Aus Raspberry Pi Geek 02/2021

Einsteiger-3D-Drucker von Fischertechnik

© Maruna Skoropadska, 123RF

Plastisch

Martin Mohr

Wer einen günstigen Einstieg in die Welt des 3D-Drucks sucht, liegt mit dem Bausatz von Fischertechnik goldrichtig.

Der Fischertechnik 3D-Printer [1] soll einen leichten Einstieg in die Welt des 3D-Drucks ermöglichen. Er eignet sich auch hervorragend für die Ausbildung. Wie von Fischertechnik gewohnt, überzeugt das Gerät mit einem robusten Aufbau. Geht ein Einzelteil kaputt, lässt es sich nachbestellen und so der Drucker reparieren. Der Aufbau des Druckers fällt dabei so flexibel aus, dass er sogar die unkomplizierte Integration von Komponenten anderer Hersteller [2] erlaubt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Alternative Extruder: Der Fischertechnik 3D-Drucker erlaubt auch den Einsatz einiger Extruder, die sich mit einem Adapter anschließen lassen.

Abbildung 1: Alternative Extruder: Der Fischertechnik 3D-Drucker erlaubt auch den Einsatz einiger Extruder, die sich mit einem Adapter anschließen lassen.

Die detaillierten Spezifikationen des 3D-Druckers finden Sie in der Tabelle “Technische Daten im Überblick”. Die angegebenen Außenmaße beziehen auch den Filamenthalter mit ein, ohne diesen ist der Drucker nur 40 statt 60 Zentimeter tief. Einen ersten Eindruck des Fischertechnik-3D-Druckers vermittelt ein Produktvideo des Herstellers [3].

Druckraum

115 x 100 x 65 mm

Druckgeschwindigkeit

37 mm/s

Positionierungsgenauigkeit (x/y)

0,1 / 0,1 mm

Schichtdicke (min.)

0,2 mm

Düsendurchmesser

0,5 mm

Material

PLA

Max. Extrudertemperatur

220 Grad Celsius

Leistungsaufnahme

120 Watt

Gewicht

6 kg

Außenmaße

45 x 60 x 36 cm

Erste Schritte

Beim Kauf lohnt es sich, die Preise ein wenig zu beobachten, da sie recht stark schwanken. Die Spanne reicht von 700 Euro bis unter 300 Euro im Sonderangebot. Da bei diesem Produkt nicht die Gefahr besteht, einen China-Klon zu bekommen, dürfen Sie bedenkenlos zum günstigsten Angebot greifen. Zusammen mit dem Drucker erhalten Sie eine kleine Menge PLA-Filament, die aber gerade einmal für einen ersten Funktionstest ausreicht. Am besten bestellen Sie direkt eine 500-Gramm-Rolle mit.

Beim Zusammenbau lässt sich wie immer bei Fischertechnik nichts an der Anleitung aussetzen; sie ist übersichtlich aufgebaut und gut verständlich. Es macht eine Menge Spaß, das aus 890 Teilen bestehende Technikpuzzle zusammenzusetzen. Die einzige Ausnahme bildet hier die Antriebskette, die aus gefühlt unendlich vielen Gliedern besteht. Der komplett aufgebaute Drucker (Abbildung 2) erweckt einen stabilen Eindruck, nichts wackelt – Grundvoraussetzung für eine befriedigende Qualität der Ausdrucke.

Abbildung 2: Der komplett aufgebaute Fischertechnik-3D-Drucker.

Abbildung 2: Der komplett aufgebaute Fischertechnik-3D-Drucker.

Nach dem Zusammenbau schließen Sie den Drucker per USB an einen Windows-PC an. Vergessen Sie nicht, auch das Netzteil des Druckers an die Spannungsversorgung anzuschließen. Als Nächstes installieren Sie die Software 3D Print Control, die das Slicing sowie das Ansteuern des Druckers übernimmt (Abbildung 3). Das Programm erlaubt das manuelle Steuern des Druckers, inklusive voller Kontrolle über alle Antriebe sowie die Heizung des Extruders. Eine genaue Beschreibung der Software finden Sie im Begleitheft zum Drucker [4].

Abbildung 3: Die Windows-Software 3D Print Control erlaubt das kinderleichte Bedienen des 3D-Druckers.

Abbildung 3: Die Windows-Software 3D Print Control erlaubt das kinderleichte Bedienen des 3D-Druckers.

