Startseite>Aktuelle Hardware im Kurztest
Aus Raspberry Pi Geek 04/2020

Aktuelle Hardware im Kurztest

Ausgepackt

Bernhard Bablok

Pollin IR On/Off-HAT macht Ärger, Akku-Stromversorgung Adafruit Powerboost 1000C, vielseitige Pirate-Audio-HATs von Pimoroni, pfiffiger 5-Wege-Taster von Cytron.

Ferngeschaltet

Der IR On/Off-HAT von Pollin will das saubere Ein- und Ausschalten eines RasPi erleichtern, patzt dabei aber.

Der IR On/Off-HAT verspricht das Ein- und Ausschalten eines RasPi per Fernbedienung und Taster. Dabei soll er den SBC nicht hart vom Strom trennen, sondern erst, nachdem er sauber heruntergefahren ist. Doch das klappt nicht: Bei laufendem RasPi schaltet sowohl ein Signal der Fernbedienung als auch ein Druck auf den Taster den Strom hart ab. Schon die Installationsanleitung für die aktuelle Version 2 der Platine führt zum Grübeln: Während die Anleitung für die erste Version noch unter anderem das Overlay power-off erwähnte, beschränkt sich die aktuelle Ausgabe der Anleitung auf die Installation einer Software, die per Endlosschleife aus /etc/rc.local heraus einen Pin überwacht. Damit beweist der Hersteller, dass es ihm an grundlegenden Linux-Kenntnissen mangelt. Zudem ändert das Nachrüsten der notwendigen Overlays in der /boot/config.txt nichts daran, dass der HAT nicht funktioniert.

Die an sich gut verarbeitete Platine stellt sogar Messpunkte für die notwendigen Leitungen bereit: in Richtung RasPi für das Shutdown-Signal, Richtung Platine für die Meldung nach dem Shutdown sowie Masse und Spannung. Eine Kontrolle per Multimeter zeigt aber, dass der HAT weder den Shutdown an den RasPi meldet noch auf ein irgendwie geartetes Signal seitens des Mini-Rechners reagiert. Stattdessen schaltet er sofort nach dem Drücken der Fernbedienung den Strom ab.

Was bleibt, ist ein teurer Fernschalter für den RasPi, dessen Funktion auch jede billige Funksteckdose übernehmen könnte. Berichte in diversen Foren im Internet zeigen, dass es sich nicht um ein Versagen der gelieferten Platine handelt, sondern um ein prinzipielles Problem des IR On/Off-HAT v2. Pollin ersetzte zwar auf Reklamation hin den Kaufpreis, nahm aber das Produkt trotz detaillierter Fehlerbeschreibung nicht aus dem Programm.

IR On/Off-Hat

Preis: 19 Euro

Bezugsquelle: Pollin

Ladeelektronik

Der Powerboost 1000C von Adafruit regelt die Versorgung des RasPi über einen Lithium-Ionen-Akku.

Viele Projekte für den Pi Zero nutzen Lithium-Polymer-Akkus für die Stromversorgung. Ein Konverter erzeugt aus der Akkuspannung (voll etwa 4,2 V, leer um die 3 V) die für den RasPi notwendige Betriebsspannung von 5 V. Die empfindlichen Akkus leiden aber unter Tiefentladung, und dem RasPi tut es ebenfalls nicht gut, wenn die Spannung am Ende der Kapazität des Akkus abrupt abfällt. Eine entsprechende Steuerelektronik ist also notwendig. Adafruit packt deshalb auf seinen Powerboost 1000C alle Funktionen, die das Bastlerherz begehrt. Der Konverter liefert konstante 5,2 V mit maximal 1 A und fängt sowohl Spannungsabfall an Leitungen als auch kurze Leistungsspitzen ab. Sinkt die Akkuspannung unter 3,2 V, dann leuchtet nicht nur eine rote Warn-LED, sondern das Board zieht den LBO-Anschluss (low battery out) auf Masse. Das ermöglicht ein sauberes Herunterfahren.

