Aus Raspberry Pi Geek 07-08/2020

Mit Vuescan einen RasPi als Scanner-Station nutzen (Seite 3)

In Vuescan können Sie in den Varianten Basic und Professional für Drucker, Scanner und Filme entsprechende Profile anlegen. Dazu benötigen Sie die für das jeweilige Endgerät erhältliche IT8-Referenzkarte sowie die dazugehörige Datei. Im Reiter Quelle wählen Sie im Feld Funktion: das Anlegen eines Profils aus.

Im nächsten Schritt scannen Sie die gerätespezifische Farbtabelle über die Vorschau-Schaltfläche ein und legen im Vorschausegment des Programmfensters das angezeigte Kachelraster deckungsgleich über die Farbtafeln. Achten Sie beim Einscannen der Referenzkarte darauf, dass diese seitenrichtig auf dem Scannerglas liegt. Danach klicken Sie oben in der Menüzeile von Vuescan auf die Option Profil und dort auf den entsprechenden Geräteeintrag zum Anlegen des Profils.

Im sich nun öffnenden Reiter Farbe geben Sie im Auswahlfeld IT8-Daten den Datenpfad zur Referenzdatei an, die Sie für Ihr Gerät mit der Referenzkarte erhalten haben. Vuescan erstellt daraufhin die Profildatei mit der Erweiterung .icc, die Sie später als Profil auswählen können, um eine möglichst farbgetreue Wiedergabe der Vorlagen zu erhalten.

Möchten Sie diese Datei in einem bestimmten Pfad ablegen oder mit einem neuen Namen versehen, nehmen Sie entsprechende Einstellungen im Feld ICC-Profil vor. Bei künftigen Scan-Vorgängen rufen Sie die Konfiguration für das betreffende Gerät auf, indem Sie im Reiter Farbe im Auswahlfeld Farbraum die Option ICC Profile wählen und anschließend im Feld ICC-Profil die ICC-Datei für das Gerät angeben (Abbildung 4).

Abbildung 4: Vuescan kommt auch problemlos mit professionellen ICC-Profilen zurecht und sorgt so für eine einheitliche Darstellung von Farben über mehrere Ein- und Ausgabegeräte hinweg.

Abbildung 4: Vuescan kommt auch problemlos mit professionellen ICC-Profilen zurecht und sorgt so für eine einheitliche Darstellung von Farben über mehrere Ein- und Ausgabegeräte hinweg.

Texterkennung

Die Professional-Variante von Vuescan verfügt außerdem über eine OCR-Engine, mit der Sie Textvorlagen einscannen und deren Inhalte in eine Textdatei exportieren. Um die automatische Texterkennung zu aktivieren, setzen Sie zunächst im Reiter Ergebnis des Konfigurationsdialogs hinter der Option OCR-Textdatei: ein Häkchen.

In diesem Dialog stellen Sie den Zielpfad zur Ablage der Textdatei ein und geben vor, wie Vuescan die Datei benennen soll. Anschließend scannen Sie das Dokument ein. Sobald es im rechten Fenstersegment erscheint, klicken Sie auf den Menüeintrag Bearbeiten und wählen die Option OCR-Text kopieren.

Vuescan wandelt nun die Bilddatei mithilfe der OCR-Engine in eine Textdatei um und legt diese am angegebenen Speicherort ab. Sofern Sie auch eine Bilddatei generiert haben, finden Sie im Zielverzeichnis anschließend zwei Files. Dabei legt Vuescan die Textdatei ohne Formatierung an, sodass Sie sie mit jedem gängigen Texteditor laden und weiterverarbeiten können.

Im Einsatz

Im Vergleich mit der PC-Version von Vuescan unter Linux fällt die Software auf dem Raspberry Pi 4 in der Leistung kaum ab. Lediglich bei großen mehrseitigen Dokumenten empfiehlt sich zum Speichern der Ergebnisse eine externe, über den USB-Bus angeschlossene SSD, da die interne Speicherkarte des RasPi in solchen Anwendungsfällen schnell überlastet ist.

Möchten Sie viele Dokumente einscannen und anschließend per Texterkennung erfassen, um den Inhalt in eine herkömmliche Textdatei zu konvertieren, müssen Sie allerdings etwas mehr Zeit einplanen, da die OCR-Engine die CPU des RasPi 4 gut auslastet.

Fazit

Vuescan macht einen Raspberry Pi zur vollwertigen Scanner-Station, wobei das Programm sogar mehrere Scanner ohne Umkonfiguration unterstützt. Die Entwickler bieten die RasPi-Version in denselben Varianten und Versionen an wie für Desktop-Computer, sodass es funktionell keine Unterschiede gibt.

Vuescan arbeitet auch auf dem Raspberry Pi unter Raspbian zügig und sehr stabil und liefert dabei ansprechende Ergebnisse. Allerdings empfiehlt sich bei stärkerer Auslastung entweder eine große und möglichst schnelle interne Micro-SD-Karte oder gleich eine über die USB-3.0-Schnittstelle angeschlossene SSD zum Speichern umfangreicher Bilddateien.

Lediglich für rechenintensive OCR-Aufgaben eignet sich das Gespann aus RasPi 4 und Vuescan weniger. Entsprechende Aktionen bringen die CPU an ihre Belastungsgrenze, was sich nicht nur in einer relativ langen Bearbeitungszeit der Daten widerspiegelt, sondern auch in einer sehr starken Erwärmung der gesamten Platine. In solchen Fällen sollten Sie auf eine gesonderte Kühlung des Kleincomputers achten. 

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