Tizonia streamt Musik von Online-Quellen und lokalen Sammlungen. Die schlanke Architektur macht den Player zur guten Wahl für den Einsatz auf dem RasPi.
Streaming-Dienste erweitern die lokale Musiksammlung und erlauben es, über individuelle Playlists oder nach dem Zufallsprinzip neue und beliebte Titel zu genießen. Der Audioplayer Tizonia [1] bündelt verschiedene Dienste sowie einen Plex-Server und lokale Dateien unter einem Dach. Sie steuern die Software mit wenigen Befehlen von der Kommandozeile aus – und genau das macht Tizonia zu einem ausgezeichneten Kandidaten für den Raspberry Pi.
Eigentlich sollte dieser Artikel auf Grundlage eines RasPi 4B [2] entstehen. Aber die Software harmoniert noch nicht mit dem neuen Raspbian “Buster”, und der RasPi 4B ist im Gegenzug nicht zum Vorgänger mit dem Codenamen “Stretch” kompatibel. Also blieb nichts anderes übrig, als einen RasPi 3 Modell A+ herauszukramen und “Stretch” darauf einzurichten. Zusätzlich kam die Software kurz auf einem RasPi 2B zum Einsatz, der sich aber als zu schmalbrüstig für den Betrieb erwies.
Für jeden etwas
Tizonia ist in C/C++ geschrieben und bindet diverse Online-Dienste per Python ein. Das Projekt untersteht der Lesser General Public License v3.0 (LGPL). Die Software unterstützt Spotify Premium, Google Play Music (freie und Bezahlversion), Youtube, SoundCloud, Plex-Server und Chromecast.
Das Abspielen lokaler Dateien in den Formaten M2a, MP2, MP3, AAC, Ogg/Vorbis, Flac, Opus, WAV, AIFF und AIF gelingt per Samba-Freigabe. Zusätzlich eignet sich Tizonia als Shoutcast/Icecast-Server für lokale MP3-Dateien im LAN.
Darüber hinaus erlaubt der Player einen ersten Blick auf das Multimedia-Framework OpenMAX IL 1.2 [3] im echten Einsatz. Die von Lizenzgebühren freie Abstraktionsschicht bietet Funktionen, die zum Verarbeiten von Audio und Video unter anderem auf eingebetteten Systemen und Smartphones notwendig sind und die ansonsten über herstellerabhängige APIs bereitstünden.
Im Fall des Raspberry Pi benötigen Sie so das proprietäre Multi-Media Abstraction Layer API (MMAL [4]) von Broadcom nicht mehr. OpenMAX IL macht außerdem die üblichen Werkzeuge wie Ffmpeg, Libav, Gstreamer oder Libvlc überflüssig.
Für CLI-Liebhaber
Anstelle des neuen Raspbian “Buster”, das auf Debian 10 basiert [5], kam im Test das von Debian 9 abgeleitete Raspbian “Stretch” [6] zum Einsatz. Wenn Sie das Heft in Händen halten, sollte laut Antwort des Entwicklers auf einen Bug-Report eine neue Version bereits bereitstehen oder sich zumindest kurz vor dem Release befinden, die “Buster” und damit den RasPi 4B unterstützt [7].
Das Abbild schreiben Sie mit dem Befehl dd oder dem grafischen Tool Etcher [8] auf eine SD-Karte. Der Vorteil von Etcher ist, dass man dabei nicht aus Versehen die Festplatte statt eines USB-Sticks oder einer SD-Karte auswählt.
Vorarbeit
Liegt das Tizonia-Abbild auf der SD-Karte, statten Sie den RasPi mit Ethernet-Kabel, Tastatur, Display, einem Kopfhörer oder Lautsprechern und bei Bedarf einer Maus aus und schließen zum Starten das Netzteil an. Das System verlangt als Erstes eine Anmeldung, Benutzername und Passwort lauten pi und raspberry. Vorsicht: Wegen des zu diesem Zeitpunkt noch englischen Tastaturlayouts sind die Buchstaben “y” und “z” vertauscht.
Zunächst sollten Sie herausfinden, welche IP-Adresse der Mini-PC per DHCP erhalten hat. Haben Sie einen Bildschirm angeschlossen, genügt dort ein Aufruf von ifconfig oder ip addr, um die Adresse zu ermitteln.
Arbeiten Sie ohne Display, rufen Sie auf einem Client, also einem PC oder Notebook im LAN, den Befehl nmap -sP 192.168.Oktett.0/24 auf. Als grafische Anwendung liefert ein Quick-Scan mit Zenmap ebenfalls das Gewünschte. Mit der gefundenen IP-Adresse verbinden Sie sich dann per SSH auf den RasPi.
Per SSH
Dazu starten Sie zunächst auf dem RasPi mit dem Befehl aus der ersten Zeile von Listing 1 den Dienst und aktivieren ihn mit dem Kommando aus der zweiten Zeile. Anschließend melden Sie sich von einem Client aus via SSH als pi@RasPi-IP auf dem Mini-Rechner an.






