Aus Raspberry Pi Geek 07-08/2020

Platinen professionell produzieren lassen (Seite 3)

Besonders einfach gestaltet Aisler den Bestell-Workflow. Schon ohne Anmelden lässt sich die PCB-Datei Ihres KiCad-Projekts (Endung .kicad_pcb) hochladen. Das dauert einen Moment, denn Aisler analysiert schon während des Vorgangs die Platine und macht sofort einen Vorschlag hinsichtlich Ausführung und Kosten (Abbildung 4). Diverse Ansichten der Platine, zum Beispiel der Lötstoppmaske (Abbildung 5), erlauben das visuelle Prüfen des Ergebnisses.

Abbildung 4: Schon während des Hochladens analysiert die Bestell-Software von Aisler die PCB-Datei und liefert einen Kostenvoranschlag.

Abbildung 4: Schon während des Hochladens analysiert die Bestell-Software von Aisler die PCB-Datei und liefert einen Kostenvoranschlag.

Abbildung 5: Verschiedene Sichten unterstützen Sie beim Beurteilen des Bauteils.

Abbildung 5: Verschiedene Sichten unterstützen Sie beim Beurteilen des Bauteils.

Die Kosten richten sich nur nach der Fläche der Platine und der Anzahl der Lagen. Als Mindestbestellmenge sieht der Produzent drei Platinen vor, was sich in Dreierschritten ändern lässt. Einen Mengenrabatt gibt es nicht. Voreingestellt auf der Bestellung ist auch eine Spende von zwei Euro an KiCad.

Versandkosten fallen nicht an, der Versand erfolgt als Brief ohne Sendungsverfolgung. Teurere Alternativen mit schneller Lieferung bietet Aisler ebenfalls, genauso wie das Mitliefern der benötigten Bauteile. Allerdings scheint das Unternehmen hier nur SMD-Komponenten zu unterstützen.

Der Rest des Bestellprozesses gestaltet sich sehr einfach. Sie melden sich über eine einfache Maske an, wahlweise auch mit einem Github-Account. Das Erteilen einer Einzugsermächtigung klappt dann über das persönliche Profil, auch im Nachgang zu einer Bestellung. Die Lieferzeit betrug bei zwei Aufträgen jeweils unter einer Woche.

Die Kosten für den Pi-PIC-Proto-HAT lagen in Summe bei 26 Euro für drei Platinen. In Relation zum geschätzten Aufwand für das Selbermachen mit Ätzen und Bohren von einem Tag fällt der Preis recht günstig aus – ganz abgesehen davon, dass die zweite Lage das Design deutlich vereinfacht. Und schöner ist eine professionelle Platine allemal (Abbildung 6).

Abbildung 6: Die auftragsgefertigte und best&uuml;ckte Platine des Pi-PIC-Proto-HAT mit der Schaltung aus <a href="#artRef-f3">Abbildung&nbsp;3</a>.

Abbildung 6: Die auftragsgefertigte und bestückte Platine des Pi-PIC-Proto-HAT mit der Schaltung aus Abbildung 3.

Alternativen

Angesichts des einfachen Ablaufs und des günstigen Preises verzichteten wir auf weitere Bestellungen bei anderen Anbietern in Deutschland. Wenn Sie für ein Angebot erst die Dateien per E-Mail an den Anbieter senden müssen, dann dauert der Gesamtprozess so lange, dass Sie gleich in China bestellen können.

Dort gibt es diverse Anbieter wie PCBWay [11], die ganz analog wie Aisler per einfachem Upload über das Web Aufträge annehmen. Testweise bestellten die Autoren allerdings beim Konkurrenten JLCPCB [12]. Hier waren die Benutzerfreundlichkeit der Webseite sowie die verfügbaren Informationen einfach besser (Abbildung 7).

Abbildung 7: Alternative aus Fernost: der Bestellprozess bei JLCPCB.

Abbildung 7: Alternative aus Fernost: der Bestellprozess bei JLCPCB.

So weist JLCPCB eindeutig auf Zollgrenzen je Zielland hin. Außerdem gibt es einfache Anleitungen, wie Sie beispielsweise aus KiCad heraus die Dateien im Gerber-Format exportieren, in ein ZIP-Archiv packen und dann hochladen. Insgesamt war aber der Ablauf nicht so komfortabel wie bei Aisler. Es erforderte mehrere Anläufe beim Hochladen, da Änderungen an den Produktionsoptionen immer wieder dazu führten, dass die Webanwendung die schon hochgeladenen Dateien “vergaß”.

JLCPCB wirbt mit Platinenkosten ab 2 US-Dollar. Das betrifft allerdings bleihaltige Boards, die man deshalb nicht nach Deutschland einführen darf. RoHS-konforme Platinen kosten aber nicht wesentlich mehr.

Auch bei JLCPCB hängen die Kosten der Platine von deren Größe ab, allerdings zahlen Sie bis 10 Zentimeter Kantenlänge und fünf Exemplaren einen festen Preis. Deshalb fallen die Preise für kleine Platinen bis etwa zur Größe eines Pi-Zero-HATs nicht günstiger aus als bei Aisler, außer Sie benötigen tatsächlich fünf Exemplare. Bei Platinen in voller HAT-Größe sparen Sie allerdings gegenüber einer Fertigung bei Aisler die Hälfte der Kosten. Sie warten dann aber mehr als dreimal so lange, bis Sie die Platinen in Händen halten.

Fazit

Wirklich Arbeit macht bei einer professionellen Platine, abhängig von der Routine des Bastlers und den verwendeten Tools, nur das eigentliche Platinenlayout. Das Problem teilen aber auch alle, die ihre Streifenrasterplatinen sauber entwerfen und dokumentieren möchten. Und Letztere machen dann beim Bestücken viel mehr Arbeit, denn neben dem Verlöten der Bausteine müssen Sie ja in aller Regel noch Leiterbahnen sorgfältig trennen und zusätzliche Verbindungen per Draht herstellen.

Der eigentliche Bestellprozess einer maßgeschneiderten Platine fällt nicht schwieriger aus als jede andere Bestellung im Internet. Die Kosten halten sich in Grenzen, außer Sie benötigen mehrere Iterationen, bis die Platine tatsächlich das tut, was Sie möchten. Das kommt zwar durchaus vor, aber dank der schnellen Lieferung innerhalb Deutschlands zieht sich das Projekt deswegen nicht unnötig in die Länge.

Das Auge lötet auch mit, und schöne Platinen erweitern die Möglichkeiten für jeden Maker. Deshalb stehen bei den Autoren auch schon Ideen für weitere Platinen in der Warteschlange für die Auftragsfertigung. (tle/jlu)

Die Autoren

Bernhard Bablok (mailto:[email protected]) arbeitet bei der Allianz Technology SE als SAP-HR-Entwickler. In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit Themen rund um Linux, Programmierung und Mini-PCs. Bei dem leidenschaftlichen Elektronikbastler Lothar Hiller, Ingenieur für Nachrichtenbetriebsdienst im Ruhestand, geht der Lötkolben fast nie aus. Er programmiert Mikrocomputer wie PICs in Assembler.

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