Aus Raspberry Pi Geek 02/2021

OmniROM mit Android 11 auf dem Raspberry Pi 4

© besjunior, 123RF

Roboter trifft Himbeere

Christoph Langner

Im Universum rund um den Raspberry Pi dominiert Linux, andere Betriebssysteme spielen kaum eine Rolle. OmniROM verspricht mit einer neuen Adaption von Android 11 Abwechslung.

GNU/Linux in Form von Raspberry Pi OS (das frühere Raspbian) ist das offizielle Betriebssystem für den Raspberry Pi. Neben dem Vorzeige-Linux gibt es inzwischen zahlreiche andere Distributionen, die dem RasPi Leben einhauchen. Hersteller anderer Betriebssysteme wagen sich dagegen nur zögerlich auf den Mini-Computer. Von Microsoft gibt es mit Windows 10 IoT Core nur eine sehr abgespeckte Windows-Variante, die zudem auf eine grafische Oberfläche verzichtet [1]. Von Apple wird wohl kaum jemand ein MacOS für den Raspberry Pi erwarten.

Googles Android-System hätte auf dem Raspberry Pi jedoch durchaus Potenzial: Wie praktisch alle Smartphones arbeitet auch der RasPi mit einem ARM-Prozessor, was die Portierung des Systems auf den Single-Board-Computer vereinfacht. Große Teile von Android sind zudem freie Software, die das Android Open Source Project [2] verwaltet. Es gibt daher bereits eine äußerst rege Entwickler-Community, die eigene Android-Distributionen bereitstellt, meist in Form von Custom-ROMs für spezielle Geräte.

Eingeschränkt frei

Der Haken an der Sache: Der Betriebssystemkern, die grafische Oberfläche und ein paar wenige Android-Apps sind freie Software; die meisten Google-Dienste – vom Play Store über Google-Anwendungen wie Gmail oder Maps bis hin zu wichtigen Hintergrunddiensten – zählen jedoch nicht dazu. Das schränkt den Nutzen alternativer Android-Projekte ein. Große Konzerne wie zum Beispiel Huawei, mit denen Google aufgrund von Handelsbeschränkungen keine Geschäfte mehr machen darf, kompensieren mit Eigenentwicklungen das Verbot, die Google-Dienste in ihre Geräte zu integrieren.

Ähnlich verfährt die Open-Source-Community rund um Android. Unabhängige App-Stores wie F-Droid [3] pflegen Repositories mit freier Android-Software. Andere Projekte, wie der Aurora Store [4], ermöglichen den Zugriff auf Googles Play Store, ohne dass der Nutzer zwingend einen Google-Account benötigt. Schließlich gibt es mit MicroG [5] und den Open GApps [6] Initiativen, das proprietäre Google-Framework als freie Software nachzubauen oder die offiziellen Google-Dienste zum Nachrüsten zur Verfügung zu stellen. Letztendlich muss aber klar sein: Je näher sich Entwickler den offiziellen Google-Diensten nähern, desto tiefer tauchen sie in eine juristische Grauzone ein, da sowohl Nutzer als auch Entwickler dabei Gefahr laufen, die Nutzungsbedingungen des Internet-Riesen zu brechen.

Android für Raspberry

OmniROM [7] gehört zu den Urgesteinen der Custom-ROM-Szene. Das System ging aus CyanogenMod hervor, als das Projekt anfing, kommerzielle Interessen zu verfolgen. So gab es zum Beispiel 2014 eine Zusammenarbeit mit dem chinesischen Smartphone-Hersteller OnePlus, aus der das mit CyanogenMod ausgestattete OnePlus resultierte. Damals trennte sich eine Reihe wichtiger Entwickler vom Projekt und gründete OmniROM. CyanogenMod selbst stellte Ende 2016 seine Tätigkeiten ein, lebt aber in Form von LineageOS [8] weiter.

Genug der Historie: OmniROM auf Basis von Android 11 gibt es nun ganz offiziell auch für den Raspberry Pi. Aktuell beschränkt sich das Projekt auf Builds für die vierte Generation des SBCs. Die Installation erfolgt über Images, die Sie lediglich auspacken und auf eine SD-Karte transferieren müssen [9]. Die Entwickler unterscheiden zwischen Images, die auf [...]-MICROG.zip enden, und solchen, deren Name mit [...]-WEEKLY.zip abschließt. Bei den MicroG-Abbildern wurde der freie Google-Framework-Ersatz MicroG bereits integriert. Die Weekly-Images dagegen sind für die Open GApps [6] gedacht, die aber ihrerseits Android 11 noch nicht final unterstützen. Für Tests sollten Sie daher aktuell zur MicroG-Variante greifen.