Als weiteren Vorteil bietet das Board einen Ladeanschluss per MicroSD-Buchse samt Elektronik. Liegt hier Spannung an, schaltet die Elektronik von Akku- auf Netzbetrieb um und lädt parallel den Akku – vorausgesetzt, das Netzteil ist dementsprechend dimensioniert. Auch der umgekehrte Weg funktioniert, wodurch das Bauteil als Mini-USV durchgeht. Im Ladebetrieb erwärmt sich die Platine recht stark und benötigt deshalb eine ausreichende Belüftung. Es gibt auch einen Enable-Pin, der bei Bedarf die Spannung am Ausgang abschaltet. Zu guter Letzt simulieren Spannungsteiler an den USB-Datenleitungen den Lader von Apple, wodurch sich das kleine Teil als Powerpack für entsprechende Geräte eignet. Genügen eine Ausgangsspannung von 5,2 V und 500 mA Ladestrom, greifen Sie zum 5 Euro billigeren Powerboost 500C.

Powerboost 1000C

 

Preis: 21 Euro

Bezugsquelle: Pimoroni.de

Audio-HATs

Die Pirate-Audio-HATs von Pimoroni verwandeln einen Pi Zero in eine Musikbox.

Pimoroni hat vier HATs für den Pi Zero unter dem Stichwort Pirate Audio herausgebracht. Der Name spielt auf den als Logo dienenden Piratenkopf an. Allen Module verfügen über einen I2S-DAC sowie einen Mini-Bildschirm und vier Buttons. Das Farb-LCD mit 1,3 Zoll Diagonale bildet 240 x 240 Pixel ab. Die hier abgebildete Version hat einen eingebauten Mono-Speaker. Daneben gibt es noch einen HAT mit Kopfhörerbuchse, einen HAT mit Anschlüssen für zwei kleine Stereolautsprecher sowie eine Variante ohne Mini-Verstärker für den direkten Anschluss an ein System mit eigenem Verstärker.

Pimoroni stellt auf dem Github-Repository [1] ein Skript bereit, dass auf Raspbian Lite den Musik-Server Mopidy installiert. Dank eines passenden Plugins steuern Sie dann die Wiedergabe direkt am HAT, während das Display das Cover zeigt. Allerdings benötigen Sie für die Auswahl der Musik ohnehin einen Mopidy-Client (Web oder App), und dann sind Tasten und Display eigentlich überflüssig. Interessanter sind die Beispiele im Repository: Sie zeigen, wie Sie Display und Buttons ansteuern. Da der verwendete I2S-DAC kompatibel mit den beliebten Hifiberry-Platinen ist, fördert eine kleine Recherche im Web die korrekte Alsa-Konfiguration zu Tage.

Einfache Audioausgabe, ein paar Tasten und ein ordentliches Display – mehr erfordert das Interface vieler kleiner Projekte nicht. Völlig ohne eigene Forschung zum Ansteuern geht es zwar nicht, aber darin liegt auch das kreative Potenzial der Pirate-Audio-HATs.

Pirate Audio

 

Preis: 23 Euro

Bezugsquelle: Pimoroni

5-Wege-Taster

Der 5-Wege-Taster von Cytron punktet mit guter Verarbeitung und sauberer Dokumentation.

Cytron bietet ein kleines Breakout-Board mit einem Taster an, der auch nach oben, unten, links und rechts beweglich ist. In jede Richtung gibt der Button ein sauberes haptisches Feedback, und eignet sich damit ideal für die Navigation zum Beispiel in Menüs – wesentlich besser als das kürzlich vorgestellte und viel teurere Mini-Trackpad. Das montagefreundliche Board besitzt sieben Anschlüsse, je einen pro Richtung, sowie einmal Masse und einmal Spannung. Es integriert 10K-Pullup-Widerstände; benötigen Sie Pulldowns, vertauschen Sie beim Verkabeln einfach Masse und Spannung. Für die Entprellung sorgt ein Kondensator je Richtung.

Der einzige Nachteil des Tasters: Der Anschluss erfordert fünf Pins, da sich das Board wie fünf einzelne Schalter verhält. Beim RasPi stellt das aber meist kein Problem dar. Um den Taster an einen Mikrocontroller anzuschließen, benötigen Sie eventuell einen GPIO-Port-Expander. Cytron-typisch ist der gute Service, selbst bei diesem billigen Baustein. Neben Datenblatt und Stromlaufplan gibt es auch ein importierbares Fritzing-Objekt. (agr)

5-Wege-Taster

 

Preis: 2,67 Euro

Bezugsquelle: Cytron

Infos

  1. Github-Repo zu den Pirate-Audio-Hats: https://github.com/pimoroni/pirate-audio
DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDFUmfang: 2 HeftseitenPreis €0,99
(inkl. 19% MwSt.)
€0,99 – Kaufen
RASPBERRY PI GEEK KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS
Deutschland