Erster Druck

Vor dem ersten Druck gilt es, die Z-Achse zu justieren, um die Qualität der folgenden Ausdrucke sicherzustellen. Wie das genau vonstattengeht, erklärt das Begleitheft [4]. Für den ersten Druck sollten Sie ein einfaches Modell verwenden. Ein Einkaufswagen-Chip (Abbildung 4) eignet sich hierfür gut.

Abbildung 4: Der frisch ausgedruckte Einkaufswagen-Chip.

Abbildung 4: Der frisch ausgedruckte Einkaufswagen-Chip.

Laden Sie dafür die STL-Datei von Thingiverse herunter [5] und öffnen Sie sie in 3D Print Control. Klicken Sie nun auf den Button Verbinden oben links. Ein Farbwechsel auf Grün signalisiert die Verbindung zum 3D-Drucker. Nun wählen Sie den Reiter Slicer auf der rechten Seite und klicken dort auf Slice mit Slic3r. Übernehmen Sie die dort vordefinierten Einstellungen ohne Änderung. Nach dem Beenden des Slicens wechselt die Software automatisch in die Druckvorschau. Dort klicken Sie dann auf den Schalter Drucken, woraufhin der Ausdruck beginnt.

Beim Fischertechnik 3D-Drucker kommen Sie also schnell von einem 3D-Modell bis zum Ausdruck. Das Bedienen anderer 3D-Drucker fällt häufig viel aufwendiger aus.

Erfahrungen

Hin und wieder kam es im Betrieb zu kleineren Problemen. Falls der Drucker komplett den Dienst versagt, sollten Sie als Erstes einen Blick auf die wechselbare Schmelzsicherung des Geräts werfen. Achten Sie immer auf eine gute Schmierung aller Schneckenantriebe, am besten verwenden Sie Silikonfett. Ansonsten fangen zuweilen die Achsen zu ruckeln an, was sich negativ am Ausdruck bemerkbar macht.

Den Hinweis des Herstellers, nur Originalfilament zu verwenden, sollten Sie durchaus beherzigen. Es ist auf einen Temperaturbereich von 190 bis 215 Grad Celsius ausgelegt. Standardmäßig verwendet der Drucker eine Temperatur von 195 Grad Celsius. Verwenden Sie beispielsweise ein Filament, das erst ab 200 Grad Celsius richtig arbeitet, verstopft das die Düse sehr schnell. Glücklicherweise lässt sich der Extruder komplett auseinanderbauen und wieder funktionsfähig zusammensetzen, was so bei vielen Produkten aus China nicht funktioniert.

Die Buildtack-Druckunterlage nimmt mit der Zeit Schaden. Es sieht so aus, als würde sich das heiße Filament durch die Oberfläche brennen. Die Werkstücke lassen sich dann oft nur mit viel Kraft wieder lösen. Es empfiehlt sich deswegen, das Druckbett mit einem Kreppband zu bekleben. Das sorgt zum einen dafür, dass das Filament haftet, lässt sich aber auch leicht wieder lösen. Geht das Kreppband bei dieser Prozedur kaputt, tauschen Sie es mit wenigen Handgriffen aus. Der Autor empfiehlt dafür das Malerkrepp von Nopi.

Zu Beginn fällt es nicht so auf, aber der Fischertechnik 3D-Drucker arbeitet ziemlich laut. Lärmempfindlichen Menschen dürfte es deswegen auf Dauer schwerfallen, neben dem laufenden Drucker zu arbeiten. Der Filament-Halter wackelt etwas. Mit der mitgelieferten Proberolle gab es noch kein Problem, bei einer 500-Gramm-Rolle sieht das aber schon anders aus.

Fazit

Für Fischertechnik-Freunde führt am 3D-Printer aus diesem Haus quasi kein Weg vorbei. Für den Einstieg in die Welt des 3D-Drucks oder die Ausbildung eignet er sich beinahe perfekt. Er erfüllt alle Anforderungen an ein Einstiegsgerät, nicht zuletzt wegen seiner Fehlertoleranz und der hohen Flexibilität. Die Ausdrucke sind vollkommen in Ordnung, der Aufbau macht einfach Spaß.

Allerdings stößt der Fischertechnik 3D-Drucker bei professionelleren Arbeiten auch schnell an seine Grenzen. Der Bauraum fällt relativ klein aus, die Genauigkeit wie auch die Geschwindigkeit halten dem Vergleich mit einem Profi-Drucker nicht stand.

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