Aktuelle Firmware

Die Entwickler von OmniROM empfehlen, vor der Installation von Android die Firmware des Raspberry Pi auf den neuesten Stand zu bringen. Dafür installieren Sie ein Raspberry Pi OS und folgen dann einer der vielen Anleitungen [15].

Die Installationshinweise [10] geben eine Mindestgröße von 8 GByte für die Speicherkarte an. In unserem Test brach der Raspberry Pi Imager [11] den Schreibvorgang jedoch bei einer 8-GByte-Karte aufgrund von zu wenig Speicherplatz ab. Unter Linux mit Dd funktionierte der Schreibvorgang auf dieselbe Karte, beim Starten blieb das System jedoch im Bootscreen hängen. Erst mit einer 16 GByte großen Speicherkarte konnte der Raspberry Pi das OmniROM erfolgreich booten (Abbildung 1).

Abbildung 1: Android 11 in Form von OmniROM auf dem Raspberry Pi 4. Die Software-Auswahl ist zu Beginn spartanisch, drei App-Stores bieten jedoch eine ausreichend große Auswahl.

Abbildung 1: Android 11 in Form von OmniROM auf dem Raspberry Pi 4. Die Software-Auswahl ist zu Beginn spartanisch, drei App-Stores bieten jedoch eine ausreichend große Auswahl.

Nach einer kurzen Boot-Animation lädt das System in den Tablet-Modus. Eine Wahlmöglichkeit zwischen der Smartphone-Ansicht oder gar dem Android-TV-Modus, der etwa beim neuen Chromecast mit Google TV [12] zum Einsatz kommt, gibt es nicht. Der Bildschirm bleibt bis auf die Suchleiste praktisch leer. Die voreingestellt englische Lokalisierung lässt sich über Settings | System | Languages & input | Languages schnell auf Deutsch umstellen. Das Layout der Tastatur passen Sie danach in demselben Dialog unter Physische Tastatur an.

Drei App-Stores zur Wahl

Die Grundausstattung des Systems ist anfangs recht spärlich (Abbildung 1). Es gibt einen Dateimanager, ein Adressbuch sowie eine Reihe von Konfigurationswerkzeugen. Eingaben über eine per USB angeschlossene Tastatur- und Maus-Kombination funktionieren ohne Probleme. Für die Installation weiterer Anwendungen stehen mit F-Droid, dem OmniStore sowie dem Aurora Store gleich drei App-Stores zur Verfügung.

Abbildung 2: Die App-Schublade ziehen Sie per Fingerzeig von unten nach oben vom Desktop aus auf. In der Standardinstallation fehlen noch wichtige Programme wie etwa ein Browser.

Abbildung 2: Die App-Schublade ziehen Sie per Fingerzeig von unten nach oben vom Desktop aus auf. In der Standardinstallation fehlen noch wichtige Programme wie etwa ein Browser.

F-Droid führt ausschließlich Open-Source-Anwendungen, demzufolge müssen Sie sich bei diesen Apps keine Gedanken um Lizenzen machen (Abbildung 3). Im OmniStore pflegt das Projekt zentrale Anwendungen wie Chromium (siehe Kasten “Fenec statt Chromium”), Taschenrechner, Kalender sowie eine Galerie und eine Uhr. Die Entwickler integrieren diese Apps nicht direkt in das Image, um die Dateigröße des Abbilds zu reduzieren und die Apps unabhängig vom System aktualisieren zu können.

Abbildung 3: Der F-Droid-Store führt ausschließlich Open-Source-Apps. Hier finden Nutzer alte Bekannte wie Firefox (in Form von Fenec) oder Nextcloud, aber auch zahlreiche andere kleine Helferlein und Tools.

Abbildung 3: Der F-Droid-Store führt ausschließlich Open-Source-Apps. Hier finden Nutzer alte Bekannte wie Firefox (in Form von Fenec) oder Nextcloud, aber auch zahlreiche andere kleine Helferlein und Tools.

Fenec statt Chromium

Die To-do-Liste und auch die Präsentation des Projekts im XDA-Developers-Forum erwähnen noch Bugs in Chromium. Im Test ließen sich die Probleme nachvollziehen: Der Browser zeigt keine Inhalte an. Für den Zugang zum Internet installieren sie daher besser Fenec (einen von Mozilla losgelösten Fork des Firefox-Browsers) über den F-Droid-Store.

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