Anschließend steht das Repository für jeden Entwickler zu Aktionen bereit, der über das lokale Netzwerk oder das Internet Zugriff auf den Server hat. Die Daten lassen sich dann mit dem Kommando aus der letzten Zeile von Listing 5 auf den eigenen Rechner laden oder im Git-Sprech “klonen”. Das bedeutet, dass eine identische Kopie mit allen Änderungen auf dem lokalen System erstellt wird.
Über das Remote Repository können nun auch andere Entwickler ihre Änderungen am Quellcode mitsamt den dort gelagerten Daten ins Projekt einbringen. Das umfasst auch die Möglichkeit, dass zwei oder mehr Entwickler an demselben Code arbeiten.
Das Kommandozeilen-Tool von Git beherrscht alle für das Verwalten von Repositories nötigen Aktionen. Für den Einstieg sollten Sie anfangs auch auf jeden Fall mit dem Tool auf der Kommandozeile einige Erfahrungen sammeln. Bei größeren Projekten mit vielen parallel laufenden Entwicklungen fällt es allerdings zunehmend schwer, die Übersicht zu behalten. Daher sehen wir uns im nächsten Abschnitt einige grafische Clients für Git an.
Grafische Git-Clients
Wer sich in der Windows-Welt bewegt, sollte sich auf jeden Fall einmal Sourcetree [4] ansehen. Der Hersteller Atlassian bietet das gut durchentwickelte Produkt kostenfrei für Windows und MacOS an. Der Quellcode der Anwendung liegt allerdings nicht offen, und es gibt keine Version für Linux. Die Raspberry-Architektur unterstützt Sourcetree ebenfalls nicht.
Arbeiten Sie unter Linux, wäre Gitkraken [5] vielleicht das Tool Ihrer Wahl. Axosoft, das Unternehmen hinter der Software, stellt das Programm kostenlos zur Verfügung, allerdings handelt es sich auch hier um ein Closed-Source-Projekt. Es existiert zwar eine Linux-Version, eine auf dem Raspberry Pi lauffähige Variante fehlt jedoch.
Einer der wenigen grafischen quelloffenen Git-Clients ist Git Cola (Abbildung 1). Das Programm lässt sich bei vielen Linux-Distributionen direkt aus den Paketquellen installieren, so auch auf dem Raspberry Pi mit dem Kommando sudo apt install git-cola. Hinweise zur Installation auf anderen Linux-Systemen sowie für MacOS und Windows liefert die Homepage des Projekts [6].

Abbildung 1: Den grafischen Git-Client Git Cola finden Sie in den Paketquellen der meisten Linux-Distributionen. Die Entwickler bieten das Open-Source-Programm auch für MacOS und Windows an.
Gitlist
Nicht immer möchte man gleich den Quellcode eines Projekts auf den eigenen Rechner klonen, oft genügt schon ein schneller Blick auf die Sourcen. Hierfür bietet sich der Einsatz eines Webfrontends wie Gitlist [7] an. Es lässt sich ohne viel Aufwand mit den Kommandos aus Listing 6 auf dem Git-Server installieren.
Listing 6
$ sudo -s $ apt install apache2 php libapache2-mod-php $ a2enmod $ cd /var/www/html $ wget https://github.com/klaussilveira/gitlist/releases/download/1.0.2/gitlist-1.0.2.tar.gz $ tar -xvzf gitlist-1.0.2.tar.gz $ cd gitlist $ cp config.ini-example config.ini $ chmod 644 .htaccess $ mkdir cache $ chown www-data cache
Da Gitlist mit “sprechenden” URLs arbeitet, müssen Sie den Apache-Webserver entsprechend konfigurieren. Editieren Sie dazu mit administrativen Rechten die Datei /etc/apache2/sites-enabled/000-default.conf und fügen Sie die Zeilen aus Listing 7 in die Sektion Virtual Host ein.
Listing 7
<Directory /var/www/> Options Indexes FollowSymLinks MultiViews AllowOverride all Order allow,deny allow from all </Directory>
Damit der Webserver die Änderungen erkennt, müssen Sie den Dienst einmal mit sudo service apache2 restart neu starten. Wenn Sie nun von einem Arbeitsplatzrechner aus per Webbrowser die IP-Adresse des Raspberry Pi ansurfen, können Sie bequem im Quellcode Ihrer Git-Projekte stöbern (Abbildung 2).

Abbildung 2: Gitlist ergänzt den Git-Server um eine webbasierte und intuitiv zu bedienende Oberfläche.
Fazit
Git gilt als eines der mächtigsten Tools für Entwickler. Der Umfang dieses Artikels erlaubt nicht, ausführlicher in die Materie einzusteigen. Die hier vorgestellten Grundlagen zeigen allerdings schon die ersten Schritte auf, um auch in kleinen Projekten den Quellcode in einem sicheren Repository abzulegen.
Selbst als Bastler und Gelegenheitsprogrammierer sollten Sie überlegen, ein Tool zum Verwalten des von Ihnen entwickelten Quellcodes einzusetzen: Auch bei kleinen Projekten tut es weh, wenn die Arbeit von Tagen durch einen kleinen Fehler plötzlich verloren geht. Beschäftigen Sie sich also besser noch vor dem ersten Crash mit dem Thema.





