht übermäßig lang, was zeigt, dass die Raspberry-Pi-Adaption des Android-Systems weit über den Experimentierstatus hinausgewachsen ist.
Die größte Hürde dürfte in der Implementation der Hardware-Beschleunigung für die Videowiedergabe liegen. Hier hat sich im Vergleich zu vorherigen Umsetzungen von Android für den Raspberry Pi noch wenig getan. Daher hängt die Praxistauglichkeit von Android 11 auf dem RasPi nach wie vor sehr vom Einsatzzweck ab. Einfache Apps stellen das System vor keinerlei Herausforderung, als Mediacenter oder einfache Spielekonsole eignet sich der Android-RasPi jedoch noch nicht. (cla)
Infos
- Windows 10 IoT Core für Raspberry Pi: https://docs.microsoft.com/de-de/windows/iot-core/tutorials/rpi
- Android Open Source Project: https://source.android.com
- F-Droid: https://f-droid.org
- Aurora Store: https://auroraoss.com/app_info.php?app_id=1
- MicroG: https://microg.org
- Open GApps: https://opengapps.org
- OmniROM: https://opengapps.org
- LineageOS: https://www.lineageos.org
- OmniROM für RasPi 4: https://dl.omnirom.org/tmp/rpi4/
- Installationshinweise: https://dl.omnirom.org/tmp/rpi4/README.txt
- Raspberry Pi Imager: https://www.raspberrypi.org/downloads
- Chromecast mit Google TV: https://store.google.com/product/chromecast_google_tv?gl=DE
- XDA-Developers-Forum: https://forum.xda-developers.com/raspberry-pi/orig-development/omnirom-android-r-11-pi-4-t4183121
- To-do-Liste: https://github.com/maxwen/android_device_brcm_rpi4/blob/android-11/TODO
- Firmware aktualisieren: https://www.tomshardware.com/how-to/boot-raspberry-pi-4-usb





